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Samstag, 24. Januar 2009

"Can do aproach" - Neujahrsempfang der FDP Pulheim

Pulheim – 24.01.09 – Freitagabend Medienzentrum - Neujahrsempfang der FDP. – Es regnet „Fäden“, begleitet von heftigen Windböen, und man ist froh, wenn man dann im Sauseschritt die Stufen erklommen hat, um im zurückhaltend dekorierten Foyer des Kultur- und Medienzentrum zu landen. “Ich grüße Sie ganz herzlich“ – so kommt eine bestens gelaunte Luzia Kilias entgegen, mit festem Händedruck und offenem Lächeln. Die Vorsitzende des Ortsverbandes und Fraktionsvorsitzende der FDP im Rat der Stadt Pulheim hat heute ihren ganz großen Tag, so das Gefühl des Beobachters. Sie leitet für ihre Partei das eminent wichtige Wahljahr – viele reden von „Superwahlen“ – von 2009 ein. Dabei, was man den ganzen Abend mit Händen fassen kann, kann die FPD vor Kraft und Selbstbewusstsein kaum laufen. Der ganze Abend, so scheint es, hat die Botschaft: „Wir Liberalen werden mitreden“ bei der Machtverteilung auf allen politischen Ebenen: Bei den kommunalen Wahlen, den Bürgermeisterwahlen, den Kreistagswahlen, den Wahlen zum Landrat, den Wahlen zum Europäischen Parlament und – was derzeit fast untergeht – ,es wird auch der Bundespräsident gewählt.

 

„Liberale Familie“

 

Plötzlich hörte man E-Gitarren; ja, die „Rolling Cubes“ , bestehend aus Dr. Thomas Pütter und Dr. Martin Wortmann, machten über Verstärker Instrumentalmusik, angemessen dem Sinn und Zweck eines „Neujahrsempfangs“ der „liberalen Familie“ (so ein Teilnehmer im Plenum) von Pulheim. - Die Ouverture der drei Redebeiträge im gut gefüllten Saal startete Luzia Kilias, gefolgt von Horst Engel, Ratsherr und MdL sowie als „besonderer“ Gast, dem Staatsminister a.D. Dr. Werner Hoyer (MdB). Die Beiträge der Politiker ließen eine „Arbeitsteilung“ in der Akzentuierung erkennen. Wo die Reise für Frau Kilias hinführt, machte sie unumwunden klar: „Für die Zukunft der Stadt Pulheim begrüße ich einen wichtigen Mann, den Bürgermeisterkandidaten der CDU, Frank Keppeler“ – (höflicher Beifall!) – Und: Wir wollen die Fortführung der bürgerlichen Mehrheit im Rat; um diese stark zu halten und nicht zu zersplittern, habe die FDP, so die Vorsitzende, auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Ihr Motto deshalb: „Eine starke FDP stärkt den Bürgermeisterkandidaten“. Die Politik im Rat werde weiter geprägt sein von einem politischen Kurs, bei dem die Sparsamkeit, wie in der Vergangenheit, einen großen Stellenwert habe.

 

„Kein Staatssozialismus!“

 

Statt moderater Töne hörte man dann später echten Wahlkampf-Sound: „Wir wollen keinen Staatssozialismus“, wir wollen, dabei wurden die politischen Verbalisierungen immer voluminöser: Wir wollen „die beste Kinderförderung der Welt“. Zum Schluss dann der Imperativ: „Seien Sie klug, geben Sie Ihre Stimme der FDP, Pulheim braucht eine bürgerliche Mehrheit, damit die Stadt sich gut entwickelt“. Horst Engel übernahm den Part, die FDP als standfeste und glaubwürdige Partei zu definieren. „Herr Hahn (FDP-Spitzenkandidat bei der Hessen-Wahl 2008/2009) hätte sich „in einen Dienstwagen setzen können“ – hat er aber nicht – so das Fazit von Engel, sondern er hat dieses „schreckliche Jahr“ (= Ypsilanti wollte Rot-Grün-Rot, und Koch blieb ein Jahr geschf. Ministerpräsident) mutig durchgestanden. Er verwies auf die Kontinuität, man könnte fast heraushören – „dieser neuen FDP“ – seit 2005, als nach dem Abgang von Schröder auch Westerwelle den Verlockungen einer „Ampel“ (Rot, Gelb, Grün“) nicht gefolgt ist. – Bei der „Hessenwahl“, so Engel, sei die FDP mit diesem „fantastischen Ergebnis belohnt worden – eben mit 16,2 Prozent“. (Es folgte kräftiger Beifall aus dem Plenum und die leise Bemerkung der Nachbarin des Journalisten: „Reden kann er“ Elisabeth Rehmann CDU, erste stellv. Bürgermeisterin der Stadt Pulheim).

 

Beim Folgeredner, überdies ein bekennender FC-Fan - war dessen weltläufige politische Sozialisation, die ihn einst bis zum Staatsminister im Auswärtigen Amt (unter Kinkel) gebracht hatte, immer wieder herauszuhören, inklusive die immer wieder erwähnte biografische Notiz. „Das habe ich in den USA beobachtet.“ Dr. Werner Hoyer referierte in groben Zügen die Weltlage unter dem Blickwinkel einer immer heftiger zu spürenden Wirtschaftskrise in Deutschland und gab Empfehlungen, was jetzt zu tun sei. „Die Stimmung ist gut“, Politik darf sich nicht mit „Realitätsverweigerung“ begnügen. Dazu gehöre auch, so Werner Hoyer, dass wir als stark gewordene FDP jetzt nicht „in Fundamentalopposition“ in den Parlamenten agierten, sondern in diesem Land an der Justierung der wichtigen „Stellschrauben“ mitwirken, und „unsere eigenen Vorstellungen“ dabei einbringen. Der Abgeordnete aus Berlin nannte vier Essentials liberaler Politik:

 

"Vier liberale Essentials"

 

Auf keinen Fall eine Art von Protektionismus, Deutschland ist auf „offene Märkte angewiesen“. Bei der Stärkung der Konsumnachfrage kommen wir bald an unsere Grenzen; deshalb müssten auch kleine und mittlere Einkommen vor „kalter Progression“ geschützt werden. Drittens: Die Investitionsnachfrage muss effektiver gesteuert werden; es sei ein Unding, dass etwa bei den deutschen Flughäfen ein Investitionsstau von Aber-Millionen Euro existiere. Würde man das Planungsrecht und die Genehmigungsverfahren durch Abbau bürokratischer Hemmnisse verschlanken, käme das privaten Investoren zu Gute bzw. der Wirtschaft insgesamt. Was die Stärkung der „Staatsnachfrage“ anbelange, so der Staatsminister a.D., dürfe man nicht mit der „Gießkanne“ agieren, sondern „dort hingehen, wo es echten Bedarf gibt“. Schließlich viertens: Diskussionen über die Optionen in der Energiepolitik dürfen „nicht tabu“ sein; dies gilt für Kohlekraft- und für Kernkraftwerke. Nach einem Seitenhieb auf manche Konzerne und Manager („Hat viel mit Privatgier zu tun!“) – bekam die amtierende Bundesregierung auch noch ihr Fett ab: In Zeiten, wo man 170 Mrd. Steuer Kasse gemacht habe, sei verschlafen worden, „Rücklagen“ zu bilden; stattdessen sitze man heute auf einem Schuldenberg.

 

„Can do approach“

 

Werner Hoyer, der in seiner Rede ohne Manuskript auskam, kam dann auf sein Lieblingsland, die USA zu sprechen. Die „Bill of Rights“, so seine Ausführung, repräsentiere Freiheitsideale, wie nirgends sonst; weiter: „Obama hat eine durch und durch liberale Freiheitsrede“ gehalten. Dieses typisch amerikanische „can do approach“ – was er selbst in den USA immer wieder beobachtet habe, so Hoyer, verkörpere auch eine Grundhaltung des neuen US-Präsidenten, den er dann so zitiert: „Man muss sich etwas zutrauen“, eben: „Can do approach!“. – Zum Schluss folgte ein Shoot-Out mit Verve: „Die Wiedergeburt des politischen Liberalismus haben wir erfolgreich organisiert“ und der Appell: „Es ist Zeit, einzusteigen“, also Mitglied zu werden. - Herzlicher, langanhaltender Beifall. - Zwei Mitglieder, die bereits 40 Jahre der FDP angehören, wurden ausgezeichnet, darunter Herr Portig. -

 

An der Schrittfrequenz vieler aus dem Saal in Richtung Foyer hastenden Menschen spürte man, was die meisten Gäste zusehends bedrückte: „Hunger und Durst“ – warum nicht? In Null, Komma nix, bildete sich eine ellenlange Schlange der ungefähr 150 Gäste, die gekommen waren, und es lohnte sich. Es gab köstliche Leckereien, von Braten über Buletten, viele diverse Salate, Käse usw. Natürlich durfte Kölsch nicht fehlen; viele hatten ihr Glas schon vorher mit in den Saal genommen.

 

Im Gewühl von hungrigen und bereits essenden Menschen hatte man Gelegenheit, prominente und weniger prominente Gäste zu suchen und zu befragen, darunter viele Bekannte. Man erhält erneut die Bestätigung, dass das politische Biotop Pulheim recht überschaubar ist. Ketzerisch würden manche das Paradoxon formulieren: „Man trifft, trotz verschiedener Anlässe, immer die gleichen Leute!“. – Nun ja, es lohnt sich immer wieder, die überwiegend gut gelaunten Menschen, die in ihrer Mehrzahl in angemessener Konfektion erschienen waren, nach ihrem Befinden zu befragen.

 

VDK-Aktivistin Rühl

 

Elisabeth Rühl, Aktivistin des VDK-Ortsverein Pulheim, - sie ist dort im Vorstand Kassiererin - wird heute von ihrem Mann Joachim begleitet. Er ist FDP-Mitglied seit, wie er sagt, „seit ewigen Zeiten“. Beide, so ist zu hören, kommen immer wieder gerne zu solchen Treffen. Nach der Begrüßung von Karin und Werner Außem trifft man auf Birgit Liste-Partsch, die mit ihrem Mann Michael erschienen ist. Die Ratsfrau aus Sinthern macht einen aufgeräumten Eindruck. Michael ist zwar nicht Ratsherr, aber immerhin „sachverständiger Bürger“ im Rat der Stadt. Diesen Sachverstand bringt er vor allem bei familienpolitischen Themen ein; schließlich ist er Vorsitzender vom „Familiennetzwerk Pulheim e.V.“ Im Privatberuf ist er in der IT-Branche für einen Global Player tätig (HP); dieser Job, so sagte er, verursache viele Reisen in ganz Europa. Erstaunlich sind „echte“ Wahlkampftöne“ bei den beiden kaum zu vernehmen. Eher in leise Töne verpackt folgen politische „Bekenntnisse“ und Wünsche. Natürlich möchte Brigitte ihren Wahlkreis 18 in Sinthern wieder mit einem respektablen Ergebnis (in 2004 gab es für sie 17,8 Prozent) bestreiten. Das Paar einer Tochter zeigt sich in seinen Prognosen durchweg optimistisch, bis auf die Frage „Wer wird Bürgermeister“? - worauf eher zurückhaltendes Echo folgt. Auf die Frage, welche Wünsche es für 2009 gäbe, kommt die Antwort spontaner: Gesundheit, Frieden in der Familie und natürlich: „Ein Bombenergebnis für die FDP“ bei der anstehenden Wahl.

 

„Ist doch klar: Keppeler gewinnt!“

 

Hartmut Liebe, der Präsident des Pulheimer SC läuft mir über den Weg, ein Kölsch in der Hand. „Ich komme immer sehr gerne hierher"; man habe ja, so Liebe, „gemeinsame Ziele, etwa im Sport". Und ein „bisschen Lobbying“ schade ja für eine gute Sache sowieso nicht, fügt er freundlich hinzu.- Hansjakob Wolff, ja, immer noch amtierender Ortsvorsteher von Pulheim – „und Orr, nicht vergessen!“ – ist glänzend aufgelegt. Sein Siegerkandidat für den Bürgermeister-Job ist „Keppeler“, „ist doch klar!“. Neben ihm steht Herbert Kittelmann (77), ein „Industrieelektronik-Techniker“ im Ruhestand (zuletzt bei der Firma „Bizerba“ – die auch Waagen herstellt), einfaches, aber „unerschütterliches“ FDP-Mitglied; er blieb es auch in „Krisenzeiten“, so sein Statement. Vorbei am Ratsherrn Ehm (FDP) und dem Ehepaar Maaß (Freunde des Alten Rathauses) - geht es weiter durch die Tischreihen, vorbei am Ratsherrn Lutz Teckentrup ("Die Frikadellen habe ich gemacht!"). -

 

Klaus Denner (64) ist in Pulheim eine feste Größe. Das politische Establishment kennt ihn als „Justiziar“ der Stadt, für die er 30 Jahre in dieser Funktion tätig war. Seine Mitgliedschaft in der FDP hat ihm nicht geschadet; schließlich habe er sich „bewusst zurückgehalten“. „Apollonia“, so der wunderschöne Vorname seiner sympathischen Frau, die von Beruf Allgemeinmedizinerin ist und in Pulheim praktiziert, strahlt übers ganze Gesicht. Bei einem kurzen Stopp an der Theke treffe ich auf drei Feuerwehrleute in schicken schwarzen (Ausgeh-)Uniformen, auch alte Bekannte: Brandoberinspektor Peter Fenkl aus Brauweiler, dessen Vorgänger Erwin Horn und Reinhard Gremlitza, Löschzugführer aus Pulheim. Man sieht ihnen die gute Laune förmlich an. Sie seien einer „privaten“ Einladung gefolgt, natürlich würden sie im Brandfalle „anpacken“.

 

Begrüßt werden nun von mir Hildegard Fichtner, langjährige Fraktionsgeschäftsführerin der FDP-Fraktion sowie deren Mann, Bernd Fichtner, der viele Fotos an diesem Abend „schießt“ – und der stellv. Fraktionsvorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion im Rhein-Erft-Kreis, Karl-Heinz Weingarten: „Es ist super hier, mit gefällt es außerordentlich!“ – hört man von ihm.

 

„Familie Dr. med.“

 

Wo Werner Theisen ist, so ein Bonmot in Pulheim, muss „was los sein“; - was heute aber gar nicht stimmt. Der Fraktionschef der CDU gibt der FDP als Koalitionspartner die, wie er sagt, „selbstverständliche“ Ehre an diesem Abend. „Wer Bürgermeister wird?“ – Ist doch klar: „Unser Kandidat Frank Keppeler!“ – Platz genommen am Nebentisch haben derweil Barbara Dufrenne, Rechtsanwältin aus Pulheim – heute „solo“, sowie die Familie Dr. Müssig, der in Pulheim kein Unbekannter ist. Der Medizinaldirektor Dr. med. Jens-Peter Müssig ist amtierender Präsident des „Rotary-Club“ (Nachfolger von Frau Dufrenne) – und wird heute von seiner Frau, Dr. Gabriele Müssing, ebenfalls Ärztin, begleitet. Auch die anwesende Tochter Katharina hat mit Medizin zu tun. Sie studiert im Ersten Semester an der „Ludwig-Maximilians-Universität“ in München Humanmedizin. Sie ist Marine-Soldatin bei der Bundeswehr; ihr offizieller Titel ist: „Sanitätsoffizier-Anwärterin“. Wenn Sie nach 12 Semestern ihr Studium beendet haben wird, so Katharina, ist sie „Stabsärztin“.

 

„Gelungener Neujahrsempfang?“ – Ein Fazit

 

War es ein gelungener Neujahrsempfang der FDP an diesem 23. Januar 2900? – wird man zu Hause gefragt. Leider fehlen in Pulheim Vergleiche mit „Empfängen“ der politischen Mitbewerber. Aber soviel lässt sich resümieren: Die FDP in Pulheim strotzt vor guter Laune, ohne zu übertreiben. Sie zeigt sich wegen ihres bundesweiten „“Aufstiegs“ in die Liga der zweistelligen Parteien keineswegs „durchgeknallt“ (Werner Hoyer). Sie zeigt mehr Profil als noch vor einigen Jahren, was natürlich als „Mitglied“ der Mehrheitsfraktion besser gelingt als in der Opposition. Der Abend ließ ein Klima des „Aufbruchs“ zu neuen Zielen erkennen. Natürlich kommt der Rückenwind auch von der Konstellation in Düsseldorf, wo ein selbstbewusster Prof. Pinkwart sich neben dem im Lande immer populärer werdenden Pulheimer Dr. Jürgen Rüttgers, bestens zu profilieren scheint. Was aufgefallen ist an diesem Abend, ist der Eindruck von einer politischen Kultur mit „leisen“, eher argumentierenden Tönen; man ist, so kann man beobachten, meilenweit von einer „Krawallpartei“ entfernt. Ein Grund dafür liegt auch in der hohen Dichte von Selbstständigen und Akademikern, die mithelfen, diesen leisen, kultivierten Stil der FDP zu prägen. Die Vorsitzende Luzia Kilias zeigte sich an diesem Abend durchweg freundlich, decidiert unagressiv, und auch mal zu einem (verbalen) Scherz bereit.

 

Wo waren SPD und GRÜNE?

 

Es bleibt offen, wie sich die Partei darstellt, wenn der raue Wind des Wahlkampfs durch die Straßen und Plätze von Pulheim fegt. Bleibt es dann bei den „leisen“ Tönen? Dies bleibt nicht unbeeinflußt vom Stil der echten Konkurrenten mit deutlichen programmatischen Unterschieden: Also von SPD und Bündnis90/DIE GRÜNEN. – Übrigens: Kein Vertreter dieser beiden politischen Mitbewerber wurde beim Neujahrsempfang der Liberalen gesehen! – Zufall oder bereits Indizien eines harten Wahlkampfes? – Foto: Akteure des Abends: H. Engel, Dr. Morisse, L. Kilias, W. Hoyer. - (EH), Fotos: EH - siehe auch Fotostrecke!

 

 


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