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Dienstag, 28. Oktober 2014

Von Sternen, Heupferden, Mutigen, Ängstlichen und einer zersägten Bank

Kinder lieben Geschichten, die sie inspirieren, in denen sie sich selbst wiederfinden und in denen ihre Wünsche geachtet werden, Geschichten, die Hilfestellung beim Lösen ihrer großen und kleinen Sorgen und Probleme geben.

 

Die 10 spannenden und unterhaltsamen Erzählungen haben ganz unterschiedlichen Themen: z.B. wie man die Angst vor der Dunkelheit besiegt, wie man auch mit einem Handicap glücklich sein kann, dass es spannend ist, anderen, denen es nicht so gut geht, zu helfen, dass auch weniger bekannte Tiere interessant sein können, dass man nicht unbedingt schön und perfekt sein muss, um wertvoll zu sein und dass Träumen manchmal hilft gute Laune zu bekommen.

 

Es gibt Dinge über Tiere und Pflanzen zu erfahren, die nicht jeder weiß. Es geht um Freundschaft und Achtsamkeit und auch um ein spannendes Abenteuer von sieben Freunden, die einen fast aussichtslosen Kriminalfall lösen. Es geht um ganz normale Helden.

 

Alle Geschichten wurden liebevoll illustriert von Katharina Gerber (13 Jahre) und Hannah Gerber (12 Jahre). Ihre Zeichnungen laden ein zum Ausmalen, Selbstzeichnen und Weiterträumen.

 

Lassen Sie sich verzaubern von einem Buch, das auf die eigentlichen Werte setzt: Natur, Liebe und Respekt! Dabei wird kein mahnender Zeigefinger erhoben, ganz im Gegenteil. Es wird der Blick für das Wesentliche geweckt, dazu die Neugier und die Fantasie. Ein modernes Kinderbuch mit mutigen Themen!

 

 

Leseprobe: Sam
Die Menschen in unserer Welt sind nicht alle gut. Es gibt sogar einige, die sind ziemlich böse und mies. Und unter ihnen leiden oft diejenigen, die sich nicht wehren können: Kinder, aber auch Tiere.

 

Manchmal tun solche bösen Menschen anderen sehr weh. Und so erging es Sam, der – leider – einen solchen Menschen traf. Sam war ein großer Hund, ein sehr großer sogar. Er hatte die Menschen gern, so wie es bei Hunden fast immer ist. Sam war ein Straßenhund, niemand wollte ihn haben. Seine Mutter wurde von Menschen ausgesetzt, als sie Welpen bekam und musste seitdem allein für sich und ihre Kinder sorgen. Und das war eine harte Zeit. Als Sam fast ein Jahr alt war, da traf er einen Mann und weil ihm der sehr nett vorkam, ging er auf ihn zu und wedelte freundlich mit dem Schwanz. Der Mann tat aber nur freundlich und als Sam ganz vorsichtig an seiner Hand schnuppern wollte, schlug er ihn hart mit einem dicken Stock, so lang, bis Sam vor Schmerzen und Schwäche zusammenbrach. Erst als er glaubte, Sam sei tot, ließ dieser Mann von ihm ab. Viele Stunden später fanden Kinder ihn im Graben und riefen eine Tierschutzorganisation an, die Sam abholte.
Sam hatte Glück im Unglück – viele andere haben das nicht. Aber Sam überlebte. Er wurde operiert und wurde wieder gesund, nur sein rechtes Vorderbein konnte nicht gerettet werden und deshalb hatte Sam fortan nur drei Beine.

 

Viele Menschen glauben, dass Hunde, die nicht ganz gesund sind, die zum Beispiel nur drei Beine haben, nicht liebenswert sind oder dass sie selbst keinen Spaß am Leben haben. Deshalb lebte Sam in einem Tierheim, denn niemand wollte ihn zu sich nehmen. Traurig war er nicht wegen seines fehlenden Beines, sondern weil er sich so sehr wünschte, es würde ihn jemand lieb haben und mit ihm spazieren gehen. So gern wäre er auf den Wiesen herumgetollt – denn das konnte er, auch wenn er nur drei Beine hatte.

 

Aber niemand interessierte das. Bis eines Tages ein kleiner Junge mit seiner Mutter in das Tierheim kam.
Dieser Junge, er hieß Lukas, schaute sich alle Hunde an, die dort auf Menschen warteten, die ihnen hoffentlich ein schönes Zuhause geben würden. Lukas war sehr schweigsam und als er die vielen Tiere sah, die dort hinter Gittern saßen, wurde er noch schweigsamer und ganz traurig. Am liebsten hätte er alle mit nach Hause genommen. Sam hatte sich ganz hinten in seinem kleinen Auslauf verkrochen. Es würde ihn ja doch keiner wollen, dachte er sich. Und er mochte es nicht, wenn die Leute ihn, teils mit Mitleid, teils auch mit Spott ansahen. Doch Lukas machte genau vor seiner Tür Halt, sah ihn an und begann leise und liebevoll mit ihm zu sprechen. Und da hob Sam den Kopf und schaute den Jungen an, der so ganz anders zu sein schien als die anderen Menschen und sich offenbar für ihn interessierte. Und da sah er es: Lukas saß in einem Rollstuhl und ihm fehlte auch ein Bein. Und so sahen sich beide an – Lukas und Sam – und beide verstanden sich sofort, auch ohne viele Worte. Denn beide wussten, wie es ist, wenn man nicht so war wie andere. Dass man nicht ganz so schnell war, dass viele Menschen einen komisch anschauten. Und für beide war sofort klar, dass sie sich eine Menge zu sagen hatten.

 

Und so kam es, dass Sam aus seinem Käfig geholt wurde und ein Geschirr um die Brust gelegt bekam und Lukas und er auf die Wiese vor dem Tierheim gingen, das heißt, er ging und Lukas rollte in seinem Rolli. Und dort zeigte Sam Lukas, wie schnell er auf seinen drei Beinen laufen konnte. Er tollte ein paar Mal auf der Wiese umher, steckte seine schwarze Nase in ein Mauseloch und rannte dann zu Lukas, um ihm seine Schnauze auf den Schoß zu legen. Und Lukas sah ihm zu und vergrub dann sein Gesicht in Sams weichem Fell. Er war schon lang nicht mehr so glücklich gewesen. Seit seinem Unfall hatte er kaum noch gelacht. Er hatte immer das Gefühl gehabt, irgendwie vom Leben ausgeschlossen zu sein. Und nun war das Leben in Form von Sam zu ihm gekommen.

 

Alles andere war bald erledigt: Lukas Mutter sprach mit der Frau vom Tierheim, füllte die Formulare aus und dann lud sie alle beide, Lukas und Sam, ins Auto. Sam fand das alles sehr aufregend. Er spürte, dass diese Menschen gut zu ihm sein würden, aber ein bisschen Angst hatte er trotzdem. Ganz still lag er hinten in dem großen Kombi, ganz nah bei Lukas, der vor ihm auf dem Rücksitz saß. Unterwegs kauften sie zwei Schüsseln, je eine für Essen und Wasser und das Hundefutter, das Sam gewohnt war.

 

Sam lebte sich schnell in seinem neuen Zuhause ein. Eigentlich bemerkte niemand so recht, dass er nur drei Beine hatte, auch wenn man das auf den ersten Blick sah. Aber Sam konnte trotzdem sehr schnell laufen, sogar Treppen waren für ihn kein Hindernis, auch wenn seine neue Familie darauf achtete, dass er sie nicht so oft ging, da das nicht gut für den Rücken ist. Abends schlief er zusammengerollt vor Lukas Bett und wenn Lukas` Mutter Gute Nacht gesagt hatte, wisperte Lukas ihm zu: “Sam“ – und dann wusste er, dass die Luft rein war und er sich zu Lukas ins Bett kuscheln durfte.
Morgens wurde Lukas von einem Bus abgeholt, der ihn in die Schule brachte und Sam ging während dessen ein Stück mit Lukas` Mutter spazieren, spielte auf der Wiese mit anderen Hunden, und diese fanden es gar nicht merkwürdig, dass er nur drei Beine hatte. Nur die Menschen machten oft komische Bemerkungen. Aber Lukas` Mutter hatte dafür nur ein Lächeln übrig. Und oft dachte sie, wenn die Leute sich doch nur ein Beispiel an den Hunden nehmen würden, dann hätte es Lukas auch nicht so schwer. Denn viele Menschen schauen mitleidig auf Behinderte herab und das ist oft viel schlimmer, als die Behinderung selbst.

 

Den Rest des Vormittages verschlief Sam. Aber er wusste ganz genau, wann Zeit für den Schulschluss war. Dann wartete er auf den Bus und stand mit wedelndem Schwanz an der Tür, um seinen besten Freund zu begrüßen.

 

Der Unfall, bei dem Lukas sein Bein verloren hatte, war schlimm gewesen. Lange Zeit hatte Lukas im Krankenhaus verbringen müssen und seitdem war nichts mehr wie vorher. Lukas, der eigentlich ein fröhlicher Junge war, war immer trauriger geworden. Er wollte nicht in diesem Rollstuhl sitzen. Alles was er tat, war beschwerlich, das Aufstehen, das Anziehen, das Duschen. Treppen konnte er nicht mehr überwinden und er konnte auch nicht mehr Fußball spielen. So war er immer trauriger geworden und sogar das Lesen und der Computer hatten im keinen Spaß mehr gemacht. Seine Freunde wollte er gar nicht mehr sehen, seit er selbst so anders geworden war. Statt eines Beins hatte er nur noch einen Stumpf und das Hosenbein war gekürzt und unten zugenäht – er mochte gar nicht hinsehen. Die anderen Jungen wussten gar nicht recht, was sie zu ihm sagen sollten, die Stimmung war gedrückt und wie erzwungen. Viele Leute starrten ihn an. Manche sagten sogar hinter vorgehaltener Hand „Wie furchtbar“. Und das machte Lukas noch trauriger. Er wollte kein Mitleid, er wollte dazugehören. Er war doch immer noch Lukas, aber alle sahen nur auf sein fehlendes Bein.

 

Sam schien es aber gar nichts auszumachen, dass er nur ein Bein hatte. Und Sam machte es auch gar nichts aus, dass er selbst nur drei Beine hatte. Und das gab Lukas zu denken. Sams Fröhlichkeit war ansteckend. Und nach und nach begann auch Lukas wieder zu lachen.Eines Tages, als er auf der Terrasse saß und Sam Bälle warf, denen dieser mit viel Begeisterung hinterher jagte, sie jedes Mal zurückbrachte und Lukas in den Schoß legte, kam Lukas eine Idee: wenn Sam mit drei Beinen so normal war, vielleicht war auch für ihn selbst ein bisschen Normalität möglich? Zuerst klappte er die Fußstützen seines Rollis weg und setzte sein gesundes Bein auf den Boden. Weil es nicht benutzt wurde, hatte es keine Kraft mehr und Lukas musste deshalb trainieren, um das Bein zu stärken - jeden Tag ein bisschen mehr. Zuerst verlagerte er ein klein wenig Gewicht auf das Bein und hielt sich dabei gut an seinem Rollstuhl fest, am nächsten Tag verlagerte er ein bisschen mehr Gewicht darauf und dann versuchte er eine Kniebeuge. Am Anfang war das noch schwer, aber Lukas versuchte es jeden Tag und bald wurde sein gesundes Bein immer kräftiger. Sam unterstütze seinen Freund bei seinen Übungen jedes Mal, in dem er sich neben ihn setzte und freudig mit seinem Schwanz wedelte.

 

Lukas` Mutter war überglücklich und holte die Krücken, die in der Ecke standen. Lukas hatte sich bisher geweigert, sie zu benutzen. Bald lernte er damit zu gehen. Und weil Lukas nun wieder fröhlicher war und viel hoffnungsvoller in die Zukunft blickte, lernte er auch bald einen anderen Jungen kennen, der, so wie er selbst, im Rollstuhl saß. Rorys Beine waren gelähmt, aber er war trotzdem Mitglied einer Fußballmannschaft und er lud Lukas und auch Sam ein, zuzuschauen. Lukas war begeistert: wild fuhren die Jungs in der Halle in ihren Rollis umher und kickten geschickt mit den Stühlen, an denen unten eine spezielle Leiste befestigt war, die sowohl die Beine schützte, als auch zum Schießen gedacht war, den Ball. Und natürlich wollte er das auch lernen. Bald schon war er einer von ihnen und hatte plötzlich eine Menge neuer Freude. Und auch Sam hatte bald einen neuen Freund: Rory hatte Sam schnell lieb gewonnen und seine Mutter überredet, mit ihm auch mal zum Tierheim zu fahren. Und so war Paul, ein wuscheliger Mischlingshund, bei ihnen eingezogen. Während Lukas, Rory und die anderen Jungs Fußball spielten, tollten Paul und Sam im Garten von Lukas` Eltern über die Wiese. Und hinterher saßen sie alle vier zusammen, die Hunde schnarchten ein bisschen um die Wette und die Jungs hatten sich viel zu erzählen.

 

Autorenportraits:

Birgit Schuler
1963 in Stuttgart geboren studierte Jura und Psychologie, arbeitet als Beraterin und Coach und bietet Seminare mit den Schwerpunkten Entspannung, Stressmanagement, Achtsamkeit und persönliche Entwicklung an.

 

Die Autorin lässt sich selbst immer wieder gern von Geschichten verzaubern und hat deren tieferen Sinn auch als Möglichkeit zur seelischen Stärkung und Weiterentwicklung entdeckt. In ihren Erzählungen sind die Themen Achtsamkeit und Wertschätzung – allen Lebewesen und allem Lebenden gegenüber - immer ein zentrales Thema.

 

Über das Buch:

Titel: Von Sternen, Heupferden, Mutigen, Ängstlichen und einer zersägten Bank
Birgit Schuler
Geschichten für kleine und große Kinder
ISBN: 978-3-942614-90-0
Edition Paashaas Verlag, www.verlag-epv.de
88 Seiten, Format 14,8 x 22,0 cm, Paperback
Preis: 7,95 €
Neuerscheinung September 2014

 

 

- Quelle/Foto: Edition Paashaas Verlag


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