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Mittwoch, 10. September 2014

Biathlon-Olympiasieger Fritz Fischer: „Golf ist die schwerste Sportart überhaupt“

Frankfurt am Main – Am kommenden Wochenende feiert das Sporthilfe Golf Masters der Deutschen Sporthilfe auf dem Öschberghof bei Donaueschingen seine 25. Auflage zugunsten der Förderung der Sporthilfe-Nachwuchsathleten. Unter den Spitzensportlern in den Flights ist diesmal unter anderem Biathlon-Olympiasieger Fritz Fischer. Der langjährige Biathlontrainer im Sporthilfe-Interview:

Sie gelten als ausgewiesener Golf-Fan, haben selbst ein Handicap von 7,6. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wird Golf erstmals seit 112 Jahren wieder zum olympischen Programm gehören. Eine richtige Entscheidung?

Auf alle Fälle. Golf ist inzwischen ein Volkssport, es gehört zum Sport dazu. Ich finde es gut, dass es wieder olympisch ist.

Was ist für Sie das Faszinierende am Golfsport?
Es ist in meinen Augen die schwerste Sportart überhaupt. Und für Spitzensportler ist das faszinierend. Denn als Topathlet freust Du Dich, wenn es schwierig wird. Vielleicht ist das der Grund, warum so viele ehemalige Spitzenathleten Golf spielen. Die Schläge kann man lernen, das Entscheidende ist aber der mentale Bereich. In der Weltspitze ist das der allein entscheidende Faktor. Da ist Golf dem Biathlonsport sehr ähnlich, wenn es um Topleistungen geht. Und es geht bei beidem auch um Feingefühl. Ich kann noch so viel Kondition bolzen oder die Gewichte im Kraftraum stemmen - wenn ich es anschließend nicht auch auf die Langlaufski bringen kann, bringt alles Training vorher nichts.

Wie kamen Sie zum Golf-Spielen?
Das war eher Zufall. 1988 beim Club der Besten in Florida gab es unter den Alpinen schon einige Golfer. Da bin ich an einem Nachmittag einfach mitgegangen, barfuß. Ich bekam ein 7-er Eisen und habe direkt ein Handicap von 36 gespielt. Von da an hatte mich der Virus gepackt.

Haben Sie Ehrgeiz beim Golfen?
Nein, absolut nicht. Ich spiele Golf, wenn ich Lust darauf habe, ansonsten nicht. Ich komme auch nicht viel dazu. Aber zum Glück ist es ein wenig wie beim Radfahren – man verlernt es nicht. Am meisten habe ich gespielt, als ich an der Trainerakademie in Köln war. Wenn die anderen abends in die Stadt gegangen sind, bin ich lieber auf den Golfplatz. Da habe ich mir viel selber beigebracht. Denn meine Einstellung ist, dass Du als Sportler immer der beste Trainer für Dich selber bist. Ein Trainer kann von außen immer nur justieren, umsetzen musst Du es als Athlet letztendlich selbst. Der Golfsport lässt mich seitdem nicht mehr los.

Am Freitag startet die 25. Auflage des Sporthilfe Golf Masters mit der Disziplin „Golfathlon“, eine Kombination aus Golf und Biathlon, an deren Entwicklung Sie nicht ganz unbeteiligt waren.
Die Idee war, das Biathlon-Feeling auch im Sommer erlebbar zu machen. So haben wir es mit Golf kombiniert. Zunächst werden neun Löcher gespielt und anschließend 15 Schüsse mit einem Laser-Gewehr auf eine Biathlonscheibe abgegeben. Für mich ist es der perfekte Auftakt, um mit viel Spaß am kommenden Tag in den Wettbewerb um die „Blue Jackets“ zu starten.

Das Magazin „Golf Time“ führte das Sporthilfe Masters zuletzt unter den Top 10 der Charity-Veranstaltungen im Golf in Deutschland. Zu Recht?
In meinen Augen ja. Der Reiz für die teilnehmenden Firmen ist, dass ihre 3er-Flights um einen prominenten Spitzensportler ergänzt werden. Das ist für die Firmen etwas Besonderes. Auch für mich ist es eine tolle Gelegenheit, zu anderen Spitzensportlern Kontakt zu haben, die man sonst auch nur vom Fernseher her kennt, z.B. Heiner Brand oder Sven Ottke. Man merkt dann bei den Gesprächen, dass über alle Sportarten hinweg die gleiche Denkweise vorherrscht. Es ist immer eine nette Atmosphäre. Tagsüber bestreiten wir auf lockere Weise einen Wettkampf, abends sitzen wir zusammen und philosophieren. Ich freue mich sehr auf dieses Wochenende. Die Teilnahme am Sporthilfe Golf Masters ist auch die perfekte Gelegenheit, sich als ehemalig geförderter Athlet bei der Sporthilfe zu bedanken. Auch mehr als 20 Jahre nach meiner aktiven Zeit bin ich der Sporthilfe wahnsinnig dankbar für die damalige Unterstützung. Deshalb bin ich schon immer sehr gerne hingefahren, wenn ich Zeit hatte. Leider ließ sich das in den letzten Jahren mit meinem Trainerjob nicht vereinbaren. Dieses Jahr passt es wieder.

Weil Sie in der kommenden Saison andere Aufgaben im Deutschen Skiverband haben. Wie sehen diese aus?
Ich habe sieben Olympische Spiele mitgemacht, nach Sotschi war der Zeitpunkt gekommen, dass ich nicht mehr so viel unterwegs sein will. Ich bin zukünftig für den Deutschen Skiverband als Talentscout tätig. Am vergangenen Wochenende war ich beispielsweise bei den Deutschen Biathlon-Meisterschaften, u.a. auch mit meiner mobilen Laser-Schießanlage. So will ich den Biathlonsport mehr in die Breite bringen. Und auf diesem Wege auch versuchen, Talente zu finden. Dabei schaue ich insbesondere nach Quereinsteigern, ich selbst bin ja auch einer gewesen, bin erst als 17-Jähriger über die Bundeswehr dazu gekommen. Vorher konnte ich weder Schießen noch Skilanglauf. Ich kam quasi wie die Jungfrau zum Kinde. Und dass die Suche nach Quereinsteigern klappen kann, kann man an Franziska Preuß sehen, die im März 2009 von ihren Eltern einen Gutschein für das Programm „Biathlon erleben“ in meinem Trainingscamp geschenkt bekam – und jetzt zur deutschen Spitze gehört und mit der Goldmedaille bei den Olympischen Jugendspielen 2012 in Innsbruck ihr Potential mehr als nur angedeutet hat.

 

 

Fritz Fischer (* 22. September 1956 in Kelheim) gewann bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville mit der 4 × 7,5 km-Staffel die Goldmedaille, nachdem er bei den Spielen 1984 und 1988 mit der Staffel Dritter bzw. Zweiter geworden war. Nach seiner aktiven Zeit machte der Olympiasieger eine Ausbildung zum Diplomtrainer, war in den letzten Jahren dann als Biathlon-Nationaltrainer der Junioren sowie bis zum Ende der Saison 2013/2014 als Disziplintrainer der deutschen Herren-Nationalmannschaft tätig. Der zweifache Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger von 1988 wurde 14 Jahre von der Deutschen Sporthilfe gefördert, seit dem Jahr 2000 ist der Ruhpoldinger Mitglied in emadeus – dem Club der Sporthilfe-Athleten.

 

- Quelle: Deutsche Sporthilfe

- Foto: hcp54.de

- Lizenz: hcp54.de, Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“


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