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Freitag, 19. August 2016

OZ-Alltagswahnsinn: Hör mal wer da summt

Auch wenn sich die meisten Deutschen andauernd über die Wetterlage hierzulande beklagen, sind wir doch mit dem einen oder anderen Sonnentag im Sommer gesegnet. An lauen Abenden kann bis spät in die Nacht gegrillt und gefeiert werden und manchmal ist es danach sogar noch so warm, dass der Flausch der Bettdecke zur gefährlichen Schweißfalle zu werden droht. Ich mag das. Ich fühle mich beschwingter im Sommer. Es ist heller und man scheint viel mehr Zeit zu haben, als im kargen, dunklen Winter. Ich gehe mit dem guten Gefühl ins Bett etwas geschafft zu haben und weiß, dass ich, obwohl ich in aller Herrgottsfrühe aufstehen muss, vom munteren Vogelgezwitscher geweckt werde. Strecke ich ein Bein unter der Decke hervor, akklimatisiere ich mich wunderbar in der perfekten Balance zwischen leiser Sommerwoge, die durch das offene Fenster hereinweht, und den sieben Höllenringen, die sich unter dem Federbett zu verbergen scheinen.

So dämmere ich zufrieden in den Schlaf.

 

Ich schrecke hoch. Instinktiv ziehe ich mein nacktes Bein zurück in die hitzige Versklavung der Bettwäsche. Ich höre dieses eine unverkennbare Geräusch und Wut wallt in mir auf. Mein Schlafzimmer verwandelt sich vom „Schweigen der Lämmer“ zu „Good Morning Vietnam“ in nur drei Sekunden.

 

Erst einmal springe ich auf und schüttele die Decke aus. Dann verharre ich kurz. Als nichts passiert, schalte ich das Licht an. Der Uhrzeiger müht sich gerade zwischen 3 und 4 Uhr ab. Auch nach dem Wedeln mit den Vorhängen ist nichts zu sehen. Ich lösche das Licht und lege mich wieder hin. Sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss.
So knapp an meinem Ohr vorbei! Ich schlage mit voller Wucht dagegen. Keine Rücksicht auf Verluste. Das Geräusch verstummt. Ich schnappe mir mein Handy, danke im Stillen den Erfindern, und öffne meinen Internetbrowser. Ich möchte nicht googeln. Ich möchte auch nicht über meine Erlebnisse twittern. Ich möchte, dass ein leichter Lichtschimmer auf mein schweißnasses Gesicht und die Wand davor fällt. Die List funktioniert. Ich widerstehe dem Drang, den Kopf heftig zu schütteln, als der Quälgeist an mir vorbeifliegt und schaue angestrengt zu, wie er sich auf der Wand niederlässt. Ich wage nicht zu blinzeln, um den Feind nicht aus den Augen zu verlieren. Sie sagen Killerspiele machen aggressiv, doch das Gewaltpotenzial von in der Nacht Heimgesuchten wird unterschätzt: In diesem Zustand sollte sich mir niemand unbedacht nähern. Klatsch! Das Blut spritzt, doch es ist mir egal. Befriedigt wische ich mir die Hand an einem Taschentuch ab. Die Überreste lasse ich als Warnung für die Nächste da und sinke zurück in die Kissen.

 

Wie gewohnt singen die Vögel pünktlich um 6 vor meinem Fenster. Mit pochendem Schädel setze ich mich im Bett auf und schaue mir den Ort der Verwüstung an. Verhalten meldet sich die Scham über das, was in der letzten Nacht passiert ist, als ich den an der Wand klebenden Kadaver betrachte. Angesichts der drei großen, roten Flatschen an meinem Bein bin ich jedoch nicht im Stande Reue zu verspüren. Nur eines ist sicher: Diese Schlacht habe ich triumphal geschlagen, aber der Krieg ist noch nicht gewonnen. Ich sehne mich nach der Kälte des Winters.

 

- Quelle: OZ (NH)

- Foto: http://de.freeimages.com/photo/mosquito-bite-3-1410910Gabor Bibor


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