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Dienstag, 03. April 2012

"Unsere Besten" - Onlinezeitung: Serie zu Olympia 2012 - Heute: Jonas Reckermann

Jonas Reckermann

Berlin - Es sind nun noch weniger als 130 Tage bis zum absolut sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August 2012). Nach Auffassung des Chefs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, müsse der Anspruch, zu den fünf besten Nationen bei diesen Spielen zu gehören, aufrecht erhalten werden. Gefährdet werden könne dieser Anspruch allerdings, so Bach, wenn die finanzielle Basis nicht verbessert werde. Zu den Einrichtungen, die schon seit langem für eine finanzielle Besserstellung der talentierten Sportler eintritt, ist die Deutsche Sporthilfe, gegründet im Jahre 1967. Zusammenfassen kann man die Ziele der Deutschen Sporthilfe so: Die Sporthilfe fördert materiell, ideell und sozial Sportlerinnen und Sportler, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben und die durch ihr Auftreten und ihre Leistungsbereitschaft national und international als Leitbilder für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesellschaft stehen sowie als Motivatoren für die Breitensport-Bewegung.

 

"ElitePlus-Athleten"

Für die Förderung von talentierten Sportlern, die als "olympische Medallienkandidaten" gelten, hat die Deutsche Sporthilfe ein spezielles Förderprogramm mit dem Titel "Unsere ElitePlus-Athleten" aufgelegt. Nach unserem ersten Bericht über Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) folgte ein Portrait über Christina Obergföll (Speerwerfen). Danach berichteten wir über Silke Spiegelburg (Stabhochspringen). Hierauf folgten Benjamin Kleibrink (Fechten) sowie Britta Heidemann (Degen). Nach Peter Joppich (Florett) stellten wir Laura Ludwig vor. Danach kam Carsten-Otto Nagel (Springreiten). Auf den Springreiter folgte die Ruderin Tina Manker. Nach dem Vielseitigkeitsreiter Michael Jung und dem Judoka Ole Bischof stellen wir heute den Beachvolleyballer Jonas Reckermann vor.

 

Beacher Jonas Reckermann: „Sind keine Schönwettersportler“

von Andreas Müller

Vielleicht schaut ja die Queen vom Balkon herunter oder sie linst durch die Gardine, wenn Jonas Reckermann und Julius Brink im olympischen Sand wühlen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Das Turnier der Beach-Volleyballer wird auf dem historischen „Horse Guards Parade“ ausgetragen, also auf dem Platz unmittelbar vor dem Buckingham Palast. Das beste deutsche Duo wird bestimmt da sein. Die WM-Dritten und Europameister dieses Jahres werden wohl keine Mühe haben, mit einem Platz unter den besten 16 Teams der Weltrangliste ihre Fahrkarte nach London zu lösen. Im weltweiten Ranking überwintern sie als Dritte.

 

„Wir sind noch nicht hundertprozentig durch, doch die Qualifikation sollte kein Problem sein. Darum machen wir uns wenig Sorgen“, blickt Jonas Reckermann voraus. „Bei den Spielen nur dabei sein, das wäre uns zu wenig. Das Erlebnis hatten wir ja schon. Was uns fehlt, ist eine olympische Medaille“, gesteht der 32-jähige Kölner, der seit 2009 mit dem 29-jährigen Julias Brink ein Team bildet und damals auf Anhieb WM-Gold gewann.

 

Vor dem olympischen Gipfelsturm warten auf das Duo vom Volleyball-Club Olympia Berlin in diesen Wochen die Mühen der Ebene. Statt irgendwo an einem sonnigen, berühmten Strand den Ball übers Netz zu spielen, wird zuhause knallhart trainiert. Sieben Stunden haben die drei von Reckermann/ Brink temporär beschäftigten Trainer Jürgen Wagner, Markus Dieckmann und Hans Voigt jüngst zusammen gesessen und beratschlagt, wie der große Auftritt beim Olympia-Turnier vom 28. Juli bis 9. August optimal vorbereitet werden soll.

 

„Was man jetzt im Herbst und Winter an Grundlagen versäumt, das kann man danach, wenn die Weltserie beginnt, unmöglich aufholen. Wer in der nächsten Saison erfolgreich sein will, der muss dafür schon jetzt professionell an den Grundlagen arbeiten. Auf diese Phase haben wir immer viel Wert gelegt “, betont der zwei Meter große Blockspezialist. „Wir sind keine Schönwettersportler! Wer das denkt, den lade ich gern mal zum Krafttraining ein und zum Laufen bei Regen oder Schnee oder zum Training in der eiskalten Beach-Halle. Die Zeiten, wo man nebenbei nur mal ein bisschen gejoggt ist, sind längst vorbei.“

 

Ohne die vorausgehende Grundlagenarbeit in der Heimat wären die anschließenden Trainingslager im Dezember auf Teneriffa und im Januar/Februar in Neuseeland praktisch nutzlos. Der Routinier weiß, wovon er spricht. Erst seit 1996 ist die Sportart olympisch. Vier Jahre später erlebte sie in Sydney ein grandioses Turnier mit dem dritten Platz für Jörg Ahmann und Axel Hager, in dessen unmittelbarer Folge der frühere Bundesliga-Volleyballer Reckermann das „Mini-Team“ und die Sand-Variante für sich entdeckte. An der Seite von Markus Dieckmann gewann er 2002 und 2004 EM-Gold, bei den Spielen 2004 in Athen wurde es Rang neun. Mit Dieckmanns Bruder Christoph kam Julius Brink, 2005 schon einmal WM-Dritter mit Kjell Schneider, bei den Sommerspielen 2008 in Peking nur auf Platz 19 - und fand anschließend mit Reckermann einen kongenialen Partner und den Weg in die ansonsten von Brasilianern und US-Amerikanern dominierte Weltspitze.

 

Während der 14 Zentimeter kleinere Brink als Sportsoldat von der Bundeswehr unterstützt wird, erfährt Lehramts-Student Reckermann, einst ausgemustert, neuerdings so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Er wurde zusammen mit 36 weiteren deutschen Olympia-Hoffnungen ins Programm „Elite Plus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgenommen. Das Modell, ausschließlich für „Zivilisten“ aufgelegt, garantiert den auserwählten Medaillen-Kandidaten mit Unterstützung des Wirtschafts-Dienstleisters PricewaterhouseCoopers (PwC) für die Vorbereitung auf London 2012 maximal 18 Monate lang jeweils 1.500 Euro an zusätzlicher Förderung.

 

„Als Ungerechtigkeit habe ich es nicht empfunden, dass Julius von der Bundeswehr gefördert wurde. Ich bin ja bewusst einen anderen Weg gegangen, um mich nach meinen eigenen Vorstellungen beruflich zu orientieren“, kommentiert der Gymnasiallehrer in spe das neue Gleichheitsprinzip. Den Uni-Abschluss im Fach Sport hat er schon, die Prüfung im Fach Geographie und das erste Staatsexamen sollen nach Olympia folgen. „Dieses Studium mache ich auf jeden Fall zu Ende“, betont Jonas Reckermann und zeigt sich von „Elite Plus“ und der Idee dahinter „begeistert, und nicht nur aus persönlichen Gründen. Dieses Modell ist zugleich für andere Athleten, die sich außerhalb von Bundeswehr und Bundespolizei qualifizieren und beruflich für die Zeit nach dem Leistungssport etwas aufbauen wollen, eine großartige Sache.“

 

Ganz praktisch geht die monatliche Zugabe der Sporthilfe ein in die Mischkalkulation des Duos, das zwar den Status einer offiziellen Nationalmannschaft des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) genießt, kaufmännisch aber weitgehend auf eigene Rechnung unterwegs ist. Der sechswöchige Trip nach Neuseeland Anfang nächsten Jahres wird locker eine fünfstellige Summe verschlingen. Zumal, Olympia lässt grüßen, erstmals eine Physiotherapeutin im langen Vorbereitungs-Camp dabei sein wird. „Da ist natürlich, auch dank der Sporthilfe, ein besonderer Luxus und so etwas wie das i-Tüpfelchen der professionellen Vorbereitung.“ Im Vorjahr hat das Gespann, das national klar die Nummer 1 darstellt und seit 2009 drei Mal in Folge den Meistertitel errang, auf der Welt-Tour ein Gesamtpreisgeld von 132.000 Dollar, gut 95.000 Euro eingespielt. In diesem Jahr waren es 206.000 Dollar, also knapp 150.000 Euro. „Das klingt gut und wir können nicht klagen, doch diese Summen relativieren sich sehr schnell“, bedeutet Recke Reckermann. Dies seien Einnahmen vor Steuern, von anderen Abzügen nicht zu reden. Allein für Reisekosten sind im vorigen Jahr insgesamt rund 60.000 Euro angefallen.

 

- Text: Jonas Reckermann: Andreas Müller/Deutsche Sporthilfe, Foto/Copyr.: MSchnitzler2000, Wikipedia - (EL)


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