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Dienstag, 03. Juni 2014

Mille Miglia - "mehr als nur 1000 Meilen"

Brescia - Auch in diesem Jahr überraschte der neue Ausrichter der Mille Miglia - der Automobilclub von Brescia - mit einigen wesentlichen Neuerungen. Erstmals in ihrer Geschichte wurde die 1000Miglia in 4 Etappen gefahren. Gestartet wurde traditionell am Donnerstagabend, jedoch fand der Zieleinlauf der Teilnehmer in Brescia nicht schon in der Samstagnacht, sondern erst am Sonntagmittag statt.

Wer unter den Teilnehmern jedoch glaubte dass dies zu einer Entspannung führen würde, der sah sich getäuscht, denn aus der etwa 1.400 Kilometern Gesamtstreckenlänge der Vorjahre, wurden aufgrund einer völlig neuen Streckenführung jetzt satte 1.842 Kilometer! So war beispielsweise Florenz nicht mehr Bestandteil der Rallye, neue Städte wie Padua, Lucca und Pisa erhielten dafür den Zuschlag.

Statt der üblichen 375 waren in diesem Jahr 451 Fahrerteams gelistet; hierbei handelte es sich um seltene Fahrzeuge aus aller Welt, die zusätzlich zu den sonst zugelassenen Fahrzeugen mit an den Start gehen und in die Wertung fahren durften. An prominenten Teilnehmern hat es auch diesmal nicht gemangelt, an dieser Stelle seien nur einige genannt: die Rennfahrerlegenden Jacky Icks, Jochen Maas und Bernd Schneider, die Sterneköchin Cornelia Poletto, der Schauspieler Jeremy Irons, der Musiker Milow und der AC/DC alt-Rocker Johnsen, Wolfgang und Ferdinand Porsche, Martin Brundle und Bruno Senna, Prinz L. von Bayern waren im Starterfeld zu finden.

Die technische Abnahme der Fahrzeuge erfolgte ab Mittwoch den 13. Mai in der Messehalle von Brescia welche auch für Zuschauer geöffnet  war; hier fand auch das Fahrerbriefing, der ‚medical check’ für italienische Teilnehmer, der Erwerb der Rennlizenzen für Fahrer und Beifahrer sowie die Übergabe der Roadbooks und das spannenende Bekleben der Fahrzeuge mit den Startnummern statt. Ab dem frühen Donnerstagmorgen fuhren dann die ersten Teilnehmerfahrzeuge – eskortiert von Polizeimotorrädern – von der Messehalle in die Innenstadt von Brescia.

Auf dem Piazza della Loggia stellten die Teams hunderten jubelnden Zuschauern Ihre Fahrzeuge vor und wurden dann auf den Piazza della Vittoria geleitet, wo das traditionelle „sealing“ stattfindet, also die Kennzeichnung des Teilnehmerfahrzeugs durch ein Bleisiegel rund um die Lenksäule. Anschließend  wurden die Oldtimer in den angrenzenden Strassen und auf Plätzen wie den ‚Piazza Duomo’ parkiert und der Belagerung durch Zuschauer und Fotografen freigegeben. Dies war auch für die Fahrerteams eine letzte Möglichkeit entspannt einen Cappucino oder Espresso in einem der vielen Cafe’s zu geniessen und dem unvergesslichen Anblick einer Vielzahl seltener Autos und den Massen begeisterter Zuschauer vor einer traumhaften Altstadtkulisse hinzugeben.

Gegen 16 Uhr machten sich die Oldtimer so langsam in Richtung „Mille Miglia Museum“ auf, wo ein gemeinsames Essen aller Teams stattfand, bevor gegen 18 Uhr die ersten Fahrzeuge über die Startrampe auf der Viale Venezia rollten und die erste Etappe vorbei am Gardasee über Verona in Richtung Padua begann.

Am Freitag starteten die Teams nach einer kurzen Nacht von der ‚Thermae Abano Montegrotto’ bei Padua aus in die 2.te Teilstrecke, die über Ferrara, San Marino, die Adriaküste entlang bis Loreto zum Tagesziel nach Rom führte. Erschöpft, nach gut 5 Stunden Regenfahrt erreichten die meisten Teams nach knapp 800 Kilometern Fahrt erst gegen 2 Uhr morgens ihre Hotels in Rom wo ein spätes „Abendessen“ (Buffet) auf sie wartete, um dann nach nur 2 Stunden Schlaf die dritte Etappe einzuläuten.

Diese verlief von Rom über die Toscana (Siena) nach Lucca, Pisa und über die Pässe Futa und Raticosa nach Bologna. Die Begeisterung der Zuschauer in den neu in die Mille Miglia aufgenommenen Städten Lucca und Pisa war spürbar größer als in den seit vielen Jahren etablierten Städten. Ein echtes „Highlight“ war die Fahrt auf der breiten Stadtmauer von Lucca, auf der in respektabler Höhe sogar 3 Zeitprüfungen zu absolvieren waren, bevor man die Mauer wieder über eine Rampe verließ.

Am Sonntag und letzten Tag der Mille Miglia war während des Starts in Bologna bei fast allen Teilnehmern deutlich die Erleichterung zu spüren, dass nur noch 240 Kilometer über Modena und Mantua bis zum Zieleinlauf in Brescia zu bewältigen waren. Bei strahlendem Sonnenschein erreichten die meisten Teams das Ziel in Brescia und wurden von jubelnden Menschenmassen empfangen. Leider gab es auch in diesem Jahr wieder viele Unfälle und technische Ausfälle zu beklagen, besonders tragisch der Unfall der „Sixt“ Söhne, die einen Mercedes Flügeltürer verschrotteten.

Die Sieger der 1000Miglia 2014, wenn wundert es, war selbstverständlich wieder ein italienisches Team. Giordano Mozzi und Stefania Biacca fuhren mit ihrem Lancia Lambda Tipo 221 in der Gesamtwertung auf den ersten Platz.  Einen schönen Abschluss der Mille Miglia bildete neben der abendlichen Siegerehrung im Theatro Grande auch ein gemeinsames Mittagessen auf dem ‚Piazza Duomo Paolo VI’ , wo für die Fahrerteams in einem riesigen Festzelt fürstlich gesorgt wurden.

Fazit: Was macht die Mille Miglia so einzigartig?

Für die Fahrerteams sicherlich die Herausforderung bis an ihre Grenzen und die der Belastbarkeit ihrer Fahrzeuge zu gehen, dabei mit Wissen und tatkräftiger Unterstützung der italienischen Polizei quasi ‚ganz legal’ unter dem Jubel der Zuschauer am Strassenrand jede Straßenverkehrsregeln brechen zu dürfen. Für die Zuschauer bietet die 1000Miglia ein unvergleichliches Spektakel, die seltensten und teuersten Oldtimer zusammen und hautnah auf öffentlichen Strassen zu bewundern in einem Gleichmäßigkeitsrennen mit vielen prominenten Persönlichkeiten. Einmal von dem 1000Miglia-Virus infiziert gibt es kein Gegenmittel mehr, die Vorfreude auf 2015 ist groß!

Wer zum ersten Mal an dieser weltweit einzigartigen Veranstaltung teilnimmt, fühlt sich erschlagen - und zwar von vielen Dingen: Das Chaos in der Startaufstellung von Brescia ist unvorstellbar, und keiner kann sich vorstellen, das wirklich pünktlich im 20 Sekunden-Takt gestartet wird. Wenn dann aber abends auf der Viale Venezia die Startflagge gehoben wird, führt für den Tross der Mille Miglia – vom Jubel des Publikums begleitet - nur ein Weg nach Rom. Nach einem Korso durch Brescias Stadtzentrum rollen die Autoveteranen über Desenzano, Sirmione,Peschiera und Verona nach Padua.

Mille Miglia – das ist Begeisterung pur, das sind Menschenmassen, die selbst um ein Uhr nachts noch auf dem Marktplatz von Padua stehen, um die rund 450 teilnehmenden Autos abzuwinken. Die Fahrtzeiten sind brutal, und mit etwas Glück kommt man über drei Nächte mit täglichem Hotelwechsel auf insgesamt elf Stunden Schlaf. Die Mechaniker schaffen das nicht. Sie schrauben oft die ganze Nacht in der Hoffnung, dass ihre Autos durchkommen. Und dieses Jahr wurde der Ablauf der Mille um einen Tag verlängert.

Ebenfalls einzigartig: Die vielen Clubs, die im Rallye-Umfeld mitfahren und teilweise versuchen, in die Schlacht mit einzugreifen: Wer sieht schon so viele Mercedes SLR Roadster in der Sonderedition Sterling Moss hintereinander auf öffentlichen Straßen? Nur, wer bei der Mille Miglia 2014 war.

Sieger und Erfolgreiche gab es aber trotzdem! Die Nase vorne hatten Andrea Vesco und Andrea Guerini auf einem Fiat Siata 514 MM von 1930. An zweiter Stelle folgten Giovanni Moceri zusammen mit Tiberio Cavalleri auf einem Aston Martin Le Mans von 1933. Auf Platz drei fuhren der unverwüstliche Giuliano Cané zusammen mit Klaus Peter Reichle auf einem Bugatti T 37 von 1927.

- Quelle/Foto: Klaus Weber


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