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Freitag, 15. Januar 2016

Ausgeben vs. Sparen

Ständig zählt er jeden Groschen, den er mit sich rumträgt, dreht jeden Cent um, um auch nicht irgendwo einen zu übersehen. Die Angebotshefte der nächsten Supermärkte, die wöchentlich in seinem Briefkasten liegen, studiert und vergleicht er stundenlang, notiert die einzelnen Preise sorgfältig und kalkuliert seine Wocheneinkäufe.

 

Mit Freunden unterwegs zu sein, kann er sich nicht leisten. Hier ein Bierchen, da ein Snack, das kann und will er sich nicht bezahlen. Trotz seines mickrigen Gehalts, das er sich neben seinem Studium in einem Minijob verdient, und seines gemieteten Zimmers in einer WG, schafft er es monatlich, 50 € zurückzulegen und in sein Sparschwein zu werfen. Die Finanzblase wird irgendwann platzen, so viel steht für ihn fest! Schließlich erzählen das viele schlaue Leute im Fernsehen. Er nennt einen alten Knochen sein Mobiltelefon und verzichtet gänzlich auf Ausgaben für Sport, Musik oder andere Hobbys. Stattdessen fokussiert er sich auf die Zukunft und möchte auch im hohen Alter immer Geld für den Notfall parat haben, denn vom Staat kann man nichts erwarten – auch das sagen die im Fernsehen!

 

Seine ein Jahr ältere Schwester hat es nicht so mit dem Sparen. Obwohl sie sich auch nur in einer Ausbildung befindet, reist sie viel. Mal an die Ost-, mal an die Nordseeküste, mal grüßt sie aus Schweden, mal aus dem Bus während einer zweiwöchigen Reise durch Europas schönste Städte. Natürlich kann sie auch auf die neueste Technik nicht verzichten. Das beste Handy und der schnellste Laptop gehören zu ihrem Inventar, wie die trendigste Kleidung von morgen. Jedes Wochenende lässt sie sich auf den größten Partys der Stadt blicken, trinkt die teuersten Getränke und feiert bis zum Morgengrauen. Regelmäßige Konzert- und Festivalbesuche runden ihr Leben in Saus und Braus ab, denn ein „nein“ kommt nie über ihre Lippen. Wenn sie irgendwann kein Geld für all ihre Aktivitäten und Einkäufe hat, ist der Kommunikationsweg zu ihrer Familie kurz. Beinahe jeden Monat bittet sie entweder ihren Bruder oder ihre Mutter nach Geld, um ihren Lebensstil keinerlei Abbruch tun zu müssen. Natürlich leiht sie es nur, abbezahlt wird es dann meist irgendwann später.

 

Sobald beide aufeinander treffen, gäbe es eigentlich viele unterschiedliche Themen zu bereden, schließlich trennen beide knapp 500 km, sodass sie sich nur selten im Jahr zu Gesicht bekommen. Doch vorherrschend ist immer nur ein Thema: Geld. Beide Philosophien geraten immer wieder aneinander. Er ist sich sicher, dass nur seine vorsichtige und zukunftsorientierte Sparpolitik die einzig richtige sein kann, sie glaubt, dass das Hier und Jetzt mehr wert ist, als alle möglichen Sicherheiten in der Zukunft. Auf einen grünen Zweig kommen sie nie.

 

Erst Jahre später knicken beide ein. Rückblickend muss er, als seine Kinder anfangen zu sprechen und ihn zu fragen, was er alles in seiner Jugend gemacht hat, feststellen, dass er fast nichts zu erzählen hat. Weder von speziellen Orten, die er gesehen, besonderen Veranstaltungen, die er besucht, noch von legendären Bands und Konzerten, die er gehört hat. Das einzige, das er sagen kann, ist: „Ich habe studiert, gearbeitet und gespart.“

 

Aber auch seine Schwester gesteht sich ein, dass auch ihre Entscheidungen aus der Vergangenheit nicht die Richtigen gewesen sein können. Zwar hat auch sie gesunde Kinder, doch lebt sie am finanziellen Limit. Denn mit dem gleichen Geld, das damals schon nicht für ihren Lebensstil ausgereicht hat, muss sie jetzt zusätzlich ihre Kinder füttern, anziehen und nebenbei arbeiten gehen und den Babysitter bezahlen. Zwar kann sie ihren Kindern viel aus ihrer Vergangenheit erzählen und diese Geschichten haben es wirklich in sich, doch kann sie ihnen nie wirklich mit reinem Gewissen erklären, warum es ihnen jetzt so schlecht geht. „Weil ich damals Fehler gemacht habe“, antwortet sie beschämt.

 

Wie man es also dreht und wendet, es gibt keine pauschale, immer zutreffende Antwort auf die Frage, ob Sparen besser als Ausgeben ist. Jeder ist für sein Schicksal verantwortlich. Die einen wollen in ihrer Jugend auf nichts verzichten, die anderen sehen nur ihre Zukunft und sind bereit, dafür viel zu vernachlässigen, doch sollte man weder von richtig noch von falsch sprechen – vielmehr von Präferenzen. Doch wenn es nach mir geht, glaube ich, dass es immer einen goldenen Mittelweg gibt, ob er nun offensichtlich oder kaum erkennbar ist. Man muss ihn nur finden und aufpassen, ihn nicht zu verlassen.

 

 

 

- Quelle: OZ (RW)

- Foto: http://www.freeimages.com/photo/piggy-bank-1428097karl mooney


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