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Freitag, 11. Dezember 2015

Der verflixte Knopf!

Ach, was ist das schön – die Weihnachtszeit rückt immer näher, die Temperaturen verpflichten immer mehr zum Kuscheln und die allgemeine Stimmung wird immer besinnlicher. Außerdem gibt es überall selbstgemachten Kuchen oder Plätzen oder beides, was sich automatisch auch auf den Bauchspeck eines jeden ausschlägt. Auch bei Menschen, die ich kenne. Ja gut, ich gebe es zu, auch mich hat die Schlemmer-Weihnachtszeit bereits erreicht und ich habe definitiv ein paar Pfunde zugelegt. Aber bei diesen Temperaturen ist es auch schwierig, sich zu motivieren, nach draußen zu gehen und eine halbe bis ganze Stunde zu laufen.

 

Dass ich in dieser Winterzeit doch schon etwas mehr als gewöhnlich auf den Rippen habe, ist mir das erste Mal am ersten Advent aufgefallen, als ich meine ziemlich konservative Oma wie jedes Jahr in die Kirche begleiten durfte. Und da konnte ich natürlich nicht irgendwie aussehen, nein! Meine Oma legte größten Wert darauf, dass ich in einem Anzug erscheine, „weil es sich so gehört.“ Na dann, zu Befehl!

 

Der einzige Haken daran: Ich habe nur einen Anzug, der ist schon vier bis fünf Jahre alt ist und aus einer Zeit stammt, in der ich drei Mal die Woche zum Basketballtraining gegangen bin. Mit jedem Jahr liegt er enger an und ganz ehrlich: Im letzten Jahr habe ich mich schon gewundert, dass er nicht gerissen ist! Als ich also am ersten Advent in die Hose schlüpfte (meine Beine reinquetschte), wusste ich schon, dass dieser Tag nicht gut ausgehen könnte. Das Jackett habe ich erst gar nicht zugeknöpft, das wäre sowieso sofort wieder aufgesprungen.  Den Weg zur Kirche mit Oma im Arm lief ich besonders vorsichtig. Bloß keinen Muskel zu sehr Anspannen und die Knie auf keinen Fall anwinkeln – ich muss ausgesehen haben wie ein Roboter. In der Kirche angekommen, ging die Messe auch schon los und die Gemeinde stand für ein erstes Lied auf, während der Priester den Innenraum der Kirche betrat und zum Altar schritt. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich so gut wie nie eine Kirche besuche und deshalb keine Ahnung von dem Prozedere einer Messe habe. Wann man aufsteht, sich hinsetzt oder irgendwelche Gebete spricht oder singt, ist für mich wie die Lehre der Philosophie für einen Bauarbeiter.

 

Als dann das äußerst wohlklingende Lied zu Ende gesungen war, ging ich davon aus, dass die Gemeinde Platz nehmen würde. Also setzte ich mich hin, vergaß aber leider, dass die Hose einem so schnellen und ruckartigen Fallenlassen des Gesäßes nicht standhalten konnte. Peng! Mein Knopf löste sich katapultartig von meiner Hose und flog geradewegs auf den Priester zu, der noch mit dem Rücken zur Gemeinde vor dem Altar stand (zum Glück saßen wir in der ersten Reihe, sodass ich mir dieses witzige Spektakel aus nächster Nähe ansehen durfte). Getroffen von meinem Knopf, blickte der Priester auf den auf dem Boden befindlichen abgefeuerten Gegenstand und dann zu mir. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich übersehen, dass ich alleine deshalb schon auffiel, weil die gesamte Gemeinde immer noch stand und ich saß – und das in der ersten Reihe. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen und auch der Priester, dem nun meine Hose aufgefallen war, fing an zu Grinsen. Meiner Oma dagegen war das absolut peinlich, weshalb sie sich sogar unauffällig von mir wegdrehte, so als ob sie nichts mit mir zu tun gehabt hätte. Der Priester nahm den Knopf, behielt ihn für den Rest der Messe bei sich und verwies immer wieder auf ihn, auch in der Predigt. Ich kann mich leider nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber ich glaube er sprach etwas, wie: „Wir sollten nicht einfach wegwerfen, was uns am Herzen liegt“ und „In der Weihnachtszeit dürfen wir uns auch etwas gönnen. Im Zweifel, bis alle Nähte platzen.“

 

Auch wenn die Messe spätestens am Ende sehr peinlich für mich wurde, als der Priester mir vor der gesamten Gemeinde meinen Knopf feierlich überreichte, konnte ich doch Positives abgewinnen: Nächstes Jahr wird sich meine Oma mit Sicherheit überlegen, ob ich sie mit in die Messe begleiten soll, und wenn falls ja, sicherlich nicht mehr mit Anzughose.

 

 

 

 

 

 

- Quelle: OZ (RW)

- Foto: SXC.hu: http://www.freeimages.com/photo/last-man-standing-1428323


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