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Dienstag, 07. August 2018

Weltmeisterschaften im Kanupolo - Dreimal Gold für Deutschland

Erftstadt/Welland (Kanada) - Herzklopfen, Freudentaumel und Tränen. Dieses Jahr hatten die Weltmeisterschaften im Kanupolo entlang der Messlatte menschlicher Emotionen alles zu bieten. Erschüttert wurde die ganze Kanupolo-Gemeinschaft Mitte Juli durch den plötzlichen Tod von Fiete Junge, Hannoveraner Bundesligaspieler und Nummer 10 der Herrennationalmannschaft. Der erst 26-Jährige starb nach kurzer Krankheit und hinterließ eine große Lücke innerhalb des Teams. Vor diesem Hintergrund hatte das Bestreben der Herren, den Titel zu holen, eine schmerzliche Note. Trotz und gerade wegen dieser  traurigen Startbedingen taten sie alles, um auch und gerade für ihren Kameraden zu siegen.


Dieses Jahr fanden die Canoe Polo World Championships in Welland in der kanadischen Provinz Ontario vom 31. Juli bis 5. August statt. Acht der 32 Spielerinnen und Spieler der Deutschen Nationalauswahl gehören den Wassersportfreunden Liblar 1960 e.V. an.


Auf kanadischem Wasser spielten die Deutschen Bestes Kanupolo auf höchstem Niveau. Sowohl die Damen-, die Herren als auch die U21 Damen holten Gold. Die U21 Herren konnten sich den Vizetitel sichern. Damit gewannen die Herren erstmals seit Beginn der Kanupolo-Wettkämpfe den Weltmeistertitel. Die Damen konnten den Titel das sechste Mal holen. Die nationalen U21 Damen erzielten zum vierten Mal in Folge und seit den Europameisterschaften 2011 in Madrid durchgängig Gold im internationalen Vergleich.


Für die U21-Spielerin Charlotte Dörfler und den erst 16-jährigen Spieler Kai Hachenburg sowie Svante May – beide im U21 Team der Herren - begannen die Spiele schon am 31. Juli. Die Spielerinnen und Spieler in der Damen- und Herren-Nationalmannschaft – Kapitän Jonas Vieren, Marco Hoppstock und Dennis Witt sowie Kapitänin Elena Gilles und Caroline Sinsel – starteten das Turnier einen Tag später. Alle Deutschen Teams überzeugten durchweg mit beeindruckend souveränen individuellen Leistungen, mitunter hohen Siegen und einem fließenden, starken Spiel. Siege folgten auf Siege. Am 3. August, dem vierten Wettkampftag, dann die Begegnung der U21 Herren gegen die Niederlande. Ein aggressives Spiel, das schon früh zeigte, dass die Holländer ein nicht zu unterschätzendes Interesse an einem Sieg hatten. Der Ausgang: 4:4. Auch die U21 Damen hatten es an diesem schwülen und warmen Tag schwerer. Im letzten Vorrundenspiel gegen Polen konnte nur ein 3:3 gehalten werden.


Das Halbfinale der U21 Damen gegen Großbritannien mutete weitaus schwieriger an als das Finale. Während dieses nur knapp mit einem 4:3 gewonnen werden konnte, konnte man die Polinnen im letzten Spiel ruhig und gemessen an die Wand spielen. Auch die verzweifelten Versuche der Polinnen, einen zweiten Treffer zu ihrem Vorteil zu erspielen, scheiterte an den konzentrierten Abwehrbestrebungen von Nummer 8, Emily Bildat. Und zum vierten Mal in Folge gewinnen die jungen Damen den Titel.


Die U21 Herren zogen mit einem 5:1-Sieg gegen Italien ins Finale ein. Hier konnte sich Kai Hachenburg, jüngster Spiel im Kader, hervortun und den Anschlusstreffer zum 1:1 erzielen, nachdem England früh in Führung gehen konnte. Während der Ballbesitz in den ersten Minuten hin und her ging und die Mannschaften fair und überlegt spielten, wurde die Stimmung mit dem 2:1 für England langsam angespannt. Auch wenn die deutsche Nummer 10, Leon Konrad das 2:3 für Deutschland holen konnte, reichte es letztlich nicht zum Sieg. Damit ist Großbritannien Weltmeister in der U21 Herren-Klasse.


Die Damen sicherten sich am 4. August bereits mit einem 3:0 gegen die Schweiz den Einzug ins Halbfinale. Damit zogen die Damen  ohne Niederlagen ins Finale ein. Während das Halbfinalspiel gegen Frankreich von außen betrachtet ein selbstbewusstes Spiel zeigte, so meinte Stammspielerin Leonie Wagner nach dem Spiel, die Begegnung sei durchaus schwierig gewesen. Das Finale gegen Großbritannien konnte hingegen mit einem deutlichen 5:1 entschieden werden, sodass man sich den Titel von den Neuseeländerinnen wiederholen konnte.


Auch die Herren blieben bis zum 4. August ungeschlagen. Im Zwischenrundenspiel gegen Italien musste man dann nach einer gelben Karte zwei Minuten zu viert spielen. Was folgte war Verunsicherung und mehrere gescheiterte Versuche auf deutscher Seite, den Ball ins Tor zu bringen. Die Begegnung endete 4:3 für die Italiener. Ganz anders hingegen das Halbfinale gegen Spanien. Die Südländer konnten nicht gegen die motivierten deutschen Herren bestehen. Ein 6:1 katapultierte die Herren ins Finale gegen die Italiener, gegen die man den Tage zuvor eine Niederlage hatte einfahren müssen. Das Endspiel begann schnell und spannend. Schon in der ersten Minute machten die Italiener ihr erstes Tor. Mehrere Versuche auf beiden Seiten, den Ball im gegnerischen Tor zu versenken, scheiterten in den nächsten Minuten. Gegen die starke italienische Abwehr anzukommen stellte sich als sehr schwer heraus. Schließlich konnte Jonas Vieren in der 9. Minute den Anschlusstreffer machen. Keine Minute später verlor Vieren beim Angriff auf das gegnerische Tor sein Paddel. Die italienische Nummer 2 kassierte dafür die grüne Karte. Und dann: weniger als eine halbe Minute vor der Halbzeit kassiert die italienische Nummer 7 die gelbe Karte. Das heißt: Italien 2 Minuten zu viert auf dem Feld. Die Nummer 3, Lennart Unterfeld, nutzte dies direkt für einen Wurf aufs Tor – und verfehlte. Die zweite Halbzeit begann mit Manndeckung. Angriffe beider Mannschaften konnten jeweils gehalten werden.  Dann wirft Jonas Vieren zu Marco Hoppstock, der wirft, verfehlt und...Julian Prescher macht den Ball rein. 2:1 für Deutschland und noch knapp sechs Minuten zu spielen. Direkt der Angriff der Italiener, Jonas Vieren kassiert die grüne Karte. Der Ball wandert mehrmals von Spieler zu Spieler, was jedoch zum Ballverlust und Ballbesitz der Italiener und einem Angriff auf das deutsche Tor führt, das verlassen dasteht - geblockt glücklicherweise von Jonas Vieren. Wieder zurück zum Angriff auf das italienische Tor und: ein fließender ruhiger Wurf von Robert Pest.Tor für Deutschland. Dann die rote Karte für die italienische Nummer 7 zweieinhalb Minuten vor Schluss. Die Deutschen spielen nun auf Zeit. Passen sich den Ball zu und halten sich vom gegnerischen Tor eher fern. Und nur noch 30 Sekunden zu spielen: wieder ein Zuspiel. Diesmal von Marco Hoppstock zu Dennis Witt und Wurf: 4:1. Nach einem letzten Versuch der Italiener, ein Tor zu machen, lassen die Deutschen Jungs die Uhr in den letzten drei Sekunden einfach runterlaufen. Statt Aktion folgten die ersten euphorischen und erleichterten Umarmungen. Die Deutschen Männer haben mit 4:1 das erste Mal in der Geschichte des Kanupolo die Weltmeisterschaft gewonnen. Das Team holte noch dem Spiel die Weste des verstorbenen Fiete Junge mit auf das Feld, zollte dem Verstorbenen Tribut und feierte unter Tränen den Sieg.

 

 

- Quelle: Wassersportfreunde Liblar 1960 e.V. (Maren Schwegeler)

- Foto: Deutscher Kanu-Verband


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