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Freitag, 17. Januar 2014

Vlado Stenzel: „Joachim Deckarm ist ein Glanzstück für den Handball“

Interview mit Altbundestrainer Vlado Stenzel aus Anlass des 60. Geburtstages von Joachim Deckarm...

 

Saarbrücken/Frankfurt, 17. Januar 2014 – Am Sonntag feiert der einstige Weltklasse-Handballer Joachim Deckarm seinen 60. Geburtstag. Er zählte zu den überragenden Akteuren der bundesdeutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels 1978 in Dänemark und galt damals als der beste Spieler der Welt.  Am 30. März 1979 nahm die ganze Nation Anteil an der furchtbaren Kopfverletzung, die sich der damals 25-Jährige bei einem Europapokalspiel seines VFL Gummersbach im ungarischen Tatabánya zuzog. Joachim Deckarm lag 132 Tage im Koma und kämpfte sich danach mit bewundernswertem Willen in sein zweites Leben zurück.

Am 31. Mai vergangenen Jahres wurde seine Leistung mit der Aufnahme als „besonderer Kämpfer“ in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ gewürdigt. Vor den Geburtstagsfeierlichkeiten, die vom persönlichen Mitglied des Deckarm-Fonds der Deutschen Sporthilfe, Klaus Zöll, und vom langjährigen DHB-Hallensprecher, Dirk Metz, vorbereitet wurden, sprachen wir mit Altbundestrainer Vlado Stenzel über Gefühle, Solidarität, Werte und Vermächtnis.

Herr Stenzel, am Sonntag feiert Joachim Deckarm seinen 60. Geburtstag. Mit welchen Gefühlen fahren Sie zur Jubiläumsfeier nach Saarbrücken? Was geht Ihnen durch den Kopf?

„Ich fahre in einer Mischung aus Trauer, tiefster Bewunderung und Respekt zur Feier. Trauer, weil ein aufstrebender, vorbildlicher Handballer eigentlich mit 25 Jahren noch am Anfang seiner Karriere durch einen tragischen Unfall fast sein Leben verloren hat. Tiefe Bewunderung habe ich für seinen Kampf zurück in ein anderes Leben, als das er vorher hatte. Und großen Respekt habe ich vor seinem Freundeskreis, der sich unablässig um ihn bemühte – ein Glanzstück für den Handball, ja für den deutschen Sport, der eine bewundernswerte Solidarität übte und übt.“

Sollte man aus diesem Anlass vielleicht einige Namen nennen, die ihn bei dem Kampf in ein zweites Leben begleitetet haben?

„Wissen Sie, eine ganze Nation nahm damals Anteil an dem Schicksal des vorbildlichen Handballers, als er ein Jahr nach dem Gewinn des Weltmeistertitels bei einem Europapokalspiel in Ungarn im März 1979 auf so tragische Weise verunglückte und 132 Tage im Koma lag. Seine Mitspieler aus der WM-Mannschaft von 1978 haben sich bis heute großartig um ihn gekümmert, haben ihn ständig zu den Länderspielen gebracht und viele Freundschaftsspiele zu seinen Gunsten ausgetragen. Darüber hinaus hält die Truppe ständig Kontakt zu Joachim und führt jedes Jahr ein mehrtägiges Gemeinschaftstreffen durch.

Unbedingt nennen muss ich zudem seinen ehemaligen Handballtrainer Werner Hürter, der ihm 1982 nach langen Klinikaufenthalten seinen Lebensmut zurückgab, des weiteren Reinhard Peters, der ihn von 1983 bis 2005 betreute und nicht zu unterschlagen Klaus Zöll, der sich seit Jahren als persönliches Mitglied des Deckarm-Fonds der Deutschen Sporthilfe unermüdlich engagiert. Der ehemalige Großwallstädter Trainer ist auch Ideengeber für Jo´s Buch „TEAMGEIST – Die zwei Leben des Joachim Deckarm“ und begleitet ihn bei vielen Veranstaltungen.“ 

Am 31. Mai vergangenen Jahres wurde Jo Deckarm als vierter Handballer in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen. Innenminister Hans-Peter Friedrich sprach in seiner Laudatio von einem Kämpfer und Wertevermittler, der – so die FAZ - auch tiefste Dunkelheit erlebte. Sie haben den Jubilar als 20-Jährigen in die Nationalmannschaft berufen und ihn zwei Jahre später zur Weltmeisterschaft geführt. Für welche Werte steht aus Ihrer Sicht das Geburtstagskind? Welches Vermächtnis hat er den heutigen Nationalspielern hinterlassen?

„Sein Lebenskampf dient nicht nur als Vorbild für Sportler, sondern für alle Menschen in vergleichbarer Situation. Kämpfen, nicht aufgeben. Jo Deckarm ist ein Phänomen. Auf der einen Seite war er einer der schlagfertigsten und humorvollsten Spieler. Auf der anderen Seite hat er bereits im Training immer mit 100 Prozent Einsatz nicht nur seine spielerischen Fähigkeiten entwickelt, sondern sich auch eine starke Psyche und einen riesigen Willen angeeignet – einen Willen und Kampfgeist, der seinem späteren Lebensabschnitt sehr zu Gute kam. Ich habe eine neue Kultur in der aktuellen Nationalmannschaft gefordert und dazu gehört unbedingt das Vorbild Jo Deckarm. Seine Devise, schon im Training alles zu geben, sich dabei auch einen ungeheuren Leistungswillen anzutrainieren, dass muss allen Nationalspielern der heutigen Generation in das Bewusstsein gerückt werden.“

- Quelle/Logo: Stiftung Deutsche Sporthilfe


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