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Freitag, 04. März 2016

Zu jung, um alt zu sein

Die Jahre kommen, die Jahre gehen. Das erste graue Haar, keine Partys mehr bis 5:00 Uhr morgens und keine Action mehr tagein tagaus – so langsam muss man sich doch daran gewöhnen. Doch mir fällt das ziemlich schwer. Ich will noch nicht zum alten Eisen gehören, das jeden Morgen geregelt um 7:00 Uhr aufsteht, abends noch ein paar Seiten eines guten Buches liest, am Wochenende durch Museen herumschlawenzelt und Sonntags den Tatort guckt. Beim besten Willen, aber so alt fühle ich mich noch nicht.

 

Letzte Woche wurde ich zu einem 26. Geburtstag eingeladen. Die Freundin eines Freundes hatte Geburtstag, doch leider wusste ich außer dem Straßennamen nicht, wo genau sie wohnt. Leider sind die Zeiten schon seit einigen Jahren vorbei, in denen man immer genau wusste, wo die Party steigt. Mindestens 25 Fahrräder vor einer Haustür und laute Basstöne haben den Gästen schon kilometerweit verraten, wohin sie müssen. Und jetzt? Jetzt rief ich doch tatsächlich meinen Freund an, um nach der Hausnummer zu fragen.

 

Als ich gegen 21:30 Uhr angekommen war, begrüßte mich die Gastgeberin herzlich und führte mich in das Wohnzimmer. Ungelogen – ganze neun Menschen und ein Hund waren da, seit 19:00 Uhr! Drei Freundinnen saßen in einer Ecke auf der Couch und unterhielten sich angeregt mit schicken Weingläsern in der Hand über die Dekoration des Raumes, am Tisch saßen zwei Freunde von mir, Alex und Tony,  und Vater und Sohn (12 Jahre) der Gastgeberin. Der Hund wirkte von dieser Menschenmasse ziemlich überfordert. Immer wieder animierte er bellend diejenigen, die am Tisch saßen, dazu, mit ihm zu spielen und ihm immer wieder einen Ball zu werfen. Wow – genau so stellte ich mir einen 43. Geburtstag vor, aber 26? Kommt schon!

 

Doch leider schien ich der einzige zu sein, dem diese Art von Geburtstagsfeier an diesem Tag nicht so schmeckte. Genüsslich gönnte sich die Runde am Tisch Käsepicker und einen roten Wein, der natürlich vor dem ersten Schluck zehn Minuten atmen musste. Und da gerade eine neue Flasche aufgemacht wurde, entschied ich mich für Bier. Die Gastgeberin zeigte mir, wo ich mir welches holen könne und als ich gerade da war, um mir das kühle gute-Laune-Gebräu zu greifen, traf mich der Schlag: Für neun Leute waren genau drei Flaschen Bier eingekauft worden. Wenig später wusste ich auch schon, wieso. Ausgenommen vom Vater, der Gastgeberin, ihrem 12-jährigen Bruder und meiner Wenigkeit waren alle mit dem Auto gekommen, obwohl sie alle aus der gleichen Ortschaft kamen. „Ich bin etwas müde und muss morgen früh raus“, waren die Ausreden – was ist denn hier bitte los?

 

Ich fühlte mich wirklich wie im falschen Film gefangen und hatte nach zwei Stunden auch wirklich keine Lust mehr über die Renaissance der Schaltplatte und das Abschneiden der Regierung in der bisherigen Legislaturperiode zu sprechen, ja sogar philosophischen Ansichten von Platon, Aristoteles und Kant konnte ich an einem 26. Geburtstag nichts abgewinnen. Bis dann endlich Tony etwas sagte, dass den ganzen Abend verändern sollte: „Ich arbeite jetzt übrigens beim Schwimmbad.“ In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Nacht unvergesslich machen könnte, also wollte ich wissen: „Hast du einen Schlüssel?“ Und als er mit den wunderschönsten zwei Buchstaben, die es je gab, antwortete, packte ich direkt Alex und Tony am Arm und zog sie zur Tür hinaus. Nach kurzem Überreden waren wir keine zwanzig Minuten später im Wasser eines Schwimmbads um 1:00 Uhr nachts. Mit Handtüchern über dem Kopf schlichen wir uns vorher an den Kameras vorbei, zogen uns die Klamotten aus und sprangen, da wir keine Badesachen mithatten, im Adams-Kostüm ins kalte Nass. Mindestens eine Stunde lang genossen wir alle Möglichkeiten, die ein Schwimmbad so bietet. Rutschen, Schwimmen und Sprünge vom 1er bzw. 3er, und alles im Dunkeln. Kurz zusammengefasst: Es war wirklich unvergesslich! Und auch wenn ich weiß, dass ich die Uhr niemals zurückstellen kann und ich mit jedem Jahr älter werde, habe ich mir trotzdem vorgenommen, zumindest ab und zu noch so zu tun, als wäre ich der unbekümmerte Junge, ohne Probleme und ohne Pflichten.

 

 

 

- Quelle/Foto: OZ (RW)


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