Einzugsgebiet NRW

Die OZ Onlinezeitung
auf Facebook



OZ – Onlinezeitung Zeitung für NRW UG (haftungsbeschränkt )

Anzeigen

NEU: Unsere OZ-App 2.0!
Android app on Google Play

Themen im Detail


Freitag, 26. August 2016

OZ-Alltagswahnsinn - Diebesgeschichte(n)

Wie jeden Morgen fahre ich mit dem Bus den Weg zum Bahnhof, schaue aus dem Fenster und sehe die altbekannten Häuser, Straßen und Geschäfte an mir vorbeiziehen. In und auswendig kenne ich diesen Weg, jeden Backstein und jedes am Straßenrand wachsende Unkraut. Deshalb fällt es mir heute sofort auf: Etwas fehlt! Ich drehe mich auf meinem Sitz herum, um zurückzublicken und zu überprüfen, ob das, was ich denke gesehen zu haben, wirklich so ist. Und tatsächlich, meine Augen haben sich nicht getäuscht. Was fehlt, ist ein Straßenschild! Nur noch der graue Rahmen steht auf seiner Stütze. Sie umrahmt heute nur ein Stück Luft. Komisch, jetzt wo es fehlt, könnte ich nicht einmal genau sagen, was dort auf dem Schild zu sehen war. Doch das ist auch nicht wichtig. Sofort stellt sich in meinem Kopf die Frage, wer hinter dem Schilderklau steckt und vor allem - wozu das Ganze?

 

Vor meinem Auge werden fantasievolle Geschichten lebendig: Es ist Nacht, das Örtchen liegt ruhig und leise da, der Mond scheint und wirft sein kühles Licht auf Häuserdächer und Straßen. Niemand ist unterwegs, oder doch? Tatsächlich, zwei dunkel gekleidete Männer schleichen noch zwischen den Häusern umher. Sie laufen zielstrebig auf ein Schild am Rande der Fahrbahn zu. Dann stoppen sie und sehen sich um. Niemand sonst ist zu sehen, also legen sie los. Der eine der Männer zückt einen Schraubenschlüssel und dreht flott alle vier Schrauben heraus, die das Schild in seiner Fassung halten. Der andere Mann gibt ihm Räuberleiter und sieht sich weiter wachsam in alle Richtungen um. Mit einem dumpfen „Plong“ fällt das Schild ins Gras. Die Männer geben sich ein High-Five.

 

„Na, hoffentlich weiß deine Schnitte das auch zu schätzen“, hört man den einen sagen, der andere nickt nur lächelnd. Er wird morgen Abend seiner Freundin einen Antrag machen. Schon mehrere Wochen über hatte er alles geplant und vorbereitet, einen tollen Ring ausgesucht und den Termin im Kalender dick markiert. Morgen wird es soweit sein. Er hat sich so einige Überraschungen überlegt und wird mit ihr zu ihrem Lieblingsplatz in der Stadt fahren und am Ende dann tatsächlich vor ihr auf die Knie fallen. Nur eine Sache hatte noch gefehlt. Er war ein Freund von verrückten Ideen und er wollte auf keinen Fall einen langweiligen Antrag machen.  Deshalb hatte er seinen besten Kumpel angerufen, um zusammen das letzte fehlende Teil für seine Mission zu besorgen. Es war nicht nur ein Straßenschild, es war DAS Schild, unter dem sie als Studenten ihren ersten Kuss gehabt hatten, als sie übermütig und betrunken von einer Party auf der Straße nach Hause liefen. Glücklicherweise war es nicht nur bei diesem nächtlichen Flirt geblieben.  Es war IHR Schild und deshalb musste er es einfach klauen. Sie würde die Idee lieben, da war er sich sicher, denn wie er war auch sie ein wenig verrückt. Schnell verdeckte er das Schild mit seinem Jackenzipfel und die beiden Freunde machten sich auf den Heimweg...

 

Der Bus stoppt, hier muss ich aussteigen. Fast hätte ich die Station, in meinen Träumereien versunken,  verpasst. Ich verlasse den Bus und gehe schmunzelnd  meines Weges. Vermutlich wird der Schilderklau keinen ach so romantischen Hintergrund haben und vermutlich können sich auch nicht alle andere Leute  so wie ich davon begeistern lassen. Doch fürs erste bleibe ich bei meiner Fantasie und lasse mir dadurch meinen Morgen versüßen.

 

- Quelle: OZ (JE)

- Foto: OZ

&nb


Nach oben

Bundesliga powered by Kicker Online

Anzeigen


Suchbegriffe: