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Montag, 06. Januar 2020

Neujahrsansprache von Ministerpräsident Armin Laschet

"Heute beginnt ein neues Jahr, ein neues Jahrzehnt – die Zwanziger.
Neue Hoffnungen, neue Chancen, neue Herausforderungen. Es liegt an uns, ob es Goldene Zwanziger werden – wirtschaftlich, ökologisch, technologisch, politisch, menschlich.
 
Wir können mit der an unseren Universitäten, in unseren Handwerksbetrieben und Unternehmen vorhandenen Exzellenz Spitzenleistungen vollbringen. Ohne jeden Zweifel. Wir können in der Globalisierung, bei der Bekämpfung des Klimawandels, in der Digitalisierung führend bleiben, wenn wir uns anstrengen und schneller werden bei Planungen und bei der Umsetzung des Neuen. Alles ist möglich.

 
Aber gelingt es uns auch in dem rasanten Wandel dieser Zeit unsere zivilisatorischen Errungenschaften zu bewahren? Wie steht es um unsere Toleranz gegenüber einer anderen Meinung, um die Rücksichtnahme auf die Schwächeren, um das Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen? Um Maß und Mitte? Um die Freude am Kompromiss statt dem Glauben an die eigene moralische Unfehlbarkeit?

 
Wir brauchen eine neue Fairness in unserem Land, die Unterschiedlichkeiten anerkennt und wertschätzt.
 
Wenn man in der Millionenstadt Köln lebt, kann man ohne weiteres den drastischen Ausbau der Windenergie fordern. In der Großstadt steht kein Windrad. Aber wenn man im Paderborner Land im Schattenwurf eines Windrads lebt, sieht man die Sache vielleicht etwas anders.

 
Der Großstädter kann leicht auf U- und S-Bahn umsteigen, er spart dabei sogar Geld, Zeit und Nerven. Keines meiner drei Kinder besitzt ein Auto. Aber sie leben alle in großen Städten. Für Millionen Menschen in unserem Land, die im ländlichen Raum leben, sichert das Auto aber Mobilität, auf dem Weg zur Arbeit, zu Freunden, zu den Kindern oder den Eltern, zum Arzt und zum Einkaufen. Sie nervt das Moralisieren derer, die anders leben können, weil sie anderswo leben.

 
Die ländlichen Regionen im Münsterland, in Südwestfalen und in Ostwestfalen und Lippe sind innovativ und haben inzwischen längst die gleiche industrielle Kraft wie städtische Regionen etwa im Ruhrgebiet.


Die Menschen in den ländlichen Regionen wollen sich und ihre Unternehmen weiter entwickeln können, aber sie sorgen sich häufig um die Ärzteversorgung und den Anschluss an schnelles Internet. Und viele pendeln zur Arbeit in die großen Städte. Sollen sie alle umziehen in schon heute überhitzten Wohnungsmärkte oder sollen wir fair und dankbar anerkennen, dass sie die Mühe des Pendelns Tag für Tag auf sich nehmen?

 

Fairness – das heißt auch, den Blick zu bewahren für die Not und die Fragen Anderer.
 
Und dafür gibt es so viele Beispiele.

 
Ich denke an die Kluft zwischen denen, die mit jedem Cent rechnen müssen, damit sie über den Monat kommen und anderen, die sich darum sorgen, dass sie für ihr Erspartes ab 100.000 € Negativzinsen zahlen müssen.

 
Ich denke an die Welten zwischen dem Digital Native, der mit dem Internet und Künstlicher Intelligenz großgeworden ist, und dem erfahrenen Facharbeiter, dessen Aufgaben immer mehr von Computern und Robotern übernommen werden.


Ich denke an die jungen Bauern, die Angst haben, ob sie angesichts immer neuer Vorschriften den Familienbetrieb erhalten können und die Familien in den Städten, die gesunde Ernährung und fairen Handel großschreiben. Wer regional erzeugte Lebensmittel will, muss Landwirten Anerkennung entgegenbringen – zum Beispiel einen fairen Preis bezahlen.

 
Fairness verlangt auch und vor allem, sich bei allem Engagement nie von Aggression, Hass und Wut leiten zu lassen. Die sozialen Medien bieten die Chancen umfassender Informationen, aber leider auch immer mehr die Gefahr der Zuspitzung, des Rückzugs in Filterblasen, in eine Welt derer, die genauso leben und denken, wie man selbst.

 
Deshalb ist das gute, alte persönliche Gespräch so wichtig zwischen Alt und Jung, zwischen denen, die in der Großstadt und denen, die im ländlichen Raum leben, zwischen denen, die zugewandert und geflohen sind und denen, deren Familien schon immer hier leben. Ein Gespräch mit einem anderen zu führen, zuhören zu können – das lebt von der Bereitschaft anzuerkennen, dass der andere Recht haben könnte.
 
Ein gutes Gespräch weitet unsere Sicht auf die Welt, es wertschätzt den anderen, es hinterfragt die eigene Selbstgewissheit – und bereichert uns selbst. Vielfalt bereichert. Meinungsverschiedenheit bereichert, weil Menschen verschieden und nicht einheitlich sind.
 


In varietate concordia – in Vielfalt geeint, so lautet das Motto der Europäischen Union. In vielen Ländern und in allen Zeiten gab und gibt es die Sehnsucht nach dieser Einheit.


 
Wenn wir, die 18 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen, die Zwanziger Jahre beginnen mit dem Willen zur Vielfalt, die uns einen kann, wenn wir bereit sind zu einer neuen Fairness – dann können es Goldene Zwanziger werden.“

 

- Quelle: Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

- Foto: OZ


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