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Montag, 18. März 2013

Interview mit Harry Michael Liedtke und Regina Schleheck

Leverkusen - Im Rahmen des OZ-Leseabends mit Harry Michael Liedtke und Regina Schleheck konnten wir den Autoren noch ein paar interessante Antworten auf unsere Fragen entlocken.

 

Hier Auszüge aus dem Interview:

 

Wann haben sie denn gewusst, dass sie Schriftsteller werden möchten? Ist ihnen die Idee nachts einfach so gekommen? Oder wie war das?

 

- Harry Michael Liedtke: Meine These ist, dass Menschen gerne das machen, was sie gut können. Wenn einer gut Billard spielen kann, dann wird er Billiarde-Spieler und wenn jemand gut schrieben kann, dann wird er Schriftsteller oder Journalist. Wie man jetzt speziell Schriftsteller wird, ist eine schwierige Frage. Bei mir was es so, dass ich im Krankenhaus lag und darüber nachgedacht habe, wie es wohl wäre mich mit meinen Texten mal in die Öffentlichkeit zu wagen. Schlimmes kann ja nicht passieren.

 

- Regina Schleheck: Das heißt, du hast ja vorher schon geschrieben?

 

- HML: Ja, schon, aber nichts, was mich als Schriftsteller qualifiziert, sondern eher wissenschaftliche Texte und Essays. Dass meine Texte und Bücher mal erfolgreich werden, dass habe ich jetzt nicht gedacht. Wenn man dann erstmal veröffentlicht wurde, dann schreibt man auch erst den zweiten Artikel und man traut sich auch mehr zu sagen. Meine ersten Text habe ich zu einem Wettbewerb in Portugal geschickt, weil ich dachte: „Wenn ich mich bis über beide Ohren blamiere, dass mache ich das in Portugal und nicht hier.“

 

Macht man sich da auch Gedanken als Schriftsteller, dass heutzutage jeder irgendwie ein Buch schreibt? Einfach, weil so eine große Konkurrenz vorhanden ist?

 

- RS: Im Buch-Geschäft muss man sich als erstes fragen: „Was will ich eigentlich?!“, z.B. ob man aus Spaß schreibt, oder weil ich was verkaufen will. Mit irgendwelchen Biografien von irgendwelchen Promis messe ich mich überhaupt nicht. Das ist nicht mein Ziel. Und wenn ich nur meine Memoiren schriebe, dann will die wohl keiner lesen. Und daher muss man wissen, was man schreiben will und ich bin daher auch entschieden nur Nebenberuflich als Autorin tätig, denn ich muss ja auch meine Familie ernähren und da werde ich meinen normalen Beruf nicht aufgeben.

 

Darf ich fragen was sie hauptberuflich machen?

 

- RS: Ich bin hauptberuflich Lehrerin an einem Berufskolleg in Köln.

 

Ist das Schreiben für sie also ein guter Ausgleich zum Beruf?

 

- RS: Ja, obwohl es mich nie so von mir aus zum Schreiben gedrängt hat, ich bin eher zufällig ans Schreiben gekommen. Weil ich egal was ich da gemacht habe, direkt immer Auszeichnungen bekommen habe. Und das spornt natürlich an weiter zu machen.

 

Können sie sich vorstellen irgendwann auch ihren Hauptberuf aufzugeben?

 

- RS: Das könnte ich mir gut vorstellen, aber vorher müssen alle meine Kinder aus der Ausbildung sein.

 

Was würden sie denn jungen Schriftstellern raten?

 

- RS: Also ich glaube nicht, dass man dazu geboren wird. Es gibt Autoren, die haben Spaß an Geschichten oder Romanen, da gibt es schon gewisse Affinitäten, aber ob ich mich jetzt zu einem Leser oder zu einem Schreiber entwickele, da denke ich gehören auch andere Dinge und Faktoren zu. Ich bin ja auch Lektorin und weiß, wie man Texte noch optimieren kann. Das hilft dann schon.

 

-HML: Ja, das ist auch meine Meinung. Wir haben auch mal zusammen gearbeitet, da hat Regina dann auch an meinen Texten rumgedoktert und gesagt, was ich alles ändern soll. Und das war dann auch gut so. Viele Autoren bekommen diese Ratschläge nicht oder nehmen sie nicht an.

 

Ist es denn schwierig Ratschläge von anderen anzunehmen? Und Fehler aufzeigen zu lassen?

 

HML: Also ich denke, das kommt auf die Persönlichkeitsstruktur an. Ich persönlich bin immer dankbar für Kritik und Hilfe, aber ich kenne so viele Mimosen unter den Autoren. Da möchte ich kein Lektor sein.

Ich bin selbst auch ab und zu Lektor und ich korrigiere mittlerweile nur noch Fehler und keine Formulierungen. Das gibt nur Ärger.

Auch bei meinen Texten gibt es in der Regel Dinge die zu verbessern sind. Und das ist auch in Ordnung.

 

RS: Und man muss auch sagen, wenn man noch ganz am Anfang steht und dann keine Kritik annimmt, wird man auch nicht weit damit kommen.

 

HML: Genau, ich kenne auch genug Autoren, die ganz oben mitspielen, die einfach auch nicht arrogant sind und daher auch immer gerne neue Anregungen entgegnen nehmen.

Noch wichtiger ist aber fast das Vortragen. Man muss sein Buch gut vortragen können. Ich habe das mit Learning-by-doing gelernt und mir am Anfang einfach direkt 20 Lesungen gebucht. So bekommt man das am besten hin und merkt an der Reaktion der Leute wie man ankommt und was gut formuliert ist.

Viele Autoren sollten auch öfter zu anderen Lesungen gehen, einfach um zu sehen, wie man sich verbessern kann. Man sollte nie auslernen.

Viele Autoren denken, dass Versprecher schlimm seien. Versprecher verzeiht das Publikum jedoch sofort. Langeweile hingegen nicht.

 

Glauben sie die Bücher sind mittlerweile im Bezug auf E-Books? Jeder kann sie veröffentlichen. Glauben sie, es gibt da große Qualitätsunterschiede zwischen Büchern von Verlägen und E-Books?

 

RS: Da gibt es definitiv Unterschiede. Ich bin nur nicht sicher, inwieweit dieser Unterschied zum Vorschein kommt. Ich denke nicht, dass jeder Leser in der Lage ist, dies zu unterscheiden.

 

Denken sie, die Leser sind heutzutage faul geworden? Viele möchten nur diese typische Sensationspresse haben und bekommen diese von allen Seiten zugeworfen. Dann werden kaum noch Bücher gelesen.

 

RS: Das hat es tendenziell schon immer gegeben, aber es ist nicht nur, dass alles schnell sein muss, es muss auch alles gleichzeitig sein. Ich merke das besonders bei meinen Schülern. Die sind kaum in der Lage, sich 5 Minuten zu konzentrieren ohne dabei im Internet zu surfen oder zu quatschen. Dies hat sich natürlich verändert und das macht es für anspruchsvolle Literatur nicht gerade einfach.

 

HML: Ich bin da nicht ganz so pessimistisch. Vor allem bin ich nicht so zivilisationspessimistisch und auch nicht so kulturpessimistisch. Es ist genauso wie Regina es gesagt hat, aber ich zitiere jetzt mal die Worte des großen „Philosophen“ Sheldon Cooper: „Ich sehe die Prämisse, aber die Folgerung teile ich nicht.“ Es ist einfach die Möglichkeit wie viel über diese Kanäle veröffentlicht wird und werden kann. Alles wird leicht zugänglich gemacht. Die Kommunikation vom Verlag zum Leser funktioniert ja nun nicht mehr so.

Und ich weiß ja auch, dass Bücher heutzutage auch teuer sind. Das ist vielleicht auch ein Faktor. Aber letztendlich glaube ich doch, dass auch da die wirklich guten Sachen raus gefiltert werden.

Ich denke auch, dass es sich mehr exklusivere Bücher durchsetzen werden, wie z.B. Sondereditionen für Fans oder besondere Aufmachungen der Bücher. Das wird es bei E-Books einfach nicht geben.

Und ich sag mal, viele Leute schreiben und das ist erstmal gut so!

 

Welches Buch, glauben sie, sollte jeder Mensch mal gelesen haben?

 

HML: Also ich bin ein großer Fan von Charles Burkowsky. Dies sollten alle mal gelesen haben. Außerdem bin ich ein Fan von dem Buch „Der große Schlaf“ von Raymond Chandler. Also das sollte auch jeder gelesen haben. Jeder der schrieben will, sollte sich was von seinen Lieblingsautoren abgucken. Ich mag ferner Douglas Adams, liebe „Tom Sawyer“ von Mark Twain.

 

RS: Ich kann mich da gar nicht so festlegen. Das wechselt!

 

HML: Sie sollten über Regina wissen, sie hat sehr viele Bücher! Einen ganzen Dachboden voll! Ich kann mir schon vorstellen, dass es da kaum eine Festlegung geben kann!

RS: Ich denke Puh, der Bär ist ein Buch, ohne das man nicht aufwachsen sollte, auch Pipi Langstrumpf.

Ich mag auch Günter Grass. „Die Blechtrommel“ finde ich großartig!

 

Welches von ihren Büchern mögen sie denn am liebsten? Welches hat ihnen am meisten Spaß gemacht? Oder auf welches sind sie am meisten stolz?

 

RS: Ich schreibe ja in erster Linie Kurzprosa und ich mache ja auch Hörspiele. Da ist es etwas schwieriger das zu sagen. Was ich z.B. heute gelesen habe, ist schon älter und ich habe es nur gelesen, weil es mit dem Mond thematisch passte. Ich würde es heute womöglich gar nicht mehr so schreiben.

 

HML: Viele Autoren sagen ja, sie haben alle ihre Werke gleich „lieb“. Das stimmt aber nicht. Das ist wie im richtigen Leben.

Eine Geschichte welche ich sehr mag, ist z.B. eine Story, die aus dem Rockmusiker-Milieu kommt. Es ist eine sehr morbide Geschichte. Die lese ich immer sehr gerne. Und die kommt auch immer gut an.

Ansonsten die beiden romantischen Storys die ich heute gelesen habe, da war ich am Anfang nicht so ein Fan von. Aber mittlerweile bin ich damit warm geworden. Und ich dachte auch nicht, dass sie so eine Wirkung haben.

Diese beiden fallen mir im Moment spontan ein.

 

Welche Pläne haben sie denn jetzt 2013?

 

RS: Also die meisten Projekte stehen schon. Alles was ansteht an Verträgen und so. Man hat vielleicht in weiter Ferne noch Ideen, die noch nicht eingestielt sind, aber ich bin schon so froh wie es läuft.

 

Wenn sie wählen müssten. Mit PC oder Stift schreiben?

 

HML: Computer! Ich könnte gar nicht mit Stift arbeiten. Wenn mir was nicht gefällt, dann kann ich das einfach wieder löschen. Beim Stift ist das nicht so einfach. Ein paar Notizen mache ich mir schon mal handschriftlich, aber sonst grundsätzlich mit Computer.

 

Gibt es etwas, auf das sie nicht verzichten beim Schreiben?

 

HML: Ich habe so eine kleine Aufmerksamkeitsschwäche. Ich brauche immer Musik oder einen Fernseher nebenbei. Ein Nebengeräusch brauche ich, denn ich muss ab und zu abgelenkt werden. So etwas wie einen Fluchtpunkt.

 

RS: Ich sag immer, er hat auch den Luxus der Zeit!

 

HML: Schön wär’s!

 

Nochmals vielen Dank an Harry Michael Liedtke und Regina Schleheck! Wir hatten viel Spaß beim OZ-Leseabend!

 

 

- Quelle/Foto: OZ


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