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Donnerstag, 08. Dezember 2011

Man kann sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzen...

Pulheim - Die Onlinezeitung wird - immer am Donnerstag - einzelne Bücher ihren Leserinnen und Lesern mit einer kurzen Rezension vorstellen. Frühere Buchbesprechungen können ebenso nachgelesen werden -

Heute: Der Schatten des Malers - James Wilson - Insel Verlag Taschenbuch 4057 - Es beginnt kryptisch mit einem geheimnisvollen Geständnis. Ein guter Schachzug, bei mir Interesse zum Lesen zu wecken. Dazu kommt, dass ich als kunstinteressierte Leserin und Museumsbesucherin hin und wieder Romane über die vergangenen Zeiten lese, die mir das so anders geartete Leben und die Werke eines Künstlers verständlicher machen. William Turner, ein ganz großer Maler des 19. Jahrhunderts in England, war wie viele seiner berühmten Künstlerkollegen in seinem Malstil und Denken, der Auswahl seiner Sujets seiner Zeit weit voraus. Und ausgerechnet ein unbedeutender Maler und Schreiberling W. Hartright will über diesen geheimnisvollen William Turner eine Biographie anfertigen. Doch Hartright – er lebt ebenfalls in London Mitte des 19. Jahrhunderts, ist Mitglied der gehobenen Schicht - gerät in vollkommene Verwirrung, weil er bei seinen Recherchen über den Lebenswandel und das Arbeiten des schon toten Turner ständig mit ganz konträre Aussagen konfrontiert wird. Seine prüde, wenig souveräne Haltung in der damaligen Londoner „Society“ wird in der gesamten Beschreibung sichtbar – Er verstrickt sich, um seinem Anspruch, ein ehrliches Porträt von Turner schreiben zu können, gerecht zu werden, immer tiefer in den Wirren seiner Zeit. Er kann nicht eben mal schnell telefonieren, faxen oder googeln. Der Aufwand, um allein in London von West nach Ost zu kommen, ist nach seiner Beschreibung enorm und nur unter Kraft raubenden Mühen zu schaffen - meist zu Fuß oder mit der Kutsche.

Was mich an diesem Roman fasziniert hat? Man kann sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzen, über die Schwierigkeiten, mit denen die damalige Bevölkerung zu kämpfen hatte, sinnieren. Es werden einem deutlich die Klassenunterschiede vor Augen geführt. Die Beschreibungen der Kunstwerke – man macht sich heute im Zeitalter von vielerlei Medien kaum mehr die Mühe, etwas so ausführlich zu beschreiben – kann man versuchen nachzuvollziehen, die Fahrten in London und Südengland mit dem geistigen Auge mitverfolgen – und nicht zuletzt freue ich mich, dass ich in unserer Jetzt-Zeit lebe und doch tagtäglich allerlei Bequemlichkeiten genießen kann.

Insel Verlag; ISBN 978-3-458-35757-5 für 9,95 EUR. Das Buch ist auch bei der Moewes Buchhandlung erhältlich oder versandkostenfrei zu bestellen.

Weitere Buchbesprechungen hier - (HH), Cover: Insel Verlag


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