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Mittwoch, 07. März 2018

Schulreife oder Schulfähigkeit – Was ist darunter zu verstehen?

v.l.n.r. Dr. med. Bernhard Dombrowski, Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes des Rhein-Sieg-Kreises, Edith Bernhard, Leiterin der Städtischen Kita Waldstraße, Ingrid Röhl, Leiterin der Katholischen Grundschule Sankt Martin in Mülldorf und Harry Liedtke, zuständig für die Bildungsplanung beim Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt Sankt Augustin.

Sankt Augustin - Schulfähigkeit ist Experten zur Folge nicht nur eine Eigenschaft des Kindes, sondern entwickelt sich im Zusammenwirken der verschiedenen Beteiligten, nämlich des Kindes selbst, der Kindertageseinrichtung, die es besucht, der Schule, die es aufnimmt und nicht zuletzt der Eltern. Unter diesem Gesichtspunkt setzte die Thematik des vierten Fachtages im Bildungsnetzwerk Kita-Grundschule an einem bedeutenden Baustein der gemeinsamen Übergangsgestaltung an. Die verschiedenen Perspektiven aus Kita, Schule und aus schulärztlicher Sicht wurden über Impulsreferate dargestellt und in kleinen Gesprächsrunden der mehr als 60 Teilnehmenden im Haus der Nachbarschaft in Hangelar diskutiert.

Edith Bernhard, Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Waldstraße, richtete den Blick dabei auf die „Kita-Zeit als Bildungszeit“ und zeigte auf, wie sich Elemente von Schulfähigkeit in verschiedenen Phasen entwickeln, wie die Bildungsprozesse in den Einrichtungen der Frühen Bildung darauf hinwirken und die Basiskompetenzen fördern. Dem kindlichen Spiel misst sie dabei eine große Bedeutung bei: „Ein hohes Maß an Spielfähigkeit führt zur Schulfähigkeit“.

Vor der Aufnahme in die Schule steht immer der Gang zum Schularzt. Dr. med. Bernhard Dombrowski, Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes des Rhein-Sieg-Kreises, erläuterte sehr praxisnah die gutachterliche Tätigkeit der Schulärzte und machte deutlich, in welchen Fällen eine Schulfähigkeit noch nicht attestiert werden kann und die Zurückstellung eines Kindes empfohlen wird. Diese Prüfung unterliegt gesetzlichen Grundlagen und ministeriellen Erlassen. Oft ist es nicht ein einzelnes Kriterium, das ausschlaggebend ist. Mehrere Gründe und Aspekte spielen in der Regel zusammen und werden gewichtet.
Letztlich steht dahinter die Frage, welches System (Kita oder Schule) im Einzelfall für die Förderung des Kindes geeigneter ist. In jedem Fall trifft der Schularzt seine Empfehlung im Zusammenwirken mit Eltern, den Fachkräften in der Kita und der Schulleitung der aufnehmenden Schule.

Ingrid Röhl als Leiterin der Katholischen Grundschule Sankt Martin in Mülldorf stellte heraus, dass sich die Schulen am sog. Schulfähigkeitsprofil orientieren, sich über einen gemeinsamen Leitfaden für die Gespräche mit den Eltern verständigt haben und über abgestimmte Entscheidungsgrundlagen bei der Frage von Rückstellungen und vorzeitiger Einschulung verfügen. Auch sie betrachtete das Schulfähigkeitskonzept im Kontext des Zusammenwirkens von Elternhaus und Schule. Sie hob hervor: „Schulfähigkeit ist keine Bringschuld der Kinder. Die Schule holt die Kinder dort ab, wo sie stehen.“

Zielgruppe des halbtägigen Fachtages waren nicht nur die Bildungsakteure in Kita und Grundschule selbst - und hier insbesondere die in der jeweiligen Einrichtung für die Kooperation zuständigen Fachkräfte unter Beteiligung der OGS -, sondern auch Vertreter aus den Elterngremien in Kita und Schule und die regional tätigen Fachberatungen im Kita-Bereich. Der Fachtag war der vierte seiner Art, nachdem sich 2012 die verantwortlichen Akteure im Stadtgebiet auf den Weg gemacht haben, über alle Einrichtungen und Träger hinweg, gemeinsam den Prozess des Übergangs aus den Kitas in die Grundschulen zu gestalten. Die Fachtage sind ein Ort der Begegnung, dienen dem fachlichen Austausch und verhelfen gleichzeitig zu einem immer besseren Verständnis der Fachleute in den jeweiligen Bildungssystemen.

 

- Quelle/Foto: Stadt Sankt Augustin


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