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Dienstag, 23. September 2014

Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris

Der wahrscheinlich größte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe erzählt in seinem Bühnenstück „Iphigenie auf Tauris“, 1786 als Versdrama verfasst, die Geschichte der Tochter des Agamemnon, in der sie auf einer Insel gefangen ist und sich stetig nach ihrer Heimat sehnt. Schließlich trifft Iphigenie auf ihren Bruder und kann mit ihm die Insel verlassen.

 

Das Stück ist in fünf Aufzüge unterteilt und wurde in der Epoche des „Sturm und Drangs“ verfasst, zeigt deshalb auch die zu der Zeit typischen Merkmale einer Prosafassung auf.

 

Vorgeschichte:

Um die einsetzende Handlung zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass der Halbgott Tantalus einst einen schlimmen Betrug gegenüber anderen Göttern ausübte, indem er ihnen seinen Sohn als Mahl auftischte, um sie von ihrer fehlenden Allwissenheit zu überzeugen. Jedoch bemerkten diese den Versuch und belegten seine Familie mit einem Fluch, der zu innerfamiliären Morden in der Tantaliden-Familie führte.

 

Zu dieser Familie gehörte auch Heerführer Agamemnon, der Vater Iphigenies, der mit einer Flotte aufbrach, um den Krieg gegen Troja zu gewinnen. Auf dem Weg dorthin jedoch gab es keinen Wind auf hoher See, also war Agamemnon gezwungen der Göttin Diana seine älteste Tochter zu opfern. Kurz bevor das passierte, wurde Iphigenie aber von der Göttin gerettet und auf die Insel „Tauris“ gebracht, um ihr als Priesterin zu dienen. Ihr Vater allerdings bemerkte das nicht und ging davon aus, dass er sie geopfert habe.

 

Da der Tantalidenfluch auf dieser Familie lag, ermordete Iphigenies Mutter aus Rache ihren Ehemann und sie wiederum wurde von Orest, Iphigenies Bruder, getötet. Nun war Orest derjenige, der zu fürchten begann, da er in logischer Reihenfolge der nächste gewesen wäre, der von einem Familienmitglied hätte getötet werden müssen. Also schaute er in das Orakel Delphis, welches Orest prophezeite, dass er nach Tauris fahren und das Abbild der Diana stehlen müsse, um dem Fluch zu entkommen. Also machte er sich mit seinem Cousin und Freund Pylades auf den Weg nach Tauris.

 

Handlung:

Der Klassiker „Iphigenie auf Tauris“ beschreibt in den ersten Aufzügen die Stimmungslage Iphigenies. Einerseits ist sie der Göttin Diana für ihre Rettung sehr dankbar, andererseits wünscht sie sich nichts sehnlicher als eine Rückkehr in ihre Heimat.

 

Zu allem Überfluss wird die ganze Sache durch Thoas, dem herrschenden König auf Tauris, noch verkompliziert. Denn dieser möchte sie zu seiner Frau machen und droht bei Ablehnung die Menschenopfer wieder einzuführen. Iphigenie weigert sich trotzdem, da die Ehe gleichbedeutend mit ewiger Bindung an Tauris ist.

 

Anschließend werden auch die Charaktere Orest und Pylades eingeführt, die auf der Insel ankommen und das Abbild der Diana suchen, um dem Fluch zu entgehen. Allerdings werden sie entdeckt und landen im Kerker.

 

Im dritten Aufzug sehen sich die Geschwister das erste Mal wieder und Orest drängt seine Schwester zu einer Flucht von der Insel, deren Plan sogar ausgereift und machbar wäre. Allerdings steht sie ab dem vierten Aufzug in einem Dilemma. Iphigenie, die in diesem Stück auch für Gewissen und Reinheit steht, kann es nicht mit sich vereinbaren den König zu hintergehen und gibt im fünften Aufzug wahrheitsgemäß wieder, was sie und die beiden Eindringlinge betrifft. Letztendlich gibt König Thoas die drei Hauptprotagonisten frei und lässt sie gehen.

 

Johann Wolfgang von Goethe nutzt während des gesamten Stücks 5-hebige Jamben und lässt das Schauspiel dementsprechend klingen. Die Wortwahl ist für Goethes Werke sehr typisch. Außerdem hantiert er mit vielen Metaphern und Anaphern, die gerade in den Monologen Iphigenies zum Tragen kommen. Der Handlungsstrang wird durchgehend von der Gefühlswelt der Hauptperson bestimmt, sodass alle Wendungen im Stück mit den Entscheidungen Iphigenies stehen und fallen. Dabei plädiert Goethe auf die Tugenden wie Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit, die seiner Meinung nach in seiner Welt kaum mehr vorhanden bzw. von Bedeutung sind.

 

Der Autor schreibt bewusst über die griechische Mythologie, um auf die altertümliche Denkensweise zu der Zeit aufmerksam zu machen. In seinem Stück gelingt ihm der Spagat zwischen griechischen Gottheiten, Legenden und der Epoche des „Sturm und Drangs“ sehr gut und obwohl es in altertümlicher Sprache verfasst wurde, ist es doch recht einfach zu verstehen und zu verfolgen.

 

Für alle Fans sowohl der griechischen Antike als auch revolutionärer Stücke aus der Zeit um 1780 also ein absolutes MUSS. Aber auch für alle anderen Leser ist das Stück ein Genuss, das man gut und gerne in 1-2 Tagen verschlingt.

 

Über den Autor:

Johann Wolfgang von Goethe, geboren 1749 in Frankfurt am Main und gestorben 1832 in Weimar, ist einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Autoren. Seine Werke umfassen Lyrik, Dramen, Autobiografiken und sogar Naturwissenschaftliches. Er gilt als Vorreiter der Epoche „Sturm und Drang“ und wurde mit „Die Leiden des Junge Werther“ (1774) früh in Europa bekannt. Nach seinem Tod wurde Goethe gar 1871 zum „Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen“ vom Deutschen Kaiserreich erhoben.

 

Daten zum Buch:

Johann Wolfgang von Goethe, Iphigenie auf Tauris

Erschienen: 1786 (Versdrama)

Taschenbuch, 129 Seiten

ISBN: 978-3-14-022308-9

 

 

 

Quelle/Foto: OZ  (RW)


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