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Freitag, 21. Oktober 2016

OZ-Alltagswahnsinn: Sport ist Mord

Da saß ich nun. Irgendwo am Rand einer Straße, von der ich den Namen nicht einmal kenne. Keuchend, triefend und vollkommen fertig. Was war passiert?

Am Morgen zuvor fiel ich verschlafen aus dem Bett. Die Augen reibend, trottete ich hinüber ins Badezimmer und hoffte, eine kalte Dusche würde meine müden Glieder munter machen. Fehlanzeige! Als ich also zitternd aus der Dusche stieg, fiel mein Blick auf die Personenwaage, die neben der Tür stand. Ich schaute hinab zu meinen Füßen. Sie waren nicht mehr da! Nur ein großer plautziger Bauch prangte in meinem Sichtfeld. Ich seufzte und versuchte mein Glück. Die Waage ächzte unter mir. „Na, Danke“, dachte ich und schob die Wampe zur Seite. Die Zahl, die sich mir nun bot, hätte auch zu einem teuren Markenauto gehören können.

Ich beschloss, dass etwas geschehen musste: Nun setzt man sich mit dem Themenkomplex Gewichtabnahme auseinander, stößt auch der Laie auf die beiden großen Wissenschaften Sport und Ernährung. Ich zog eine Grimasse. Essen ist mein Leben. Jeden Montag überstehe ich nur, weil er genug Stunden bietet, darüber nachzudenken, was es später als Abendessen geben könnte. Dieser Weg fiel aus. Also blieb nur noch Sport. Okay, ich könnte versuchen meinen Heißhunger im Zaum zu halten - Friss-die-Hälfte-Diät. Alles keine sehr befriedigende Aussichten, gestand ich mir zähneknirschend ein. „Aber ein Schwabbel muss tun, was ein Schwabbel tun muss“, sprach mein Spiegelbild.

 

Kein Meister ist vom Himmel gefallen und Disziplin auf Teufel komm raus zu erzwingen, funktioniert nur in den seltensten Fällen. Ich legte mir also kleinere Zieletappen fest: „Heute weniger essen, morgen Sport!“ Mein innerer Schweinehund hatte wieder einmal einen kleinen Sieg errungen. Jedoch musste ich ihm in einem Punkt Recht geben: Ich hatte tatsächlich keine passende Sportkleidung. Flugs sprang ich ins Auto und kaufte im erst besten Laden ein Paar Sportschuhe und eine Leggins. Der nächste Tag konnte kommen!

An diesem Morgen schien die Sonne in mein Fenster. Voller Tatendrang hüpfte ich aus dem Bett. Dies sollte der erste Tag meines neuen Lebens werden! Ich frühstückte ein halbes Müsli, trank einen halben Kaffee und aß eine halbe Banane – Ordnung muss sein. Die Beinstumpen in die neue Leggins gequetscht watschelte ich vor die Tür. Was nun? Ich wohne in einer recht hügeligen Gegend und wusste nicht recht wohin mit mir. Egal! Einfach los! Der Traumfigur hinterher! Schritt, um Schritt, um Schritt trabte ich wie ein Kaltblut-Pony über den Gehsteig und hoffte, dass mich niemand dabei erwischte. Ich lief, und lief und langsam spürte ich, wie es leichter ging. Ich spurtete los, sprintete glücklich durch Wiesen und Felder. So federleicht war ich nun. Ich blickte auf die Uhr. Eine Minute und dreizehn Sekunden war ich unterwegs. Sportlich. Bei Minute zwei ging es bergab. Nur leider nicht mit der Straße, die stieg erbarmungslos weiter an, sondern mit mir. Das Atmen fiel mir schwerer, meine Beinmuskulatur krampfte und ich dachte mein Herz müsse vor lauter Stress Burnout bekommen. Eine Frau mit Kinderwagen überholte mich auf der anderen Seite. Ich versuchte betont lässig in eine Art Traben zu verfallen, um ihr zu signalisieren, dies wären die letzten Meter meiner kilometerlangen Joggingrunde. Sie kaufte es offensichtlich nicht ab. Blieb nur noch Trick 17: Ich setzte mich auf den Bordstein und tat so, also wolle ich mir den Schuh neu binden. Dies war ein großer Fehler, wie sich herausstellte. Einmal in hockender Position erwies es sich als unmöglich für mich, wieder aufzustehen. Da saß ich nun. Irgendwo am Rand einer Straße, von der ich den Namen nicht einmal kenne. Keuchend, triefend und vollkommen fertig.

Den Tränen nahe, suchte ich Halt an einer Straßenlaterne, als sich mir eine Hand entgegenstreckte. Ein weiterer Jogger, deutlich fitter und deutlich entspannter, hatte meine Notlage bemerkt und versorgte mich nun mit Zuspruch, Tipps und gut gemeinten Ratschlägen, die ich später alle in den Wind schießen würde. Trotzdem beruhigten mich seine sanften Worte und meine Schnappatmung ließ langsam nach. „Wissen Sie, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut! Seien Sie nicht so hart zu sich selbst“, erklärte er, dann joggte er fröhlich von dannen. Ich schleppte mich zu meiner Wohnung und ahnte bereits jetzt, welche Art von Muskelkater mich beim nächsten Erwachen begrüßen würde. Ich schob die dunklen Gedanken bei Seite. Eine spritzige Ladung Wasser im Gesicht brachte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich hatte nichts erreicht, oder? Mein Spiegelbild schaute mich fragend an. Andererseits – immerhin hatte ich weniger gegessen und war, trotz aller Überzeugung, nicht gestorben. Und mein Körper pochte auch mittlerweile gar nicht mehr so grässlich. Vielleicht, ja vielleicht sollte ich mir wirklich Zeit lassen. Nun lächelte mein Spiegelbild. Ich fasste neuen Mut. Morgen würde ich es einfach noch einmal probieren!

 

- Quelle: OZ (NH)

- Foto: OZ

 


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