Einzugsgebiet NRW

Die OZ Onlinezeitung
auf Facebook



OZ – Onlinezeitung Zeitung für NRW UG (haftungsbeschränkt )

Anzeigen

NEU: Unsere OZ-App 2.0!
Android app on Google Play

Themen im Detail


Dienstag, 31. Juli 2012

Judo mit Olympiasieger Ole Bischof - Olympiasieger Frank Wieneke zu den Medaillenchancen seines früheren Schützlings

Olympiasieger Ole Bischof

Frankfurt - Ole Bischof ist der Kämpfer, der in der 81 Kg-Klasse in London an den Start geht. In den letzten Jahren war der Weg nach London nicht ganz einfach. Durch seinen außergewöhnlichen Charakter und seine unbeugsame Willensstärke hat er es geschafft, Studium und Sport unter einen Hut zu bringen. Von Zeit zu Zeit kam er zu mir ins Büro an der Trainerakademie Köln des DOSB und erzählte mir von seinem Training bei anderen Trainern und seinen neuen Eindrücken aus der Welt eines Olympiasiegers. Ich habe seine rasante Entwicklung in den Jahren nun nicht mehr als sein Trainer sondern als Zuhörer miterleben dürfen. Nur zu oft hat er mich mit seinen scharfen klaren Gedanken zum Judo, aber auch zu seinem Berufs- und Privatleben überrascht bzw. beeindruckt. Er ist in der Lage, Großes zu leisten und auch bereit dazu, seine zweiten Olympischen Spiele erfolgreich abzuschließen. Er gehört, nicht nur in seiner Gewichtsklasse, zu den besten Judoka der Welt.

 

Mit seiner individuellen Kampfkonzeption sowohl im Stand- als auch im Bodenkampf, ist Ole für jeden Gegner ein unberechenbarer Kämpfer. Er besitzt die Fähigkeit, eine Taktik gegen den Widerstand des Gegners durchzusetzen, ohne seine eigenen Stärken bzw. Kampfstil zu vernachlässigen. Ich habe ihn in unserer gemeinsamen Zeit nie psychisch zusammenbrechen gesehen, er ist mental ein sehr starker Athlet. Sein zwingender Übergang vom Stand- in den Bodenkampf lässt die Gegner oft zögern und sie vermeiden es, in die Bodenlage zu geraten. Sollten sie aber doch in die Bauch- oder Bankposition kommen, benötigt Ole in den meisten Fällen nur wenige Aktionen, um seinen Gegner in die Rückenlage zum Haltegriff zu drehen.

 

Auffällig bei ihm sind die Rituale vor jedem Kampf. Natürlich sehen die Zuschauer den Aufwärmraum nicht, aber wenn der Kämpfer die Wettkampfhalle betritt, war es zumindest zu meiner Trainerzeit so, dass wir in Stichpunkten die Taktik durchgegangen sind, uns die Hand gegeben haben und Ole seine Hände durch Kneten und Reiben warm gehalten hat. Er geht dann mit siegesgewissen Schritten zur Matte und grüßt seinen Gegner an. Er wird die Hände weit nach vorne strecken, um nicht vom Gegner überrascht zu werden. Obwohl es unzählige Videos von Ole gibt, greifen doch immer wieder Gegner zur Grifferöffnung über seine linke Schulter, die er dann mit einem tiefen Schulterwurf rechts besiegt - oder wie wir sagen „abschießt“.

 

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich nicht noch gerne als Trainer dabei wäre. Ich glaube, jeder hat so seine Lebensphasen, die er nicht überstrapazieren sollte. Nach sieben Olympischen Spielen, zwei als Athlet, drei als Heimtrainer und zwei als Männer-Bundestrainer sollte man auch wissen, wann es genug ist. Wenn die deutsche Nationalmannschaft kämpft, steigt aber auch immer noch bei mir die Aufregung und Anspannung. Ganz besonders bei den Athleten, wo ich nicht nur Bundes- sondern auch Heimtrainer war, wie bei Christoph Lambert, Andreas Tölzer und eben Ole Bischof.

 

Ihr Frank Wieneke

 

- Quelle: Deutsche Sporthilfe - Foto/Copyr.: Robunt


Nach oben

Bundesliga powered by Kicker Online

Anzeigen


Suchbegriffe: