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Montag, 01. März 2010

Hanna Münnich – Besuch im Atelier in der Kunstakademie Düsseldorf

Düsseldorf – Besuch bei der Malerin Hanna Münnich im Atelier – Man ist schon erstaunt über die Größe der Kunstakademie Düsseldorf, einem lang gezogenen, dreigeschossigen Neorenaissanceebau mit deutlich ausgeprägten Mittel- und Seitenrisaliten. Sieht man sich das über dem Erdgeschoss angelegte Fries aus der Nähe an, erkennt man die 62 Namen von berühmten deutschen Künstlern, darunter solche, die den internationalen Ruhm der Akademie mitbegründet haben, wie Peter von Cornelius und Wilhelm von Schadow - siehe auch Fotostrecke! -

 

So imposant die Physiognomie der Akademie von außen betrachtet auch ist, überrascht den Besucher ein eher schlichter „Haupteingang“, der in Wahrheit gar keiner ist, sondern eine von einem Pedell bewachte Schleuse, wo man sich legitimieren muss, und von diesem motiviert wird, solange in dessen Nähe zu bleiben, bis Hanna Münnich kommt, mit der ich verabredet bin.

 

Dann kommt sie, eine mittelgroße, schlanke Person mit blauen, neugierigen Augen, an deren Nase mir ein silberner Ring auffällt; sie drückt mir freundlich die Hand und geleitet mich dann mehrere Stufen zu unserem Ziel, ihrem Atelier, welches sie mit anderen Kommilitonen teilt. Das Innere der Akademie besticht durch hohe, weiß getünchte Wände, unterbrochen von großen und hohen Fenstern, durch die jetzt die milde Wintersonne scheint, bei sonst bitterkaltem Wetter draußen. An den Decken der Gänge fallen weiße, kugelrunde Lampen auf, die alternierend elektrisches Licht spenden.

 

„Wilde Zeiten unter Josef Beuys“

 

Die auffällige Stille ergreift den Besucher, dem durch den Kopf die vielen berühmten Namen von Lehrenden und Studenten einfallen, besonders aus der „wilden“ Zeit, als Josef Beuys, mit der Kulturbürokratie im Clinch lag, und ein damaliger Minister mit dem Namen Johannes Rau, diesem Avantgardisten die Akademie-Tür wies, weil der Künstler Beuys (Professor von 1961 - 1971) der Auffassung war, alle Aufnahmeregularien für „seine“ Schüler seien überflüssig. - „Blinky Palermo“, so fällt mir beim Treppensteigen ein, war einer seiner viel zu früh gestorbenen Schüler, unlängst geehrt mit einer Einzelausstellung.

 

„Das Mini-Atelier“

 

Das Areal im Atelierraum, den Hanna für ihre Arbeit nutzt, gleicht einem Versuchslabor für Farbkompositionen aller Art. An den zwei Wänden sieht man kleine und größere Tafelbilder, des Weiteren einen großen Farbklecks bzw. Spuren herunter gelaufener Farben (grün, violett), dann ein Regal, auf dem sich Farben türmen, wie auf der eher kleinen Arbeitsplatte, an der weitere, nicht zu erkennende Tafelbilder, angelehnt stehen. Der Boden hat auch viel Farbe abbekommen; man sieht Plastikgefäße (Acryl) sowie Tuben (Öl?) herumliegen. Die junge Künstlerin, Jahrgang 1987, geboren in Dormagen, erklärt ihr derzeitiges „Provisorium“ mit dem gerade zu Ende gegangenen „Rundgang“ der vom 3. bis 7. Februar 2010 stattgefunden hat. Sie erklärt mir diese Präsentation so: „Der Rundgang ist die alljährliche Ausstellung der Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf zum Abschluss eines jeden Wintersemesters.“. Daher stammen also, so fällt mir ein, auch die vielen Tafelbilder in den Gängen des Gebäudes.

 

„Meister Markus Lüppertz“

 

Den Eindruck dieses Mini-Ateliers noch im Kopf, nähere ich mich dem Charakter der hier im sechsten Semester studierenden Malerin, die ihre Zeit als Schülerin so ziemlich komplett in Pulheim (Sinnersdorf!) verbracht hat und ihr „Abi“ am Geschwister-Scholl-Gymnasium „gebaut“ hat. Sie erläutert dann mit wenigen Worten ihren „Werdegang“ seit dieser Prüfung im Jahre 2007. „Ich habe schon immer gerne gezeichnet“, sagte sie und habe dann, nach fleißigen Übungen, sich mit einer Mappe an der Kunstakademie Düsseldorf beworben – „da wollte ich schon immer hin!“ – „Leipzig“, so fügte sie hinzu, sei eine echte Alternative gewesen. Und: „Man hat mich aufgenommen!“. Ich, so weiter, „durfte dann zwei Semester in einem großen Raum“ mit vielen anderen meine ersten Schritte machen. Seit 2008, so erfährt man auf Nachfrage, sei sie Schülerin von Markus Lüppertz, ehedem Direktor der Akademie von 1988 – 2009.

 

Für Laien des Kunstakademie-Betriebs vielleicht erstaunlich, so teilte sie mit, ist, dass die Professoren „ihre“ „Meisterschüler“ eigenhändig auswählen, also völlig autokratisch. Ist denn der „Meister“ auch der große „Kümmerer?“, frage ich Hanna – „Ja, der kommt ganz spontan“ und sieht über meine Arbeiten, und gibt auch Tipps, „keine Frage“. Ist das alles, was das Studium ausmacht? – frage ich zurück. „Nein“. Es gibt Regelfächer, die belegt werden müssen, wie z.B. Kunstgeschichte, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Didaktik. „5-6 Stunden sind es schon täglich, die ich mich hier aufhalte“, bekennt sie.

 

Betrachtet man die Bilder von Hanna Münnich, dann fallen einem immer wieder Kreisformen auf; auf einem Bild sowohl Kreise wie auch ein fischartiges Wesen. „Ich versuche die Abstraktion mit dem Gegenständlichen zu verbinden“, erklärt sie die vier Bilder, auf die ich sie angesprochen habe, diese zu deuten. Kenner erkennen unschwer, dass sie immer wieder den Versuch macht, die Werkstoffe Öl und Acryl zusammen „wirken“ zu lassen.

 

„Polke, Kiefer…“

 

Gefragt nach künstlerischen Vorbildern nennt sie „Polke, Kiefer, Neo Rauch und Daniel Richter“, die alle längst von ihrem Kunstschaffen umfänglich leben können. „Ist das auch Ihr Ziel?“, frage ich unverblümt die sehr konzentriert wirkende junge Frau. „Ja“, bekräftigte sie, aber, „das ist noch ein weiter Weg“. Dann erklärt sie mir ihre wirtschaftliche Situation: „Ich wohne in einer WG“ in Düsseldorf, wo Miete, Essen etc. einen festen Betrag erforderlich machen, wobei mir hier meine Familie hilft. „Etwa 100,- Euro“ muss sie für Materialien, wie Farbe, Maltuch etc. aufwenden. Ihr Budget, so erklärt sie ganz trocken, „bessere ich durch Jobs“ auf. Aufmerksam machte sie auf sich auch schon durch Ausstellungen. So zeigte sie Anfang des Jahres 2010 im Landtag von NRW, im Fraktionsbereich der FDP, eine Ausstellung mit dem Namen "diorama".

 

„Das Ganze muss wirken“

 

Ich hätte es beinahe vergessen: Ich habe Hanna noch eine ganz knifflige Frage nach dem „Wesen“ der Kunst bei einem Künstler gestellt: „Woran erkennt man oder wird erkannt, dass jemand begabt ist“ und ein anderer „weniger oder gar nicht?“. „Schwierige Frage“, aber: „Es ist das Ganze“ bei einem Künstler und dessen Werk, „was Wirkung haben muss“. – Beim Verlassen des Gebäudes denke ich spontan „Welch tolles Privileg, nur seiner Neigung nachgehen zu dürfen“, von niemandem „zensiert“; hoffentlich, so denke ich über Hanna nach, hat sie Talent, Ausdauer, Kraft und Ideen genug, eines Tages von ihrer Kunst leben zu können. – Wir wünschen es ihr, denke ich, und sehe vor mir das Straßenschild „Josef-Beuys-Ufer“. - Text/Foto/Fotostrecke: Dr. Ernst Hoplitschek

 


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