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Sonntag, 09. August 2009

Über Sonnenblumen und eine Postkutsche – Wahlwerbung in Pulheim 2009

Pulheim – 08.08.09 – Noch drei Wochen bis zum Wahltag - der Wahlkampf geht in die heiße Phase. – Man merkt es bei jedem Gang durch die Ortsteile, es gibt eine deutliche Zunahme an Wahlplakaten mit neuen Köpfen und neuen programmatischen Aussagen. In der Venloer Straße sind viele Plakate an Lampenmasten, also „hoch“ gehängt. Mancher Wahlbewerber hat robustes Material für die Plakatständer gewählt, offensichtlich als Prophylaxe gegen Vandalismus, der auch in Zeiten des Wahlkampfes in Pulheim zu beobachten ist. Eine Inaugenscheinnahme der Orrerstraße in Richtung Bonnstraße belegt dies: Mindestens zehn Plakate sind mutwillig zerstört worden – siehe Fotostrecke. - Ein Besuch im Zentrum des Zentralorts Pulheim heute sollte erkennen lassen, dass der Wahlkampf tatsächlich in die „heiße“ Phase getreten ist.

 

Zweimal Florian Herpel

 

Eingangs der Fußgängerzone Richtung Kaufring fällt einem der Bürgermeisterkandidat der SPD, Florian Herpel, zweimal auf, einmal aus Pappe und einmal persönlich. Der Kandidat macht einen ausgeruhten Eindruck, ist in „guter Stimmung“ und spricht selbst von der „heißen Phase“, in den jetzt vor ihm liegenden drei Wochen. Man erfährt, dass er schon in Sinthern am Infostand war und heute noch einige Termine habe, etwa das Sommerfest eines Tischtennisclubs. „200 Termine habe ich schon hinter mir und noch bis zu 60 vor mir“, teilte er mit. Die Menschen seien sehr interessiert und sachlich in ihren Anliegen, die sie vortragen, gerade bei „meinen vielen Hausbesuchen“. „Er kann das“ ist die kurz und bündige Superparole der SPD auf ihren Plakaten in Pulheim, die schon lange Bestand hat, seit SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Uebach das heute schon geflügelte Wort bei der Erstvorstellung des „Kandidaten Herpel“ auf einer Pressekonferenz im Hotel Ascari vom … geprägt hat. Heute haben sich SPD-Ratsmitglieder eine Aktion ausgedacht: Raufasertapeten als Malgrund liegen auf dem Boden, versehen mit „Wahlmöglichkeiten“ zu einzelnen Themen: „Wie zufrieden sind Sie mit den Freizeitmöglichkeiten?“ – Man konnte dann Striche machen; „Geht so“ hatte gegen 12.00 Uhr die meisten Striche. Juta Herrmann, die im Wahlkreis 11 kandidiert, hat auch Schwerstarbeit hinter sich, nämlich „Klinkenputzen“, also Hausbesuche. Es waren durchweg sehr nette Gepräche mit interessierten Leuten, teilte sie mit, und fährt einen Lacher hinterher: „Ich habe mal den Florian Herpel dabeigehabt“, erzählt sie; nach dem Öffnen der Tür habe Herpel dem Wohnungsbesitzer gesagt „Ich will Bürgermeister werden“! Der Mann darauf: „Ich auch!“ – Juta lacht heute noch über diesen Gag. Während die anwesenden Ratsmitglieder der SPD Dieter Lassen, Joachim Karkuth wieder kandidieren, bewirbt sich die frühere Ratsfrau Herrmann neu, während Christa Klein ihren Abschied nimmt. Sie möchte die Belastung nicht mehr; schließlich, so ihr Resumee,

„müsse man doch viel Zeit in die Sitzungen der diversen Gremien investieren“. Bei Werner Stevens ist das anders: Er kandidiert zum ersten Mal, nämlich im Wahlkreis 12.

 

„Orange“ ist für Frank Keppeler

 

Bei der „Wählerinitiative: Bürger für Frank Keppeler“ fallen orangefarbig-gewandete Menschen auf, wozu auch Bea Oster gehört, die im „Zivilberuf“ bei der Telefonzentrale des Rathauses arbeitet. Man wird von ihr mit einem kräftigen „Hallo!“ begrüßt, was Bernhard Rolfes, Daniel Ostendorf und Manfred Nellesen ebenso tun. „Wo ist Ihr Kandidat?“ frage ich in die Runde. „Der ist bei einer anderen Veranstaltung; kommt aber möglicherweise hier vorbei“ – erhält man als Antwort. Bei dem Flyer, den die Unterstützergruppe den Menschen austeilt, heißt es in der Überschrift: „Ziele des Bürgermeisterkandidaten mit Herz, Kompetenz und Visionen“ u.a., man wolle „Hohe Lebensqualität für Senioren“. Der mobile Infostand der Wählerintiative ist tatsächlich mobil, man wechselt in einem bestimmten zeitlichen Rhythmus den Standort, mal steht man vor dem Kaufring, mal vor dem Kaufland. Die Leute, so sagte es Manfred Nellesen, „sind sehr interessiert, stellen kluge Fragen“. Man muss, fügte er hinzu, „auf die Leute eingehen, ihre Anliegen ernst nehmen.!“ Und: Man werde bis zum Wahltag, so erfährt man, immer dienstags und freitags im „Zentrum“ präsent sein, sonst an jedem Sonnabend in allen Ortsteilen von Pulheim. Also gibt es weiter Flyer, Kugelschreiber und Feuerzeuge – alles in orange! -

 

„Sonnenblumen für alle“

 

In direkter Nachbarschaft stehen Menschen von Bündnis90/DIE GRÜNEN: Moritz Jungeblodt, der Newcomer (20 Jahre jung – „Zivildienstleister“ - für den Rat (Wahlbezirk 15) , die Ratsfrau Karin Burmeister (Wahlbezirk 11), Renate Thiel (Wahlbezirk 13) sowie Frank Fischell (Wahlbezirk 9) sowie Hanne Hedel (Wahlbezirk 12), die 12 Jahre lang als Fraktionssekretärin gearbeitet hat. Auch sie machen an diesem Samstagvormittag allesamt einen lockeren Eindruck. Man habe noch viel vor, in den letzten drei Wochen bis zum „Finale“ am 30.August 2009. Es kämen noch einige prominente Vertreter aus dem Landtag sowie der Landesvorsitzende Arndt Klocke. Neben Infos werden am Stand putzige Papierwindmühlen angeboten; der größte „Renner“ ist bei den GRÜNEN natürlich die Sonnenblume; eine wirklich schöne Pflanze, was auch Nicht-GRÜNE unterstreichen können. „Wir sind in guter Verfassung“, sagte Karin Burmeister, und: „Die Menschen sind friedlich, sind interessiert, diskutieren gerne…!“ Man werde, so ihr Optimismus, voller Hoffnung den 30. August abwarten, ansonsten „unaufgeregt“ weiter „wahlkämpfen!“ – unter dem Motto - so steht es auf einem Flyer - „Zeit für Politik, Mit Köpfchen, Zeit für Grün.“

 

„…neue Energie für Rhein-Erft“

 

Steht auf einem Flyer der Linken, DIE LINKE, so heißt diese Partei korrekt, zeigt in Pulheim zum ersten Mal ihr Gesicht. Drei Menschen, später vier, präsentieren eine in Pulheim noch junge Partei, die noch nicht über eine Stadtorganisation mit den typischen Merkmalen (Vorstand etc.) verfügt, da, wie es ihr Spitzenkandidat Hans Decruppe begründet, der für das Amt des Landrats im Rheinerft-Kreis und für den Kreistag kandidiert, man personell eine zu dünne Decke habe. Im Klartext: Man verzichtet diesmal auf eigene Bürgermeister- und Ratskandidaten, da „zu wenig Mitglieder am Ort“, so teilte er mit; aber: Man habe „immerhin schon 200 im Rhein-Erft-Kreis“. Man wolle die Wahl nutzen, um DIE LINKE bekannt zu machen, und dann „werde man nach der Wahl sehen“. Zu dem Team am Infotisch gehörte heute auch Barbara Siebert, eine diplomierte Rechtspflegerin im Ruhestand; sie erzählte, dass sie 25 Jahre lang SPD-Mitglied gewesen sei, und wegen der zu geringen Gegenwehr der SPD zum „Turbokapitalismus“ die Seiten gewechselt habe. „Mir hat es mein Herz richtig gebrochen!“ so ihre Befindlichkeit in der Rückblende, bevor sie dann am Aufbau der Linken – zunächst über die WSAG – aktiv mitgewirkt habe, so sagte sie es mit Nachdruck.

 

„Ich gehe auf jeden Fall wählen!“

 

Nach Verlassen des Geländes treffe ich auf Etta Horn, eine smarte Frau, die seit langem in Pulheim lebt und sich hier „richtig wohlfühlt“. Befragt nach ihrer Einschätzung betreffend Wahlen, sagte sie: „Ich fange jetzt an, die Aussagen der Parteien zu studieren“, um zu entscheiden, für wen ich am 30. August „mein Kreuzchen“ machen werde. - „Wählen gehe ich auf jeden Fall!“; das meinen auch, so fügte sie hinzu, „fast alle meine Freunde und Bekannten“. –

 

„Was waren das für Zeiten!“

 

Dann noch ein Hinkucker! - Mitten auf der Venloer Straße stand eine gelbe Postkutsche mit einem Zweispänner, dabei, wie ich später erfahre, zwei Menschen, die einem Beruf angehören, der schon in der dritten Generation fortlebt: Die Familie Hackenbroch aus Köln-Junkersdorf betreibt ein Reitsport-Spezialgeschäft und bietet nebenher auch Postkutschenfahrten an, zu welchen Anlässen auch immer; „Hochzeiten“, so sagt es Niclas, der Enkel von Josef, der „heute auf dem Bock sitzt“, sind oft der Grund dafür, dass man uns „anheuert“. Dann kommt die Kutsche in Bewegung und rollt gemächlich Richtung Kaufland. Viele Menschen, die wie ich der Kutsche nachschauen, verraten einen melancholischen bzw. „romantischen“ Blick, verbunden mit einem Anflug von Lächeln. Eine Stimme hört man heraus: „Was waren das noch für Zeiten!“ – Recht hat der Mann - nur: Was war gut damals, was weniger gut? – (EH), Foto: EH - Hier geht es zur Fotostrecke

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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