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Dienstag, 15. Mai 2012

"Unsere Besten" - Onlinezeitung: Serie zu Olympia 2012 - Heute: Claudia Malzahn

Judoka Claudia Malzahn

Berlin - Es sind nun noch weniger als 90 Tage bis zum absolut sportlichen Höhepunkt des Jahres, den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August 2012). Nach Auffassung des Chefs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Dr. Thomas Bach, müsse der Anspruch, zu den fünf besten Nationen bei diesen Spielen zu gehören, aufrecht erhalten werden. Gefährdet werden könne dieser Anspruch allerdings, so Bach, wenn die finanzielle Basis nicht verbessert werde. Zu den Einrichtungen, die schon seit langem für eine finanzielle Besserstellung der talentierten Sportler eintritt, ist die Deutsche Sporthilfe, gegründet im Jahre 1967. Zusammenfassen kann man die Ziele der Deutschen Sporthilfe so: Die Sporthilfe fördert materiell, ideell und sozial Sportlerinnen und Sportler, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben und die durch ihr Auftreten und ihre Leistungsbereitschaft national und international als Leitbilder für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesellschaft stehen sowie als Motivatoren für die Breitensport-Bewegung.

 

"ElitePlus-Athleten"

Für die Förderung von talentierten Sportlern, die als "olympische Medaillenkandidaten" gelten, hat die Deutsche Sporthilfe ein spezielles Förderprogramm mit dem Titel "Unsere ElitePlus-Athleten" aufgelegt. Nach unserem ersten Bericht über Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) folgte ein Portrait über Christina Obergföll (Speerwerfen). Danach berichteten wir über Silke Spiegelburg (Stabhochspringen). Hierauf folgten Benjamin Kleibrink (Fechten) sowie Britta Heidemann (Degen). Nach Peter Joppich (Florett) stellten wir Laura Ludwig vor. Danach kam Carsten-Otto Nagel (Springreiten). Auf den Springreiter folgte die Ruderin Tina Manker. Nach dem Vielseitigkeitsreiter Michael Jung und dem Judoka Ole Bischof sowie dem Beachvolleyballer Jonas Reckermann stellten wir zuletzt unsere Hoffnung im Beachvolleyball Sara Goller vor. Nach unserem Portrait über Rennkanute Max Hoff, Kanurennsportlerin Franziska Weber und Weitspringer Christian Reif rückten wir letzte Woche den Weltmeister im Kanu-Rennsport Norman Bröckl in den Fokus. Heute geht es mit der Judoka Claudia Malzahn weiter.

 

Dritter olympischer Anlauf

von Andreas Müller

Halle (Saale) - Bei den Judo-Weltmeisterschaften in Paris wird Claudia Malzahn am 25. August nicht nur um Edelmetall kämpfen, sondern zugleich um ihre berufliche Perspektive als Trainerin am Landesleistungszentrum (LLZ) für ein Dutzend Knirpse in den Altersklassen „U12“ und „U14“. „Beim wichtigsten Wettkampf des Jahres geht es um viele Weltranglistenpunkte auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012. Dann in London dort werden die Weichen dafür gestellt, wie es anschließend mit dem Judosport bei uns im Land weitergeht“, erklärt die Hallenserin, die zwei Tage vor ihrem WM-Auftritt in der Klasse bis 63 Kilogramm ihren 28. Geburtstag feierte.

 

Ein Geschenk bereitete sie sich mit ihrem Erstrunden-Aus gegen die Italienerin Edwige Gewend nicht gerade, denn als Fünfte der Weltrangliste galt sie bei der WM an der Seine als Mitfavoritin. Ein Platz unter den weltweit besten 14 würde ihr im kommenden Jahr für die olympische Reise genügen, die Claudia Malzahn 2004 und 2008 als nationale Nummer Zwei und Reservistin jeweils knapp verpasste. „Beim dritten Anlauf will ich es endlich packen“, sagt die Trägerin des fünften Dan. Sie blickte zuversichtlich auf die französische Metropole, obwohl dort im vorolympischen Jahr so viele Teilnehmer die Tatami betreten werden wie nie zuvor. „In den einzelnen Gewichtsklassen sind da im vorolympischen Jahr über einhundert Sportler am Start, das ist der Wahnsinn und die stärkste WM aller Zeiten. Um ins Finale zu kommen, braucht man jetzt eine Runde mehr.“

 

Damit die Kräfte am Wettkampftag für die insgesamt sechs Kämpfe reichen, die für den Sprung aufs Treppchen nötig sind, wurden jüngst im Trainingslager in Kienbaum gleich sieben davon angesetzt. „An der Kondition soll es doch nicht scheitern“, kommentiert die als sehr vielseitige und mit einem großen Wurfrepertoire ausgestattete Athletin das auf den WM-Ansturm ausgerichtete Pensum.

 

Zusätzlich motiviert wird die WM-Dritte von 2009 neuerdings durch ihre Aufnahme ins neue Förderprogramm „Elite Plus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH). Auf dem Weg zu den Sommerspielen im nächsten Jahr erhält die Medaillenaspirantin anderthalb Jahre lang monatlich 1.500 Euro zusätzlich. „Die Leute in der Sporthilfe-Zentrale in Frankfurt am Main kümmern sich und versuchen das Beste für uns“, freut sich Claudia Malzahn. „Einfach so, ohne dass man sie darum bittet. Das ist schon ein tolles Gefühl und das beflügelt enorm.“

 

Dank „Elite Plus“ wird die diplomierte Sportlehrerin mit den Schwerpunkten Prävention, Rehabilitation und Therapie ihre Tätigkeit als Judo LLZ-Trainerin für ein Jahr aufgeben und mehr Zeit sowie mehr Gedanken für das eigene Training haben. Andernfalls hätte sie sich „irgendwie durchbeißen“ müssen. Trotz aller Freude mit den Judo-Minis zehre das tägliche Üben mit den Talenten an der Saale. „Manchmal bin ich anschließend für das eigene Training so kaputt und geschafft, dass ich mich nur schwer aufraffen kann“, gesteht sie und ist heilfroh, dass der Landessportbund (LSB) Sachen-Anhalt als ihr Arbeitgeber in das Sporthilfe-Angebot einwilligte und sie somit auf den Weg zu Olympia unterstützt.

 

Leistungsfördernd wird für Claudia Malzahn außerdem sein, dass sie eine Rippenverletzung inzwischen komplett auskuriert hat. Die Europameisterschaften im April in Istanbul mit einer Niederlage gleich in Runde eins kamen für die Junioren-Europameisterin von 2001 und Vize-Europameisterin von 2008 noch zu früh. Doch zwei Siege jüngst beim Weltcup in Madrid und beim Europa-Cup in Hamburg illustrierten, wozu der Schützling des Bundestrainers Michael Bazynski international fähig ist. Zumal nach dem WM-Kämpfen in Paris die Saison noch lange nicht zu Ende ist. Anschließend warten mit Grand-Prix-Wettbewerben in Abu Dhabi (15. bis 19. Oktober), in Rotterdam (25. bis 28. November), in Tokio (7. bis 11. Dezember) und Quingdao/China (16. bis 19. Dezember) weitere Großereignisse mit bedeutsamem Weltranglistenpotential.

 

Angestachelt wird Claudia Malzahn, die Anfang des Jahres am Institut für Sport und Touristik in Düsseldorf zusätzlich ein Fernstudium im Fach Sportmanagement abschloss, überdies vom Duell mit ihrer sieben Jahre jüngeren Schwester Luise. Die Dritte der Junioren-WM von 2009 startet bei den Weltmeisterschaften in der Klasse bis 78 Kilogramm und darf sich ebenfalls olympische Hoffnungen machen. „In der bereinigten Weltrangliste liegt sie ganz gut und hat momentan einen Platz unter den besten 14. Allerdings gibt es mit Heide Wollert in ihrer Gewichtsklasse eine ganz starke Frau im eigenen Lager“, so die Ältere der Malzahn-Schwestern. Was die Sache mit dem Startplatz für London für die Jüngere, Schwerere, die sich an der Fachhochschule Aschersleben auf den gehobenen Dienst als Polizeikommissarin vorbereitet, zusätzlich erschwert: Heide Wollert genießt als „Elite Plus“-Athletin der Sporthilfe in den kommenden Monaten wie Claudia Malzahn den Vorteil optimaler Bedingungen zur Vorbereitung auf die Sommerspiele 2012 in London.

 

- Text: Claudia Malzahn: Andreas Müller/Deutsche Sporthilfe, - Foto/Copyr.: Birgit Arendt - (EL)


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