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Donnerstag, 27. Juli 2017

Lisa Marie Schütze: "In Deutschland sehen Professoren Spitzensport als Hindernis an"

Frankfurt am Main (ots) - Lisa Marie Schütze gewann bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der Hockey-Nationalmannschaft der Damen die Bronzemedaille. Im Spiel um Platz 3 erzielte die jüngste Spielerin der Mannschaft das vorentscheidende Tor zum 2:0 und sicherte so die ersehnte Medaille - und das, obwohl sie das gesamte Turnier nur unter großen Schmerzen spielen konnte. Die 20-Jährige studiert Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach den Olympischen Spielen legte sie ihr schriftliches Physikum mit der Note "gut" ab. Zudem absolvierte sie diverse Praktika und Famulaturen im chirurgischen Bereich. Darüber hinaus engagiert sie sich seit diesem Jahr als Botschafterin für die Kinder-Augen-Krebsstiftung.

 

Lisa, die deutschen Hockey-Damen haben gerade in Johannisburg beim Word League Halbfinale die Silbermedaille gewonnen und damit den Startplatz für die WM in 2018 erkämpft. Warum warst Du nicht in Südafrika mit dabei?

 

Lisa Marie Schütze: Ich war mit ganzem Herzen dabei! Und bei jedem Spiel vor dem Bildschirm, alle Spiele wurden live gestreamt. Im Grunde bin ich also nur physisch nicht dabei gewesen. Ja, ich kämpfe noch mit den Folgen meiner Knieverletzung von Rio...

 

Du hattest bei den Olympischen Spielen nur unter großen Schmerzen spielen können...

 

Nur mit Hilfe des großartigen Teams, der Ärzte und Physiotherapeuten im Olympischen Dorf war es mir überhaupt möglich, ins Turnier zu starten. Im letzten Testspiel in Buenos Aires hatte ich einen Schlag auf die Kniescheibe bekommen, worauf mein Knie direkt sehr dick geworden war. Vor jedem Spiel beim Aufwärmen habe ich geglaubt, den Schmerz nicht noch einmal ertragen zu können. Jedoch sind Olympische Spiele etwas ganz besonderes. Das Herz eines jeden Sportlers schlägt sozusagen im Olympischen Zyklus. Jeder Sportler saugt jeden Moment auf und denkt an nichts anderes als an seinen Wettkampf. Auch nicht an ein schmerzendes Knie. Deshalb hab ich auch nicht eine Sekunde daran gedacht, dass der Knochen kaputt sein könnte. Dass die Kniescheibe gebrochen war, wurde dann erst einen Monat nach den Spielen zuhause bei einem MRT festgestellt.

 

Sind Deine Erinnerungen an Rio dann primär mit schmerzhaften Gedanken verknüpft?

 

Nicht im Geringsten! Das olympische Turnier war für mich die bedeutsamste und bereicherndste Erfahrung meines Lebens! Vor 80.000 Menschen zusammen mit der deutschen Delegation ins Maracana-Stadion zu marschieren, der tagtägliche Kontakt mit Spitzensportlern und natürlich die Spiele selbst werden mir für immer in Erinnerung bleiben.

 

War es nach so einem Highlight in Deiner noch jungen Karriere schwer, sich wieder im Alltag zu Recht zu finden?

 

Es war klar, dass ich nach den Spielen meinen Fokus zurück auf mein Medizinstudium legen würde. Ich hatte vor Rio ein Freisemester genommen, um mich optimal mit der Mannschaft vorbereiten zu können. Der klare Plan war: Erst Rio, danach mein Physikum. Da waren eine Streckschiene am Bein und das Gehen an Krücken natürlich nicht mit eingeplant. Vielmehr war es eine absolute Katastrophe und eine ganz neue persönliche Herausforderung für mich. Nach einem Monat habe ich diesen Heilungsweg dann auch abgebrochen. Hätte ich die angedachten drei Monate auf Krücken durchgezogen, wäre mein Studium auf der Strecke geblieben. Mit einer Mischtherapie aus Sportverbot und ganz wenig Bewegung habe ich es jetzt so weit gebracht, dass ich wieder weitestgehend schmerzfrei bin, mein Physikum mit "gut" bestanden habe und darüber hinaus noch drei Monate Praktika und Famulaturen im Krankenhaus machen konnte.

 

Das hört sich nicht nach Langeweile an...

 

Nein, wirklich nicht. Mein Tag beginnt meist um 6:30 Uhr, Frühstück gibt's auf dem Weg in die Bibliothek. Daran anschließend eineinhalb Stunden Training, dann drei bis vier Stunden Pflichtkurse an der Uni. Abends steht das Vereinstraining und Lernen an. Um 23 Uhr ist mein Tag dann zu Ende.

 

Fällt Dir ein solch strukturierter Alltag leicht?

 

Im Grunde schon, aber natürlich nicht immer. Aber ich habe einen strikten Plan. Wichtiger noch als Planung ist die Liebe zu dem, was man tut. Es war mein größter Traum, Teil der deutschen Mannschaft zu sein und mich in Rio mit der Weltklasse messen zu dürfen. Genauso ist mein großer Traum, Chirurgin zu werden.

 

Siehst Du die Parallelität von Sport und Studium als Belastung an?

 

Die Intensität ist für mich okay. Das Hauptproblem ist aber die fehlende Akzeptanz. In Deutschland sehen beispielsweise die Professoren den Sport als Hindernis an, während in den USA oder England die Kompetenzen, die man sich damit erwirbt, hoch angesehen sind. Und aus der fehlenden Wertschätzung, was man als Spitzensportler leistet, resultiert eine zu geringe finanzielle Unterstützung. Deshalb kann ich das Deutsche Bank Sport-Stipendium nicht stark genug wertschätzen. Es ist nicht nur eine riesen Hilfe, sondern es macht für uns den Sport überhaupt erst möglich. Nur so können wir uns fokussieren. Es ist ein Privileg, dieses zu erhalten und wahnsinnig wichtig.

 

Wie sehen Deine kommenden Ziele aus?

 

Sportlich ist die WM im kommenden Jahr ein großes Ziel, und dann natürlich die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Im Zwischenjahr will ich mein Examen machen, dann bin ich 23 Jahre alt. Das praktische Jahr plane ich dann eher nach Tokio ein.

 

Bewerbungs-Video von Lisa Marie Schütze zur Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres: https://youtu.be/4IVMLI6z7sQ

 

Steckbrief Lisa Marie Schütze (* 5. Oktober 1996 in Düsseldorf)

Sportart: Hockey

Wohnort: Düsseldorf

Verein: Düsseldorfer HC

Größter Erfolg: Olympia-Bronze 2016

Studium: Humanmedizin

Universität: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

Die Deutsche Bank unterstützt im Rahmen der Sporthilfe-Förderung studierende Spitzenathleten mit 400 Euro im Monat. Aktuell profitieren rund 400 Sporthilfe-geförderte Athleten vom Programm, das mit einem Zeitbonus über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird. Die besonderen Leistungen der studierenden Athleten sollen mit der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zusätzlich herausgestellt und gewürdigt werden. Der Preisträger erhält für 18 Monate von der Deutschen Bank den doppelten Stipendiumsbetrag von 800 Euro pro Monat. Die weiteren vier Finalisten erhalten für den gleichen Zeitraum eine Zusatzförderung in Höhe von 200 Euro pro Monat.

 

Diese Sporthilfe-Athleten stehen zur Wahl: Jan-Philip Glania (Schwimmen/Zahnmedizin), Laura Grasemann (Ski Freestyle/Molekulare Biotechnologie), Anna Schaffelhuber (Ski alpin paralympisch/Lehramt), Lisa Marie Schütze (Hockey/Humanmedizin) und Theresa Stoll (Judo/Humanmedizin). Bis zum 20. August 2017 kann jeder unter www.sportstipendiat.de den Nachfolger von Lisa Mayer, Olympia-Vierte mit der 4 x 100-Meter-Sprint-Staffel, wählen. Unter allen Teilnehmern des Online-Votings wird eine Deutsche Bank SparCard mit einem Guthaben von 500 Euro verlost.

 

- Quelle: Deutsche Sporthilfe

- Foto: http://www.freeimages.com/photo/hockey-1418094


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