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Montag, 19. März 2012

"Was für ein schöner Sonntag!“

Linda Stahl mit Frank Walter Steinmeier

Berlin - Mit diesem Satz begann der vor wenigen Minuten gewählte Bundespräsident Joachim Gauck seine Rede. Dieser Satz traf auch voll und ganz für mich zu. Nicht nur, weil es eine wahnsinnig große Ehre ist, als eine von neun Sportlern überhaupt für diese Bundesversammlung vorgeschlagen zu werden. In Berlin angekommen, wurde ich sofort von Dagmar Freitag abgeholt- sie ist Mitglied des Bundestages, Vorsitzende des Sportausschusses und auch DLV-Vizepräsidentin. Das nahm mir einiges an Unsicherheit, denn wer weiß, ob ich den Fraktionssaal der SPD gefunden hätte- oder überhaupt den richtigen Eingang zum Reichtstag!? Sie führte mich durch ihr Büro, durch die Katakomben des Reichstages und schließlich kamen wir auf der Plenarsaalebene des Reichstages an. Dort war es noch sehr ruhig. Von dort aus mussten wir auf die dritte Ebene, die Fraktionsebene. Die Fahrstuhltür ging auf, wir sahen ungefähr 300 Menschen in einer Traube und rundherum etliche Kameras. Eine davon wurde sofort auf uns gerichtet und wir wurden begrüßt mit: Hallo Linda- wir hatten telefoniert? Der WDR war da. Und ging bis Sonntag Nachmittag auch nicht mehr weg. Ich musste durch jeden Eingang mehrmals gehen, damit das auch aufgenommen wurde. Einen riesigen Vorteil hat eine Kamera im Schlepptau aber: Man wird jedem prominenten Menschen vorgestellt und kann mit ihnen auch ein bisschen Small Talk halten. Zu meiner Fraktion gehörten Frank Walter Steinmeier, der mich sogar erkannt hat, Hannelore Kraft, Peer Steinbrück, Ingo Appelt und Jan Josef Liefers. Ein bisschen länger unterhalten konnte ich mich mit Dr. Karl Lauterbach- eine kontrovers diskutierte Person in meiner Universität- ich erinnere mich an Diskussionen über seine Politik in einer Vorlesung. Dr. Karl Lauterbach ist gesundheitspolitischer Sprecher der SPD- nachdem er hörte, dass ich Medizin studiere, hatten wir ein schönes Gesprächsthema und tauschten uns vor allem über die Vereinbarkeit von solch einem Studium und dem Sport aus.

 

Am Sonntag begann der Tag früh, denn um 9 Uhr war Gottesdienst. Die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt und die Menschen, die nicht den ersten Bus nahmen, mussten sogar stehen. Ich kann mir wohl gar nicht vorstellen, wie viel Sicherheitsdienst im Einsatz gewesen sein muss in dieser Stunde, denn in der ersten Reihe saßen alle Politiker, die Rang und Namen haben. Angela Merkel, Joachim Gauck, Theo Weigel, Kristina Schröder, Hannelore Kraft, Frank Walter Steinmeier und noch viele mehr. Mit dem WDR auf den Fersen ging es nach dem Gottesdienst wieder zu einer kurzen Fraktionssitzung. Danach begann das eigentliche Spektakel: Die Wahl.

 

Der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, hielt eine längere Rede, die Anträge der Parteien zur Wahl enthielt, wichtige Informationen zum Ablauf der Wahl. Ich hatte die Befürchtung, dass sich das ziemlich ziehen würde- aber dieser Vortrag war geprägt von unglaublicher Wortgewandtheit und subtilen Witzen, dass man nur gespannt zuhören konnte. Langsam merkte ich aber, dass ich aufgeregter wurde. Habe ich auch meinen Stimmzettel dabei? Wie geht das jetzt noch mal mit dem Kreuz? Die Karte in den Umschlag und dann? Zukleben? Es ging los. Alle 1243 Namen wurden nacheinander aufgerufen- das war für jeden das Signal, sich in die Wahlkabine zu begeben und sein Kreuz zu machen. Mit der Stimmkarte im Umschlag ging man dann wieder in den Plenarsaal und musste den Umschlag in die Wahlurne werfen. Ein sehr kurzer, aber intensiver Moment. Geschafft. Meine Pflicht war erfüllt- fast. Da war er wieder, der WDR. Ich stürzte mich ins Getümmel und lief an allen Fernsehstationen vorbei, die von der Wahl berichteten. Begleitet von der WDR-Kamera. Kurze Zeit später wurde jedoch schon zurück in den Plenarsaal gebeten- zur Verkündung des Wahlergebnisses. Als feststand, dass Joachim Gauck gewonnen hatte, gab es Standing Ovations. Minutenlang. (Fast) alle Politiker der ersten Reihe gratulierten dem neuen Bundespräsidenten. Wie sich später herausstellen würde- auch ICH! Erst einmal wurde zum Abschluss der Sitzung die Nationalhymne gespielt. Kurz war ich abgetaucht in die Sportwelt, habe mich an Barcelona erinnert- da lief die Hymne immerhin auch! Der Text war also präsent…!

 

Im Anschluss gab es einen Empfang auf der Fraktionsebene- dort ging es vorwiegend darum, dass alle etwas essen konnten- seit 7 Uhr in der Früh hatte ich nichts zu essen oder trinken gesehen- jetzt war es schon 15 Uhr! Es gab wieder interessante Gespräche- Frank Walter Steinmeier grüßte die Stadt Blomberg- und alle konnten sich ein wenig vom anstrengenden Tag erholen. Da kam der WDR wieder…Ein kurzer Dreh mit Gauck. Oh, dachte ich, der hat doch gerade gar keine Zeit! Und vor allem warum mit mir?? Wir gingen zu den Fernsehstationen, wo er gerade seine Interviews gab und kaum Zeit hatte, zu atmen. Zwischen zwei Interviews wurde ich ihm einfach vorgestellt, er gab mir die Hand, ich gratulierte ihm zur gewonnen Wahl- und er bedankte sich freundlich. Was für ein toller Moment- trotz der ganzen Hektik.

 

Nun wurde es aber Zeit- zurück zum Flughafen. Auf der Fahrt dorthin ließ ich alles Revue passieren, kam endlich mal ein wenig zur Ruhe nach der ganzen Aufregung und dachte: „Was für ein schöner Sonntag“. Was für zutreffende Worte vom frisch gewählten Bundespräsidenten. - Quelle/Foto: Linda Stahl


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