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Freitag, 09. September 2016

OZ-Alltagswahnsinn: Shopping-Queen wider Willen

Im Auto und unter der Dusche kommen einem ja bekanntlich immer die besten Ideen. Wenn Sie allerdings auf der allabendlichen Heimfahrt denken: „Oh, ich verspüre ein kleinwenig Appetit und sollte vielleicht noch schnell beim Supermarkt vorbeifahren“, kann ich Ihnen garantieren, dies ist kein genialer Einfall! Denn ist es nicht immer das Selbe? Schon auf dem rappelvollen Parkplatz, dämmert es mir, dass ich anscheinend nicht die Einzige mit dieser Idee war – was Genialität bereits im Ansatz ausschließt. Doch das Ausmaß der Konsequenzen meiner Fehlentscheidung wird erst an der Kasse greifbar. Und bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg…
Schön und gut, ein Einkaufswagen lässt sich noch mühelos auftreiben und die Gänge stellen mit der richtigen Fortbewegungsmethode auch kein Problem für mich dar. Ich empfehle die Variante ‚Slalom‘ oder deren aggressiven Bruder ‚Auto-Scooter‘, um sich einen Weg durch andere Kaufwütige zu schlagen. Dabei sollten Grabbeltische mit Angeboten unbedingt gemieden werden, sollten diese nicht eh schon ratzeputz leergefegt sein.

Herkömmliche Ratgeber fordern ferner dazu auf, niemals hungrig einzukaufen. Ausgehungert, wie ein wilder Wolf fiele es schwer, rational zu bleiben und nicht gierig den ganzen Laden zu plündern. Erkennen Sie die Parallelen? Ich verfluche mein Bauchgefühl und –knurren, während ich durch die Obstabteilung rase. Einen Vorteil hat die Menschenmasse zugegebenermaßen: Sie  bremst das unstillbare Verlangen nach praktisch Allem, da einfach zu viele bewegliche Hindernisse zwischen Jäger und Beute auftauchen. Andererseits steigert sich das Aggressionspotenzial zwischen den  grobmechanischen Gangversperrern gewaltig. Ich kämpfe mich vor zu abgepackten Nudeln, Weichspüler und den Käsepickern - denn wenn ich genau darüber nachdenke, ist in der Küche und dem Haushalt gar nicht mal so viel los - bis ich vor den Snacks stehe; Hier muss nun alles sehr schnell gehen. Entscheidungen müssen getroffen werden, noch bevor das Hirn sagen kann, dass man mit dem Fett der Chipspackung drei Elefanten braten und mit der darüber hinaus enthaltenen Luft fünfzig Kinderballons aufpusten könnte. Ein Griff ins Regal und ganz überraschend werden drei Tüten im Wagen versenkt. „Da steht wohl ne Party an?!“ – „Gehirn, bist du es?“ Nein, es ist der dumm grinsende Mittvierziger, der seinen Wagen mit fettfreier Mango und extraleichten Karottenpommes vorbei zu drängen versucht. Der ist es immer!  Mein Tipp an dieser Stelle: Antworten Sie auf derlei Provokationen nicht indem Sie den gerade beschafften Pfeffer einmal in anderer Leute Gesicht ausprobieren. Besser: Nehmen Sie auch noch eine Dose Nüsse mit. Da haben Sie nachher vor dem Fernseher einfach mehr von. Ich konzentriere mich stark und beflissen auf Cracker und Studentenfutter und rausche, so würdevoll es mit vollbeladenem Gepäck nur geht, ab, an meinem Widersacher vorbei, der Freiheit entgegen.



Aus dem Gang der salzigen Versuchungen entkommen, heißt es Beine in die Hand nehmen und die Flucht ergreifen! Je schneller Sie sich aus dem Supermarkt entfernen, desto früher bekommen Sie etwas zwischen die vor Anspannung mahlenden Zähne. Mit Karacho stürme ich auf die nächste Kasse zu, doch kommt es, wie es kommen muss: Noch bevor ich den Kassenbereich überhaupt sehen kann, erkenne ich schon kilometerlange Menschenreihen. Sie ziehen sich im Zickzack durch das Gebäude, als wolle jemand indianische Muster zum Leben erwecken. Das es keine Wellenbrecher und Securityordner gibt, ist ein wahres Wunder. Ringsherum ertönen Schreie von Auffahrunfällen mit den Einkaufswagen in den Hacken der Anstehenden. Dies ist der Moment, um jegliche Entscheidungen, Einfälle und Ideen des Lebens noch einmal Revue passieren zu lassen und zu bereuen. Sehr, sehr langsam windet sich die Schlange nach vorne. Plötzlich scheint es, als müssten alle Menschen im Raum etwas umtauschen, reklamieren oder zu Bruch gehen lassen. Nach Schweiß treibenden Minuten ist es dann so weit: Ich verfrachte die lang ersehnten Artikel des Glücks auf das schmierige Laufband. Die Kassiererin lässt ihren Blick ein My zu lange auf den Tüten Chips ruhen, bevor sie mir stirnrunzelnd den zu zahlenden Betrag nennt. „So viel kann doch keiner alleine essen!“ Der Karottenpommesmann legt seine Karottenpommes auf das Band und die Kassiererin steigt in sein gestelztes Lachen ein. 

 

Ausgelaugt von diesem Trip, der sich wie ein zweiwöchiger Städteurlaub mit der ganzen Familie anfühlt, fehlt mir die Kraft für jegliche Erwiderungen. Auf dem Weg zum Parkplatz bleibt nur ein  dumpfer Gedanke – ich streiche das Auto als Raum der Inspiration und Muße. Jetzt kann mich nur noch eine ausgedehnte, heiße Dusche auf andere Gedanken bringen!

 

- Quelle/Foto: OZ (NH)


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