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Freitag, 29. Juli 2016

OZ-Alltagswahnsinn: Die Karawane zieht weiter

Wer kennt es nicht: Gerade noch so eben hat man das Toast heruntergewürgt und sich mit Kaffee beschlabbert, schon sitzt man im Auto auf dem Weg Richtung Terminen, Telefon und Schreibtisch. Aus der Einfahrt hinaus, mit Schwung um die erste Kurve und dann ... steht man da. Mit der ersten Ampel kommen die ersten Zweifel. Reicht die Autoschlange immer bis hinten hin zum Bäcker? Hastig wird das Navigationsgerät eingeschaltet, das Verzögerungen mittlerweile in Echtzeit kalkuliert. Trotzdem wird angestrengt gegrübelt - laut Navi ist die alltägliche Pünktlichkeit gewährleistet, aber was ist, wenn an den Autobahnausfahrten wieder der Teufel los ist? Sind irgendwelche Nebenstrecken gesperrt? Hätte man doch früher losfahren sollen?

 

Die erste Ampel liegt nun zurück und die Autobahnauffahrt kommt näher. Der Verkehr läuft flüssig, wenn auch 10km/h zu langsam. Nächste Ampel. Ungeduldig wird mit den Fingern aufs Lenkrad getrommelt. Die Kinder an der Bushaltestelle gucken mitleidig. Dann geht es weiter und der Beschleunigungsstreifen unter den Rädern fühlt sich an, wie ein Befreiungsschlag. Blinker - mittlere Spur. Die Karawane an LKWs schleicht auf der rechten Spur gemäßigt dahin, während schnelle Luxusschlitten auf der linken drängeln. Macht das Sinn, wenn die Spuren eh komplett zu sind? Die Schrift im Navi färbt sich orange. Leichte Verzögerungen auf der Strecke. Noch ist das Tempo angemessen - zumindest für die Masse an Vehikeln.


Das lang ersehnte Schild der Ausfahrt erscheint. Blinker - rechte Spur - Blinker - Ausfahrt. Und Stillstand. Augenblicklich färbt sich die Zeitvorschau des Navis grell rot. Stau. Die Minutenangabe steht genauso unverändert da, wie das Auto zwischen all seinen Brüdern. Die Uhr tickt. „Sie befinden sich trotz Stau auf der schnellsten Route zu Ihrem Ziel.“ Nun wird verzweifelt gerechnet. Vielleicht kann ein leichtes Übertreten des Tempolimits eine Verspätung ausgleichen? Sind das nicht sowieso eher Richtlinien? Im Krieg, in der Liebe und im Berufsverkehr ist alles erlaubt. Oder? Im Rückspiegel ist erkennbar, wie die Brünette im hinteren Wagen das Handy zückt. Ihre Miene drückt erschlagene Gewissheit aus: Sie wird es nicht mehr schaffen. Betretenes Schweigen für die Gefallene.


Plötzlich ein Ruck. Dann ganz langsam. In einem Hoffnungsschimmer erhellen sich die Gesichter ringsherum. Das Leben geht weiter. Die zweite Etappe wird nun mit neuer Kraft begonnen. Geschickt und wie abgesprochen bremst die ganze Bagage vor den Radarfallen ab und beschleunigt nach passieren dieser sofort wieder. Ein Einziger im Gewühl versucht sich durch das Wechseln der verschiedenen Spuren einen Vorteil zu verschaffen. Naja, die muss es ja auch geben. Nun ist die Bahn frei. Der Verkehr entzerrt sich und das Herz schlägt höher, als der Arbeitsort namentlich auf den Wegweisern genannt wird. Das Navi leuchtet zufrieden grün vor sich hin. Ausfahrt. Ampel. Ampel. Ein Blick aus dem Fenster zeigt den Spurenwechsler, der unheimlich vergnügt an der roten Ampel der Linksabbiegespur hupt.


Um fünf Minuten vor Acht biegt das Auto in die Straße des Bürogebäudes ein. Jetzt nur noch schnell einen Parkplatz finden - aber das ist eine ganz andere Wahnsinns-Geschichte!

 

- Quelle: OZ (NH)

- Foto: OZ


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