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Sonntag, 05. August 2012

100 Meter mit Usain Bolt - Heinz Fütterer, der "weiße Blitz", über den „King“ der Spiele, seine Erinnerungen an Jesse Owens und die Sicherheitsvorkehrungen in London

Superstar Usain Bolt

Frankfurt - Wenn sich am Sonntag die weltbesten Sprinter im Kampf um die Goldmedaille messen, wird Usain Bolt, der Stern, der über allem leuchtet, die Rolle des großen Favoriten einnehmen. Tyson Gay, Asafa Powell und Yohan Blake sind die Kandidaten, die dem großen Meister das Leben schwer machen wollen. Christophe Lemaitre, der weiße Sprinter aus Frankreich, der die schnellsten Männer Europas vertritt, hätte ich im Endlauf erwartet, doch er konzentriert sich auf die 200 Meter. Dort verspreche ich mir sehr viel von ihm und wünsche ihm alles erdenklich Gute. Vielleicht kann er als "weißer Blitz", was ja mein Markenzeichen war, glänzen. Eines ist klar: Alle acht Endlauf-Teilnehmer kämpfen um eine Medaille, wobei sieben gleichzeitig gegen Usain Bolt laufen. Sollte einer den Jamaikaner vom Sprint-Sockel stoßen, wäre das der absolute "King" der Spiele. Die ganze Welt wird bei diesem Rennen den Atem anhalten – bei mir wird es nicht anders sein.

 

Für die deutschen Sprinter sehe ich leider keine Chance, den Endlauf über 100 bzw. 200 Meter zu erreichen. Mit dem Leitwolf Tobias Unger und der jungen Sprintergarde werden wir aber den Einzug in den Endlauf über 4x100-Meter schaffen. Ich lasse mich überraschen, was dabei herauskommt.

 

Eine persönliche Erinnerung, die mir bei meiner Teilnahme an den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne ganz besonders im Gedächtnis haften geblieben ist: die Begegnung mit der Legende Jesse Owens, dessen 100-Meter-Weltrekord von 10,2 Sekunden ich zwei Jahre zuvor eingestellt hatte. Er kam ins Olympische Dorf, um uns deutsche Sprinter zu besuchen. Es war ein beeindruckender Moment. Ich wollte die Begegnung mit meiner Kamera festhalten und habe eifrig gefilmt. Leider wurde daraus nichts. Vor lauter Aufregung hatte ich vergessen, die Schutzklappe an der Kamera abzunehmen, so dass es von dem Treffen keine bewegten Bilder gibt.

 

1956 in Melbourne waren es gerade einmal ein Dutzend Polizisten, die im Olympischen Dorf und auf den Trainingsplätzen für unsere Sicherheit da waren. Wenn ich mir vor Augen führe, welche Anstrengungen heute gemacht werden mit mehr als 15.000 Soldaten und Polizisten! Wir alle haben den furchtbaren Schlag von 1972 in München noch in unseren Köpfen. So etwas darf nicht mehr passieren.

 

Eines ist dagegen über all die Jahre geblieben: Wenn die besten Sportler der Welt im Olympischen Dorf versammelt sind, waren wir zwar auch damals schon Gegner bei den Wettkämpfen, aber wir haben der Welt immer wieder gezeigt, dass wir Freunde sind. Das gilt unter den fünf Olympischen Ringen gestern – heute – und morgen. Wir Olympiakämpfer sind immer wieder ein Beispiel dafür, dass die ganze Welt sich vertragen kann.

 

Ich wünsche unseren Athleten viel Erfolg. Kommt alle wieder gesund nach Hause!

 

Ihr Heinz Fütterer

 

- Quelle: Deutsche Sporthilfe - Foto/Copyr.: Erik van Leeuwen


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