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Mittwoch, 11. September 2013

"Sport-Stipendiat des Jahres" Martin Häner im Interview

Frankfurt am Main (ots) - Martin Häner heißt der erste "Sport-Stipendiat des Jahres", am Dienstag wurde er in Frankfurt bei der Deutschen Bank nach einer Online-Wahl unter Sportfans ausgezeichnet. Erster Gratulant war Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank AG.

Mit knapp 100 Lehrgangstagen vor Olympia 2012 mit der Hockey-Nationalmannschaft, den zusätzlichen Athletikeinheiten und der parallel laufenden Bundesligasaison hatte Martin Häner eine intensive Olympia-Vorbereitung. In London gewann der Student der Humanmedizin, der im 5. Fachsemester an der Charité Berlin studiert, mit dem deutschen Team die Goldmedaille. Nach den Olympischen Spielen widmete er sich wieder seinem Studium und dem Spielbetrieb mit seinem Heimatverein, dem Berliner HC. Mit diesem gewann er in der vergangenen Saison nach 47 Jahren wieder die Deutsche Meisterschaft.

Trotz der Doppelbelastung mit Bundesliga und Nationalmannschaft bestand Häner das Physikum mit "gut" - bei einer Durchfallquote von 70% im schriftlichen Teil - und sein Wahlfach mit "sehr gut". In seinem Studium besteht in allen Kursen und Übungen eine Anwesenheitspflicht von 90%, sonst wird die Zulassung zu Klausuren verweigert. Eine Ausnahmegenehmigung für Leistungssportler gibt es dabei nicht. Zurzeit befindet er sich im klinischen Teil des Studiums. Bei der Europameisterschaft in Belgien holte er den Titel, brach sich aber auch die linke Hand.

Was bedeutet diese Wahl für Dich?

Die Verdoppelung des Stipendiums ist immens wichtig, das ist ein großer Teil meiner Einnahmen eines Monats. Im Moment kann ich mich aber noch gar nicht so freuen, weil alle Bewerber diesen Preis verdient gehabt hätten, es geht Ihnen ja so wie mir.

So tickt also ein Teamspieler. Und weitere Einnahmen, gibt es vom Verein Geld?

Keinen Cent.

Und warum dann immer noch Berlin, man kann im Hockey doch ein bisschen was verdienen, im Ausland, auch bei einigen deutschen Klubs?

Wer Berliner ist, weiß, warum ich das so mache. Nach dem Abitur war ich ein Jahr in London, aber ich bin zurückgekehrt. Ich habe in Berlin eigentlich alles. Vielleicht könnte ich woanders 1000 oder 1500 Euro im Monat als Hockeyspieler bekommen. Doch mein Ziel ist ja, später als Arzt meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Wie sieht eine Woche so aus bei Dir?

Wegen der Doppelspieltage mit dem Verein sind Wochenenden schon mal nicht vorhanden. In der Woche beginnt das Training um 7:00 oder 7:30 Uhr, eineinhalb Stunden, danach geht's an die Uni. Fünf bis sechs Einheiten Training die Woche, mit dem Team und auch individuelles Athletiktraining, sind normal. Bislang hatte ich das Glück, dass die großen Wettkämpfe so lagen, dass ich in den Sommersemestern nichts versäumt habe. Die WM 2014 ist aber mitten im Semester. Mal sehen, wie das wird, wenn es um eine Präsenz von 90 % an der Uni geht, um Klausuren schreiben zu können. Es gibt keine Ausnahmen für Leistungssportler. In der Regel wird auf Trainings- oder Wettkampfreisen fast jede freie Minute gelernt.

Und der Bundestrainer, wie geht Markus Weise mit Euch Studenten um?

Er ist ein positiv eingestellter Trainer, der weiß, dass wir die Duale Karriere brauchen, weil wir mit unserem Sport nicht das Geld für ein späteres Leben verdienen. Da kann man auch mal einige Tage Trainingslager versäumen.

Hast Du schon mal im Sport Wesentliches sausen lassen müssen?

Turniere noch nie, aber einen Lehrgang in Südafrika, leider, er war nämlich in Kapstadt. Aber nächstes Jahr geht es wieder dorthin.

Nach den Olympischen Spielen, so heißt es ja immer, komme ein Übergangsjahr. Wann kommt das denn im Hockey? Ihr seid kürzlich, ein Jahr nach dem Gold von London, Europameister geworden.

Wenn man einmal großen Erfolg hatte, weiß man, wie sich das anfühlt, dann gibt man immer Vollgas. Im Team hat man auch immer andere, an denen man sich hochziehen kann. Bei der EM waren nur 8 oder 9 Olympiasieger von London dabei, ich war im Finale verletzt.
Das zeigt, wir haben eine hohe Dichte, es kommen immer Talente nach.

Kommt nie das Gefühl, jetzt reicht es mit Hockey?

In den ersten Wochen nach Olympia hatte eigentlich keiner Lust, aber die Vereine brauchten uns, also ging es weiter.

Du hast Dir die linke Hand gebrochen bei der EM, wie geht's jetzt?

Der Gips ist gerade ab, es geht voran.

Sind Mediziner - oder angehende Mediziner wie Du - eigentlich gute oder schlechte Patienten?

Ich bin nicht anspruchsvoll, es gibt keinen Grund ungeduldig zu werden.

Im Mai 2012 hat die Deutsche Bank im Rahmen der Sporthilfe-Förderung das "Deutsche Bank Sport-Stipendium" ins Leben gerufen, durch das die Förderung für studierende Spitzenathleten auf 300 Euro im Monat verdoppelt werden konnte. Aktuell profitieren rund 300 Sporthilfe-geförderte Athleten vom Programm, das mit dem dritten Semester einsetzt und mit einem Zeitbonus über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird. Die besonderen Leistungen der studierenden Athleten wurden nun zusätzlich herausgestellt und gewürdigt, indem Deutsche Bank und Sporthilfe in diesem Jahr zum ersten Mal den "Sport-Stipendiaten des Jahres" kürte. Preisträger Martin Häner erhält in den nächsten drei Semestern den doppelten Stipendiumsbetrag.

Diese Top 5 standen für Sportfans online zur Wahl: Mareike Adermann (Rollstuhl-Basketball, Gold in London), Linda Stahl (Leichtathletik, Bronze in London), Martin Häner (Hockey, Gold in London), Andreas Kuffner (Rudern, Gold in London) und Maximilian Müller (Hockey, Gold in London). Insgesamt beteiligten sich weit über hundert Sport-Stipendiaten, die von einer Fachjury in einer Vorauswahl bewertet wurden.

- Quelle/Foto: Stiftung Deutsche Sporthilfe


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