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Dr. Karlheinz Gierden



07.08.06. Der Vater der Abtei

Die Restaurierung der Abtei Brauweiler kann er sich getrost auf die Fahne schreiben. Nicht umsonst wird er respektvoll „Vater der Abtei“ genannt. Entscheidenden Einfluss genommen hat er auf die forstliche Rekultivierung des ehemaligen Braunkohlereviers in der Ville, zum Teil gegen die eigene Partei. Vieles ist ihm gelungen, auch in Zusammenarbeit mit namhaften Sozialdemokraten, wie er gerne betont. Dass aber die beiden Kölner Sparkassen in der zweiten Hälfte der 70er Jahre nicht zusammengegangen sind, darüber ärgert sich Dr. Karlheinz Gierden heute noch. Aber die aufreibendste, von Bluthochdruck geprägte Zeit seines beruflichen Lebens liegt weit hinter ihm. Der einzige Posten, den er noch bekleidet, ist der Vorsitz im „Freundeskreis Abtei Brauweiler. Und das genügt ihm vollauf.

 

30 Jahre die CDU geführt

 

„In meinem Alter“, meint er scherzend, „kann man sich zur Ruhe setzen.“ Gierden, der 30 Jahre die CDU-Fraktion im „Rheinischen Rat“ beim Landschaftsverband geführt hat und der letzte Oberkreisdirektor (OKD) des Landkreises Köln war, feiert heute seinen runden Geburtstag.

 

„Stellen Sie sich vor, was die Fusion der Sparkassen bedeutet hätte. Wir hätten nur einen Kreditausschuss für Köln und den Rhein-Erft-Kreis gehabt. Das hätte Investoren angelockt.“ Zudem wäre auf Anhieb die größte Sparkasse der Bundesrepublik entstanden. Gescheitert ist die Fusion damals wohl, weil die ehemaligen Vorstandschefs sich nicht grün waren. Dabei hatte Gierden, seit dem Ende seiner Wahlzeit als OKD 1974, Mitglied im Vorstand der Kreissparkasse, alles für eine Zusammenführung der Sparkassen vorbereitet. Aber es wurde nichts. Und auch die Aussicht auf den Vorstandsposten bei der Kreissparkasse schwand. Gierden wurde zwar Vorstandschef, aber nicht bei der KSK, sondern bei der Kölner Bank. Der blieb er bis 1990 treu.

 

Vor seinem Wechsel ins Kreditgewerbe hatte er gar nicht erst versucht, im neu geschaffenen damaligen Erftkreis wieder Chef der Kreisverwaltung zu werden. Ihm schien klar, dass es für einen CDU-Mann in der SPD-Bastion „keine Mehrheit gab“. Recht behielt er, wenn auch nicht ganz. Kein SPD-Vertreter kam in das Amt, sondern FDP-Mann Dr. Helmuth Bentz wurde erster OKD des damaligen Erftkreises. Neben dem Beruf engagierte Gierden sich immer auch ehrenamtlich. In die CDU war er 1946 gekommen. Vor der Kommunalreform gehörte er dem Kreistag in Köln an und war auch mehrere Jahre im Frechener Rat, später im Kölner Rat. In die Landschaftsversammlung wurde er 1964 zum ersten Mal gewählt, kam 1969 an die Spitze der CDU-Fraktion und blieb es 30 Jahre.

 

Die Abtei in Brauweiler, deren Restaurierung er 1979 als Vorsitzender des Kulturausschusses im Landschaftsverband (LVR) in Gang setzte, liegt ihm noch heute am Herzen, auch wenn es unangenehme Erinnerungen gibt. Die Abtei gehörte vor ihrer Restaurierung zu den Landeskrankenhäusern des LVR. Untergebracht waren dort Alkoholkranke. Einmal hätten sich mehrere Patienten zur Flucht entschlossen und an Bettlaken aus den Fenstern abgeseilt. Das sei für ihn als politisch Verantwortlichen der Mehrheitsfraktion nicht ohne Folgen geblieben: Eines Tages habe ihn eine Staatsanwältin zu den Vorfällen verhört. Mehr wurde daraus nicht. Umso mehr aber wurde Gierden für sein Engagement geehrt: Als erster Rheinländer erhielt er den Ehrenring des LVR, ebenso die Ringe des alten Landkreises Köln und des Rhein-Erft-Kreises. Das Land NRW ehrte ihn mit dem Verdienstorden, der Bundespräsident zeichnete Gierden mit dem Großen Bundesverdienstkreuz aus. Papst Paul VI. ehrte ihn mit dem Komturkreuz des Heiligen Gregorius.

 

„Faule Kompromisse“

 

Nichts drängt ihn derzeit wieder in die Kommunalpolitik. Es gebe, wie überhaupt in der Politik, keine schlüssigen Konzepte mehr. „Es gibt nur faule Kompromisse und Gewürge.“ Die Menschen in der Kommunalpolitik hätten früher eine berufliche Basis gehabt, aus der heraus sie Politik gemacht hätten. Heute seien viele Leute ohne einen solchen Hintergrund in den Räten. Das Motiv dafür sei oft nur „der Wunsch nach politischem Aufstieg - und das reicht nicht“.

 

Gierden, der Jura studiert hat, über Hegels „Lehre vom Staat“ promovierte und sich heute als Hobbyhistoriker bezeichnet, liest viel und genießt seinen Ruhestand. Die harten Wintermonate will der Frechener, zweifacher Vater und dreifacher Großvater, der seit 56 Jahren mit seiner Frau Hanni verheiratet ist, im Warmen verbringen. Im Januar geht es für sechs Wochen in den Süden - nach Portugal.

KStA. VON NORBERT KURTH, 07.08.06


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