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Dienstag, 17. Februar 2015

Bittersüß - satirisches Zeug

Der Gladbecker Marcus Watolla veröffentlicht das Buch: "Bittersüß: Satirisches Zeug". Dabei handelt es sich um Kurzgeschichten mit knallharter Satire zu unterschiedlichen Themen: Aus dem Leben gegriffen, teils abgedreht, teils unschlagbar ehrlich. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und nicht zuletzt auch sich selbst gerne mal auf die Schüppe. Unterhaltsame Kurzgeschichten mit hohem Wiedererkennungswert sorgen für Lachfältchen und wenn alles gut läuft, beim Leser sogar für humorvolle Selbstkritik.

5 Fragen an den Autor:


1. EPV: Herr Watolla, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich schreibe seit meiner Kindheit, doch veröffentliche ich erst seit dem Jahr 2005 in Anthologien. Ich war schon immer fasziniert vom geschriebenen Wort und von phantastischen Geschichten.

2. EPV: Satire ist ja kein leichtes Thema. Haben Sie auch mal Angst, über das Ziel hinauszuschießen?
Ist es nicht erst eine gute Satire, wenn man über das Ziel hinausschießt??? Satire muss manchmal bissig und böse sein, sonst sollte man sich als Autor einen anderen „Job“ suchen.

3. EPV: Sind Sie privat auch ein satirischer Mensch? Und wenn ja, wie gehen Ihre Mitmenschen damit um?
 Freunde und Freundin beschreiben mich eher als introvertiert. Doch ich habe den Schalk oft im Nacken sitzen. Meine Freundin muss darunter am meisten leiden. Doch sie nimmt es auch mit Humor.

4. EPV: Wie viel Marcus Watolla  steckt in Ihren Geschichten?
Sehr viel. Viele der Geschichten sind autobiografisch und nahe an meinem Leben. Das sieht man auch daran, dass ich manchmal unsere wahren Namen gebraucht habe.

5. EPV: Was erwarten Sie sich von Ihrem neuen Buch? Wollen Sie damit auch etwas bewegen oder haben Sie "just for fun" geschrieben?
Ich verspreche mir davon, meine Leser gut zu unterhalten und die Menschen zum Schmunzeln zu bringen, wenn nicht sogar zum haltlosen Lachen. Ich wünsche mir, dass sie genauso viel Freude an diesem Buch haben, wie ich beim Schreiben.

Zum Autor:
Watolla, Marcus, wurde am 13.05.1972 in Gladbeck geboren. Hier lebt er auch seitdem. Der gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte schrieb schon seit frühester Kindheit Kurzgeschichten und Bücher. Seit 2005 veröffentlicht er auch und ist mit seinen Kurzgeschichten in vielen Anthologien vertreten. Zuerst schrieb er ernst und hintergründig, schließlich wechselte er aber in die Satiresparte und blieb dort auch.
Bei seinen Auftritten begeistert er das Publikum und verbreitet allgemeinen Frohsinn. Seine Geschichten, zumeist aus dem Alltag gegriffen und die Fallen und kleinen und größeren Katastrophen darin beleuchtend, zeigen, wie Kleinigkeiten manchmal zu großen Desastern werden können.
Die schrägen Protagonisten und Handlungsstränge zeigen viel Humor – manchmal auch rabenschwarzen. Mal reizen sie auch nur zum Lachen, mal sind sie einfach nur grotesk.
Marcus Watolla arbeitet aktuell im Öffentlichen Dienst als Teamassistent und ist Mitglied im Verein Leuchtfeder e.V. Er sieht sich nicht als verkappter Intellektueller, sondern beschreibt sich augenzwinkernd als Krawallbruder der Szene.

 

Leseprobe: Bittersüß
Satirisches Zeug von Marcus Watolla
ISBN: 978-3-945725-08-5
Paperback, Format 12 x 19 cm, 152 Seiten
VK: 8,90 €
Neuerscheinung Januar 2015 Edition Paashaas Verlag, www.verlag-epv.de

 

War Gandhi Autofahrer?
Ich fahre eher selten mit dem Auto in die Stadt, es ist mir eigentlich immer zu viel Verkehr. Und dann diese Fußgänger! Laufen bei Rot über die Ampel und reagieren noch aggressiv, wenn man sie darauf hinweist. Das geht schon bei den Teenagern los. Kümmern sich einen Dreck um Verkehrsregeln und wir Autofahrer bekommen die dicke Strafe, wenn einmal etwas passiert.
Sie laufen mit ihren MP3-Geräten im Ohr dösig vor sich hin und bekommen nichts mit. Solche Fußgänger sind mir die Richtigen. Überhaupt: Gelten Verkehrsregeln nur für uns Autofahrer??? Wenn wir etwas trinken und in eine Polizeikontrolle geraten, wird es teuer. Wenn so ein bekloppter Fußgänger zu viel im Tee hat, ist es egal.


Wo ist da die Gerechtigkeit???
Diese Lümmel von Fußgänger können sich doch alles erlauben! Sie laufen einfach über die Straße, sodass man abrupt bremsen muss und vielleicht der Hintermann einem hinten drauffährt. Und wer bezahlt dafür?
Richtig! Der Autofahrer!
Und diese Halunken von Fußgänger bekommen immer mehr Rechte: Ampeln, die sofort auf grün für sie schalten, wenn man einen Knopf drückt. Ampeln, die den ganzen Verkehr aufhalten. Und wozu??? Damit die Stadt fußgängersicherer wird!
Pah!


Man sollte einfach mit dem Wagen draufhalten und sie umfahren, aber dann jammern ja die Polizeibeamten.
Und schlimmer noch: Wenn so ein Läufer angefahren wird, macht man doch sofort den Autofahrer dafür verantwortlich – egal, wie schnell er gefahren ist und wie achtsam er war. Am schlimmsten sind alte Menschen. Hören nichts, sehen nichts und laufen einfach drauf los. Der arme Autofahrer wird schon bremsen.


Dann laufen diese Schlote auch noch durch die dunkle Jahreszeit mit schwarzer Kleidung. Das verstehe ich nicht! Wenn da was passiert, ist doch wieder automatisch der Fahrer eines Autos schuld.
Als ob wir nicht schon genug bluten: Hohe Spritkosten, hohe Steuern und Versicherungen und zu guter Letzt auch noch hohe Bußgelder. Da könnten die Fußgänger doch auch mal Rücksicht auf uns nehmen. Ich wäre sowieso dafür, dass Fußgänger härtere Strafen bekommen, wenn sie uns Autofahrer in Gefahr bringen. Am besten sofort zehn Jahre Arbeitslager.
Ach was.
Zehn? Zwanzig!!!
Oder die Prügelstrafe wieder einführen; bei Rot über die Ampel laufen? Zehn Schläge mit dem Bambusstock. Lautes Musikhören beim Laufen? Fünfzehn.
Und die Höchststrafe: Trödeln beim Überqueren einer Straße!!! Dafür gibt es dann beides!
Da!


Das ist wieder so einer! Ein Rentner mit Rollator. Wetten, er will gleich über die Straße? Ja? Ja? Genau! Hab ich es doch gewusst. Jetzt muss ich bremsen und warten! Und er glaubt sich im Recht, nur weil er über einen Zebrastreifen geht. Man sollte diese Relikte aus den Siebzigern aus dem Straßenverkehr entfernen! Zebrastreifen!!! Ein Sammelort für Rowdys und Tollgewordene!

 

Jeder x-beliebige Fußgänger glaubt, am Zebrastreifen sei er im Recht! Und das Schlimmste: Die Gerichte sehen es genauso!!! Da glaubt man doch ernsthaft, so ein Richter ist ein verkappter und frustrierter Fußgänger. Verurteilen uns zu hohen Strafen, wenn wir an so einer Querungshilfe nicht aufpassen. Aber so ein Fußgänger? Der darf alles.
Jaja. Ich höre sie schon wieder jammern und keifen, diese Wanderschuhfanatiker und Spaziergänger, diese militanten Autohasser mit ihren Pseudoargumenten über Luftverschmutzung und Lärmbildung. Diese Ökos können sich kein Auto leisten, so sieht es doch aus. Sie sind einfach nur neidisch auf uns Autofahrer!


Bestimmt alles Arbeitslose, die sich ein tolles Leben auf unsere Kosten machen! Alles Sozialschmarotzer und Parasiten. Die haben doch auch die Umweltzonen durchgesetzt und die verkehrsberuhigten Zonen! Alles Kommunisten und Anarchisten!


Bestimmt war Lenin auch Fußgänger! Genauso wie Pol Pot. Und wie deren Leben ausgesehen hat, weiß man ja hinlänglich. Und über den Charakter eines solchen Fußgängers braucht man erst gar nicht nachzudenken ...
Die großen und starken Männer fuhren und fahren alle im Auto: Kennedy, Adenauer oder sogar der Papst! Alle, die etwas taugen, sind Autofahrer.
Fuhr Gandhi eigentlich in einem Auto???
Bestimmt!
Oder?
Wohl eher nicht.
Aber man weiß ja auch, wie er endete! Das wäre ihm mit einem sicheren Auto bestimmt nicht passiert!
Wie es auch sei; Fußgänger sind ein Übel, so gesehen ein Furunkel in der Verkehrswelt und die Brutstätte von ungerechten Strafen und Bußgeldern. Man sollte sie alle einpferchen in abgetrennten Abteilen, weit weg von der Straße, damit die unbescholtenen Autofahrer endlich in Ruhe gelassen werden! Am besten deportiert man sie nach Russland. Da gibt es kaum Autos und sie wären unter sich!


Oder man gründet ein neues Land: Latschikistan.
Da könnten sie sich gegenseitig mit ihren Quadratlatschen über den Haufen rennen und würden uns in Ruhe lassen! Wäre das herrlich; keine Rücksicht mehr auf irgend so einen laufenden Penner nehmen, so gesehen freie Fahrt für freie Bürger!
Jaja ...
Aber Schluss mit solchen Träumen. Ich muss mich konzentrieren. Bin gleich am Ziel.
Da!
Ein Parkplatz!
Schön!


Den Rest gehe ich zu Fuß. So, die Straße hinunter und an der Ampel warten.
Was ist das???
So ein bescheuerter Autofahrer!!! Fährt einfach über Gelb-Rot! Autofahrer! Wenn ich diese irren Volltrottel schon sehe! Keine Ahnung vom Straßenverkehr ...

 

 

 

- Quelle/Foto: Edition Paashaas Verlag

 

 


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