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Freitag, 18. Dezember 2015

OZ-Alltagswahnsinn: Der wässrige Neujahrsvorsatz

Das neue Jahr steht vor der Tür und die Zeit der guten Vorsätze ist gekommen. Auch ich habe den Entschluss gefasst etwas zu verändern und möchte gerne etwas gegen die angefutterten Pfunde tun, die mir mittlerweile den Blick auf meine Füße verwehren. Neben einer Ernährungsumstellung von Gerstensaft und Chips auf Wasser und Brot plane ich, mich auch der körperlichen Ertüchtigung hinzugeben. Ich entscheide mich einmal die Frühschwimmerangebote im nahegelegenen Hallenbad auszuprobieren.

 

Motiviert mache ich mich also noch vor der Arbeit auf den Weg ins Schwimmbad und kaufe mir, ganz der Machertyp, direkt eine 10er Karte zum Frühschwimmertarif. Anschließend bahne ich mir meinen Weg durch die pfützigen Flure zur nächsten freien Umkleidekabine – zum Glück trage ich an dieser Stelle noch Straßenschuhe. Nachdem ich mich aus der Alltagsbekleidung gepellt habe, schlüpfe ich in meine ca. zwei Jahre alte Badehose. Abgesehen davon, dass sich der Bund unter der Last meines Bauches schon nach außen wölbt und der Gummizug in meinen Hüften einschneidet, sieht dieser Fummel doch noch ganz adrett aus.

 

Bevor ich jedoch einige Bahnen ziehe, wie es im Fachjargon wohl heißt, komme ich um einen Besuch auf der Pilzfarm, genannt Sammeldusche, wohl nicht herum. Als bekennender Warmduscher stellt dieses lästige Vorduschen für mich eine der größten Herausforderungen meines Tages dar. Zusammengekauert – weil ich denke, ich kann meinen Körper so vor den Wasserstrahlen schützen, was natürlich völliger Quatsch ist - stelle ich mich also unter den Duschkopf und schlage todesmutig auf den Knopf, der nur den blauen Balken bei der Temperaturauswahl kennt. Wie kleine spitze Nadeln treffen mich die Wassertropfen und ich stoße ein paar nach innen gerichtete Schreie aus. Natürlich lasse ich mir meine Qual nicht anmerken, schließlich bin ich doch hier um Spaß zu haben.

 

Endlich im Wasser kehrt auch der Wille, morgens bald wieder meine Füße begrüßen zu können, in meine Glieder zurück. Die ersten Bahnen gestalten sich dabei wie eine Party, zu der man zu spät kommt und einen alle Gäste vorwurfsvoll anstarren, wenn man durch die Türe tritt. Die Frühschwimmer Community ist aber äußerst freundlich und so begrüßt mich ein jeder mit einem halb ins Wasser gegurgelten Gruß. Da ich ein freundlicher Mensch bin, beteilige ich mich an diesem Aufnahmeritual und schlucke dabei stets ein bisschen Chlorwasser. Die Arme und Beine zu koordinieren und dabei gleichzeitig zu sprechen ist mir am frühen Morgen eindeutig zu komplex.

 

Ich beginne also mein mir selbst auferlegtes Einsteigerprogramm von 25 Bahnen und versuche gemütlich vom einen Beckenrand zum anderen zu gelangen – ein nahezu unmögliches Unterfangen! Dazu muss man wissen, dass das Becken zu dieser Zeit fast ausschließlich von Rentnern bevölkert wird, die hier schon seit Beginn ihrer Pensionierung oder gar noch früher ihre Bahnen ziehen und damit selbstverständlich einen Rechtsanspruch auf die „Ideallinie“ haben. Ein Jungspund wie ich, der sich nach der Schwimmstunde wieder dem Druck der Leistungsgesellschaft stellen muss, anstatt im Ohrensessel Kreuzworträtsel lösend einzunicken, wird da einfach nicht akzeptiert. Also bleibt mir nur eine Möglichkeit, um Kollisionen zu verhindern – Ausweichen!

 

Von „Bahnen ziehen“ kann an dieser Stelle keine Rede mehr sein. Kreuz und quer schwimme ich die wildesten Muster ins Becken und habe auch schon längst vergessen, wie oft ich schon zwischen den beiden Beckenrändern hin und her gependelt bin. Schlimmer geht es nicht – sollte man meinen. Aber falsch gedacht. Da wäre noch dieser penetrante Geruch aus Klosterfrau Melissengeist, japanischem Heilöl und 4711, der einem bei jedem Ausweichmanöver zwangsläufig in die Nase steigt und selbige zum Kitzeln bringt. Meine Illusion, mich im Wasser in Erinnerungen an den letzten Südsee-Urlaub zu verlieren, ist längst geplatzt. Stattdessen überkommt mich ein anderes Gefühl, dass ich nicht schon vor der Arbeit erfahren wollte – ich bin gestresst!

 

Meine Hände sind schrumpelig, ich verlasse das Becken. Auf die nächste kalte Dusche habe ich auch keine Lust mehr. Mit chlorgeröteten Augen prüfe ich, ob die Luft in der Sammeldusche rein ist, damit ich einfach durchhuschen kann, ohne das mich einer der Hardcore-Frühschwimmer dabei erwischt, wie ich einfach auf die Begegnung mit den kleinen Nadeln verzichte. Ab morgen gehe ich ins Fitnessstudio. Keine Rentner, keine Hausfrauen – nur übermotivierte Discopumper und gackernde Teenager, die sich für Heidi Klums Castingshow zur Bohnenstange herunterzüchten wollen. Naja – werde über meinen Vorsatz noch mal eine Nacht schlafen!

 

 

 

- Quelle: OZ (FR)

- Foto: http://www.freeimages.com/photo/city-swimming-pool-1225288Laurent Violette


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