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Dienstag, 10. Januar 2012

"Unsere Besten" - Onlinezeitung startet Serie zu Olympia 2012 - Heute: Lena Schöneborn

Lena Schöneborn

Berlin - Es sind nur noch weniger als 200 Tage bis zum absolut sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August 2012). Nach Auffassung des Chefs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, müsse der Anspruch, zu den fünf besten Nationen bei diesen Spielen zu gehören, aufrechterhalten werden. Gefährdet werden könne dieser Anspruch allerdings, so Bach, wenn die finanzielle Basis nicht verbessert werde. Zu den Einrichtungen, die schon seit langem für eine finanzielle Besserstellung der talentierten Sportler eintritt, ist die Deutsche Sporthilfe, gegründet im Jahre 1967. Zusammenfassen kann man die Ziele der Deutschen Sporthilfe so: Die Sporthilfe fördert materiell, ideell und sozial Sportlerinnen und Sportler, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben und die durch ihr Auftreten und ihre Leistungsbereitschaft national und international als Leitbilder für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesellschaft stehen sowie als Motivatoren für die Breitensport-Bewegung.

 

"Über 375 Mio Euro"

In den vergangenen 40 Jahren hat die Stiftung Deutsche Sporthilfe über 375 Millionen Euro für die Förderung junger Talente und Top-Athleten aufgewendet; jährlich zwischen 10 und 12 Millionen Euro. Ihre finanziellen Mittel bringt die Deutsche Sporthilfe derzeit vor allem durch Spenden, Events, Vermarktung, Erlöse aus der Lotterie „GlücksSpirale“ und den Sport-Briefmarken auf. So stammen zwei Drittel der Einnahmen aus Spenden von Kuratoren und Förderern der Sporthilfe sowie aus den Erlösen der Event-, Förderer- und Benefizprogramme. Etwa ein Fünftel bringen die Erlöse der Lotterie „GlücksSpirale”, die Zuschläge der Briefmarkenserie „Für den Sport“ machen etwa 15 Prozent aus.

 

"ElitePlus-Athleten"

Für die Förderung von talentierten Sportlern, die als "olympische Medallienkandidaten" gelten, hat die Deutsche Sporthilfe ein spezielles Förderprogramm mit dem Titel "Unsere ElitePlus-Athleten" aufgelegt. Für olympische Medaillenkandidaten, die finanziell keine alternative Absicherung zur konzentrierten Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London haben, gibt es das Förderprogramm ElitePlus. Den im ElitePlus-Programm eingebundenen Spitzensportlern gewährt die Deutsche Sporthilfe bis zu den Olympischen Spielen 2012 für maximal achtzehn Monate eine zusätzliche regelmäßige Monatszahlung von 1.500 Euro. Sie sollen dadurch in die Lage versetzt werden, sich ohne finanzielle Sorgen und frei von beruflichen oder schulischen Zwängen bestmöglich auf den olympischen Höhepunkt vorzubereiten. Die 36 Athleten starke ElitePlus-Förderung der Deutschen Sporthilfe umfasst Ruderer, Fechter, Judoka, Leichtathleten, Beachvolleyballer, Kanuten, Reiter, Segler, eine Schützin und eine Moderne Fünfkämpferin.

 

Die Onlinezeitung wird ab sofort diese geförderten Athleten in kurzen Portraits unseren Leserinnen und Lesern vorstellen. Beginnen wollen wir mit Lena Schöneborn.

 

Heute: Lena Schöneborn

Steckbrief

Sportart: Moderner Fünfkampf

Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2008

Sportliche Karriere: Moderne Fünfkämpferin seit 2000

Geburtsjahr: 1986

Geburtsort: Troisdorf

Wohnort: Berlin

Verein: SSF Bonn

Beruf: Studentin

Sporthilfe-gefördert seit: 2003

 

Lena Schöneborn - von Andreas Müller

Die nächsten Sommerspiele könnten für Lena Schöneborn getrost morgen beginnen. Die Moderne Fünfkämpferin, die 2008 in Peking in ihrer überaus anspruchsvollen Sportart die Goldmedaille gewann und 2012 am 12. August just am letzten olympischen Wettkampftag in London antritt, wird mit einem prächtigen Vorgefühl an die Themse reisen. Schließlich holte die 25-jährige Wahl-Berlinerin aus Troisdorf just im englischen Medwey EM-Gold im Einzelwettbewerb, nachdem sie drei Wochen zuvor in der nächsten Olympia-Stadt das Weltcup-Finale mit einem furiosen Schlussspurt im neuen „Combined“ aus Laufen und Schießen gewann.

 

Damit durfte sich Lena Schöneborn beim Saisonhöhepunkt vom 8. bis 14. September in Moskau gute Chancen ausrechnen, als erste deutsche Athletin überhaupt WM-Gold im Einzel-Wettbewerb zu gewinnen. Am Ende kam die Favoritin als Fünfte ins Ziel. Zum Trost gab es gemeinsam mit Annika Schleu (Berlin) und Eva Trautmann (Darmstadt) den WM-Titel in der Team-Wertung aus der Addition der Resultate des Solo-Wettkampfes und Silber in der abschließenden Frauen-Staffel hinter Ungarn.

 

Lena Schöneborns vorherige Eindrücke von der Olympia-Anlage im Londoner Greenwich-Park klingen für das Großereignis im kommenden Jahr ebenfalls viel versprechend, obwohl es dort ausschließlich um Einzelmedaillen gehen wird. „Die Laufstrecke war sehr anspruchsvoll. Nun wissen wir, worauf wir uns einstellen müssen: Es ging viel bergauf, dementsprechend am Ende auch wieder hinunter, was mir persönlich eher liegt.“ Sehr ungewöhnlich sei gewesen, „dass wir beim Schießen in Richtung Tribüne zielten, was nun wegen des Lasers möglich und ungefährlich ist“. Für die deutschen Frauen gibt es insgesamt zwei olympische Startplätze. „Natürlich wollen wir alle beide“, sagt die in den vergangenen Jahren konstanteste Athletin unter den weltweit besten Sportlerinnen in diesem Fünfkampf, mit dem einst Baron Pierre de Coubertin den „perfekten Athleten“ hervorbringen wollte. Zu diesem Zweck wurden das Schwimmen und Laufen als immer beliebter werdende Sportarten der breiten Masse mit den für die Oberschicht typischen Sportarten Fechten, Reiten und Schießen verbandelt, wobei die Emanzipation lange auf der Strecke blieb. Die Frauen feierten erst 2000 in Sydney ihren olympischen Einstand.

 

Wegen des schwierigen Puzzles hätte der Schützling von Trainerin Kim Raisner am liebsten eine „Zeitmaschine“, um die Tage für das aufwändige Training zu strecken. Sie versucht meist im Alltag, jeder einzelnen Teildisziplin gleichermaßen gerecht zu werden. Einige Zeit das Schwimmen und Laufen zu vernachlässigen, das wäre für Schöneborn „besonders fatal“.

„Für mich wäre es wunderbar, wenn der Tag 36 statt 24 Stunden hätte. Ich bräuchte einfach 12 Stunden mehr pro Tag. Das wäre wirklich großartig“, sagt die frühere „Juniorsportlerin des Jahres“ augenzwinkernd mit Blick auf das neue Fördermodell „Elite Plus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH), von der sie seit 2003 unterstützt wird. „Zeit kann mir diese zusätzliche Förderung zwar nicht schenken, aber sie gibt mir wirtschaftliche Sicherheit und ich bin jetzt finanziell flexibler.“

 

So muss Schöneborn beispielsweise bei der Umbuchung von Flügen „nicht mehr lange überlegen und kann entspannt umdisponieren“. Die monatlich 1.500 Euro, die ihr bis zu den nächsten Sommerspielen 18 Monate lang zusätzlich gezahlt werden, „entspannen die finanzielle Lage für mich.“ Allein dies sei für sie „sehr beruhigend, weil Terminverschiebungen von Trainingslagern oder Wettkämpfen bei uns nicht selten sind“.

 

„Es ist für mich eine Ehre, zu dem kleinen Kreis von drei Dutzend ausgewählten Sportlern zu gehören, die auf diese Weise besonders gefördert werden“, ergänzt Lena Schöneborn, die als persönliches Dankeschön an die Sporthilfe im Familien- und Bekannten-Kreis bereits mehrere Spender für die Aktion „Dein Name für Deutschland“ geworben hat. Zudem wirbt sie mit Felix-Magath gemeinsam in einem TV-Spot für die Kooperation „Sportler für Sportler“ von DSH und Fußball-Bundesliga. Der an „Elite Plus“ geknüpften Verpflichtung, zur optimalen Olympiavorbereitung Ausbildung und Studium entsprechend „einzutakten“, ist die für den SSF Bonn startende Athletin längst nachgekommen. An der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Recht, wo Lena Schöneborn seit vorigem Herbst einen Master-Studiengang mit der Spezialisierung auf internationales Marketing-Management belegt, wurde eine individuelle Lösung für sie gefunden. „In den vergangenen beiden Semestern habe ich etwas intensiver studiert, so dass ich in den nächsten beiden Semestern jeweils nur noch einen einzigen Kurs belegen muss und ohne Urlaubsemester auskomme.“ Die Masterarbeit soll, nach einem hoffentlich wieder gelungenen Auftritt in London, anschließend im Wintersemester 2012 folgen.

- Text Lena Schöneborn: Andreas Müller/Deutsche Sporthilfe, (EH), Foto: Cellagon/Petra Behle BUSINESSMEETSSPORTS GmbH

 

 


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