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Dienstag, 31. Januar 2012

"Unsere Besten" - Onlinezeitung: Serie zu Olympia 2012 - Heute: Benjamin Kleibrink

Benjamin Kleibrink

Berlin - Es sind nur noch weniger als 200 Tage bis zum absolut sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August 2012). Nach Auffassung des Chefs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, müsse der Anspruch, zu den fünf besten Nationen bei diesen Spielen zu gehören, aufrechterhalten werden. Gefährdet werden könne dieser Anspruch allerdings, so Bach, wenn die finanzielle Basis nicht verbessert werde. Zu den Einrichtungen, die schon seit langem für eine finanzielle Besserstellung der talentierten Sportler eintritt, ist die Deutsche Sporthilfe, gegründet im Jahre 1967. Zusammenfassen kann man die Ziele der Deutschen Sporthilfe so: Die Sporthilfe fördert materiell, ideell und sozial Sportlerinnen und Sportler, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben und die durch ihr Auftreten und ihre Leistungsbereitschaft national und international als Leitbilder für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesellschaft stehen sowie als Motivatoren für die Breitensport-Bewegung.

 

"ElitePlus-Athleten"

Für die Förderung von talentierten Sportlern, die als "olympische Medallienkandidaten" gelten, hat die Deutsche Sporthilfe ein spezielles Förderprogramm mit dem Titel "Unsere ElitePlus-Athleten" aufgelegt. Nach unserem ersten Bericht über Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) folgte ein Portrait über Christina Obergföll (Speerwerfen). Danach berichteten wir über Silke Spiegelburg (Stabhochspringen). Heute folgt Benjamin Kleibrink (Fechten).

 

Heute: Benjamin Kleibrink

Sportart: Fechten/Florett

Geburtsjahr: 1985

Geburtsort: Düsseldorf

Wohnort: Köln

Verein: FC Tauberbischofsheim

Beruf: Student

Sporthilfe-gefördert seit: 2002

 

Größte Erfolge:

Olympiasieger 2008

4-facher WM-Zweiter

WM-Dritter 2007

EM-Zweiter 2007

 

Sportliche Karriere:

1994 – 1999 RFK Düsseldorf

1999 – 2003 FC Moers

2003 – 2008 OFC Bonn

2008 – jetzt FC Tauberbischofsheim

 

Benjamin Kleibrink - von Andreas Müller

Köln - Fecht-Olympiasieger von Peking, noch immer Weltklasse und nicht bei den Sommerspielen 2012 in London auf der Planche? Unmöglich, ausgeschlossen, absurd. Die Gefahr besteht, doch Benjamin Kleinbrink ficht sie nicht an. Mit allen physischen wie psychischen Kräften stemmt sich der 26-Jährige, der im April durch einen schweren Motorrad-Unfall sportlich zurückgeworfen wurde und in der Weltrangliste auf Platz 26 abrutschte, gegen das Undenkbare.

 

„Natürlich bin ich noch nicht bei einhundert Prozent, aber die Beweglichkeit ist schon wieder ganz gut, und ich konnte mit meinem Trainer schon wieder erste Aktionen, also Lektionen absolvieren. Die ersten beiden Olympia-Qualifikationsturniere und die EM habe ich leider abschreiben müssen, doch an der WM vom 8. bis 16. Oktober in Catania aus Sizilien geht für mich kein Weg vorbei. Notfalls lasse ich mich für die WM fit spritzen“, sagt der Athlet vom Fecht-Club Tauberbischofsheim. Als Linkshänder führt er das mehr als ein Pfund schwere Florett, bei dem Treffer lediglich an Rumpf, Armen und Beinen sowie neuerdings am unteren Maskenlatz in die Wertung kommen, mit der linken Hand. Es war für ihn darum besonders schlimm, dass seine Schulter bei dem Auffahr-Unfall ausgerechnet auf dieser Seite zu Schaden kam. „Zum Glück war sie nicht gebrochen“, sagt der angehende Wirtschaftsjurist, der an der Fachhochschule in Köln kurz vor dem Bachelor-Abschluss steht. Ende August beim Lehrgang in Hennef trainierte er erstmals wieder im Kreise der Nationalmannschafts-Kollegen und musste fleißig Überstunden schieben. Parallel zu den Übungen unter den Augen seines Heimat- und Bundestrainers Uli Schreck forderte das individuelle Reha-Programm sein Recht.

 

„Vielleicht müsste man manchmal mehr Pausen einlegen. Dafür fehlt mir einfach die Zeit. Also muss ich in den nächsten Wochen im Training körperlich weiter ans Limit gehen“, kommentiert der Junioren-Weltmeister von 2005, der in den darauf folgenden Jahren vier Mal in Folge WM-Silber mit dem Team gewann, sein momentanes Pensum. 2010 riss die WM-Silber-Serie mit Platz 5. Was der Mannschaft eine bescheidene Ausgangslage für die Olympia-Qualifikation bescherte. In der Weltrangliste belegt die Florett-Equipe des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) derzeit nur Rang acht. Bis April 2012 muss sie sich mindestens auf Platz fünf vorkämpfen, um das Ticket für die Sommerspiele in London zu lösen. Die Weltmeisterschaften Anfang Oktober waren für die Aufholjagd besonders wichtig, denn in Sizilien gab es doppelt so viele Weltranglistenpunkte wie bei einem Weltcup. Entsprechend konnte das Quartett mit Benjamin Kleibrink, dem viermaligen Weltmeister Peter Joppich (Koblenz) sowie Sebastian Bachmann und André Wessels (beide Bonn) mit Bronze viele wichtige Punkte für das große olympische Ziel sammeln, während Peking-Olympiasieger Kleibrink in der Einzelkonkurrenz bei seinem Comeback nach der schweren Verletzung nicht über die Rune der besten 32 hinaus kam.

 

"Wenn wir uns als Team für das olympische Turnier qualifizieren, dann dürfen alle drei Fechter aus der Mannschaft automatisch auch im Einzel starten. Gelingt uns das nicht, gibt es wahrscheinlich für uns in dieser Disziplin nur ein einziges Einzel-Ticket“, skizziert Benjamin Kleibrink die Situation. An das Szenario, gegen Peter Joppich und seine anderen Kollegen um einen einzigen Olympia-Startplatz fechten zu müssen, mag der Kölner lieber nicht denken. Seine ganze Konzentration gilt stattdessen auch weiterhin dem abgewandelten Musketier-Motto: Einer für alle, alles fürs Team. „Wir werden das mit unserer Truppe schaffen, davon bin ich überzeugt“, so Benjamin Kleibrink angriffslustig. Die Zuschauer-Rolle bei den Spielen 2012 wäre für ihn mehr als eine große persönliche Enttäuschung. Der Part würde außerdem so gar nicht mit dem Anspruch des erstmals von der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgelegten Stipendiums „Elite Plus“ harmonieren. Es ist in erster Linie deutschen Top-Athleten vorbehalten, die als Medaillenkandidaten für London gelten und für deren optimale Vorbereitung anderthalb Jahre lang monatlich 1.500 Euro ausgeschüttet werden. Benjamin Kleibrink ist einer von diesen knapp drei Dutzend Sportlern in dem neuen Förder-Programm „Elite Plus“.

 

„In einer Randsportart wie dem Fechten wird ja praktisch nichts verdient, da ist dieser monatliche Betrag für einen Sportler schon ein Batzen Geld. Damit bekommt man zugleich mehr Spielräume, die Vorbereitungszeit optimal zu gestalten. Den besonderen Wert dieses Stipendiums, das mir viel Sicherheit gibt, habe ich gerade nach meinem Unfall sehr schätzen gelernt“, berichtet der WM-Dritte von 2007. Ein Jahr später in Peking landete er auf der 14 Meter mal 1,5 Meter langen Fechtbahn den ganz großen Coup, exakt 19 Minuten bevor Britta Heidemann die Goldmedaille bei den Degendamen gewann. Dass ihn die gute persönliche Freundin als telegene und hübsche Kollegin anschließend medial in den Schatten stellte, berührt Benjamin Kleibrink kaum. „Darüber mache ich mir keine Gedanken und ehrlich gesagt, stört mich dieser Eindruck überhaupt nicht. Ich bin eher nicht so der Typ für das Rampenlicht und die große Bühne.“

- (EH), Text Kleibrink: Manfred Müller/Deutsche Sporthilfe, Foto: http://www.flickr.com/photos/dimi15 dimi15, Wikipedia


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