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Montag, 13. Mai 2019

Ein unfassbares Finish

Solingen - Milan Kotrc erzielt in der letzten Minute nach toller Einzelaktion das 28:28 für den Bergischen HC. Der TVB 1898 Stuttgart hat die große Chance, im letzten Angriff den Siegtreffer zu erzielen. Aber: Stürmerfoul, Konter, und ausgerechnet Max Darj, der sich an Johannes Bitter im Stuttgarter Tor zuvor die Zähne ausgebissen hatte, versenkt den Gegenstoß zum 29:28 für die Löwen in der ausverkauften Solinger Klingenhalle.

Nach diesem Finale brechen alle Dämme. Die Mannschaft liegt sich in den Armen, während 2491 Zuschauer einen nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg feiern. Auf seinem Platz gesessen hat in den letzten Minuten ohnehin keiner mehr. Doch der Reihe nach: Es dauerte eine Weile, bis sich die Löwen in die Partie hineingearbeitet hatten. In der Deckung entschieden die Unparteiischen drei Mal binnen kurzer Zeit auf Siebenmeter für die Schwaben. Beim dritten rückte Bastian Rutschmann für Christopher Rudeck zwischen die Pfosten - und hielt. Der Keeper blieb bis zum Schluss Rückhalt der Mannschaft.

Lange hielten die Löwen das Duell offen, überstanden auch zwei Zeitstrafen gegen Kristian Nippes und Csaba Szücs schadlos. Angeführt von Linus Arnesson, der in der Spielsteuerung hervorragend agierte, stellte die Truppe Ende der ersten Halbzeit die Weichen Richtung Sieg. Der Schwede traf zum 9:9 und 10:9 selbst und bediente Csaba Szücs bei der zweiten Welle. Dazu kamen die Gastgeber zu zwei Gegenstößen, die Nippes und Gunnarsson verwerteten. Den Schwung des 5:0-Laufs nahmen die Bergischen nicht ganz mit in die Pause. Auch die Stuttgarter markierten noch drei Treffer in Folge, so dass Max Darj nur noch auf 16:14 stellen konnte. Jeffrey Boomhouwers Nachwurf, nachdem TVB-Torhüter Johannes Bitter den ersten Versuch vor dem Halbzeitpfiff pariert hatte, landete einen Tick zu spät im Netz.

Es war einer von wenigen Akzenten, die Bitter in der ersten Halbzeit setzte. Doch nach Wiederaufnahme der Begegnung begann der Torhüter-Routinier damit, die Löwen zu entnerven. Während die BHC-Deckung immer stabiler agierte, hatte die Mannschaft vorne die große Chance, die Führung deutlich auszubauen. Max Darj war es, der drei Mal aus sechs Metern zum Abschluss kam, aber jedes Mal das Nachsehen hatte. Der Schwede war in dieser Situation sichtlich angefressen, wurde aber von seinen Mannschaftskameraden aufbaut. "Der nächste sitzt", rief etwa Milan Kotrc ihm zu.

Als dann auch noch Gunnarsson per Strafwurf an Bitter scheiterte, waren die Stuttgarter leicht im Vorteil. Fabian Gutbrod zeigte sich aber unbeeindruckt. Der Rückraum-Rechtshänder zog zwei Mal durch und setzte mit seinen Treffern Ausrufezeichen. Der BHC schaffte es fortan oft, mit einem Tor in Front zu gehen, Stuttgart fand aber stets gute Antworten - insbesondere durch David Schmidt, der insgesamt sieben Mal erfolgreich war.

In den letzten Minuten schien die Partie in Richtung der Schwaben zu kippen. Sie waren es nun, die vorlegten. Michael Schweikardts 28:27 konnten die Löwen zunächst nicht kontern. Und die Löwen haderten mit kritischen Entscheidungen - so etwa, als Rafael Baena den Ball nach einem Verlust wieder eroberte, die Gäste aber den Pfiff bekamen. Rutschmann war es, der den entscheidenden Wurf von Schmidt im Gegenzug parierte und seiner Mannschaft damit bei einer Minute auf der Uhr noch eine Chance gab. 

Was sich dann abspielte, wird lange unvergessen bleiben. Angefeuert von 2491 frenetischen Fans fasste sich Kotrc ein Herz bei seiner Einzelaktion zum 28:28. Der TVB nahm eine Auszeit, hatte alle Trümpfe in der Hand, doch Dominik Weiß kassierte gegen Csaba Szücs das Stürmerfoul, das in den letzten acht Sekunden noch mal den BHC-Angriff ins Rollen brachte. Völlig abgezockt spulten die Löwen ihr Tempospiel über Arnesson, Szücs und Nippes herunter, bis der Ball eben ausgerechnet bei dem Spieler landete, den Bitter zuvor so entnervt hatte. "Der nächste sitzt", hatte Kotrc gesagt. Und er behielt recht. Darj gelang mit dem 29:28 ein Meilenstein, vollendete einen unglaublichen Kraftakt und versetzte die Stuttgarter in einen Schock. Aus den Löwen brach es heraus - es war wohl das emotionalste Finish der gesamten Saison.

Löwengebrüll - die Stimmen zum Spiel
Jürgen Schweikardt:
"Herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Ich habe gerade Jogi Bitter gefragt, ob ihm das schonmal in seiner Karriere passiert ist, dass er zwei Spiele hintereinander in der letzten Sekunde verliert. Er konnte sich nicht erinnern, und ich hoffe, dass ich es nie wieder erleben muss. Ich kann mich kaum an das Spiel erinnern, wie es jetzt lief. Der Schock sitzt schon tief. Es war ein ausgeglichenes Spiel, das wir auf Augenhöhe gestalten konnten, wie gegen Melsungen und Berlin. Am Ende kippt das Momentum sogar auf unsere Seite. Wir kriegen dann durch Kotrc den Ausgleich und wollten dann - vielleicht war das eine Erfahrung aus dem Berlin-Spiel - erst ganz zum Schluss den Wurf nehmen, um ein Unentschieden mitzunehmen. Dominik Weiß geht dann halbherzig in eine Aktion, in die wir relativ schnell reingezwungen werden durch den Arm der Schiedsrichter, der sofort kommt. Es tut extrem weh. Es tut mir leid für meine Spieler, die sich richtig reinhängen und nichts mitgenommen haben aus den letzten Spielen."


Sebastian Hinze: "Ich kann natürlich ein bisschen mitfühlen, aber wenn man so ein Spiel gewinnt, ist man sehr glücklich. Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel in der ersten Halbzeit. Wir hatten ein bisschen Probleme in der Abwehr, Stuttgart hat das sehr gut gespielt. Die Kreuzbewegungen haben wir nicht so gut verteidigt, aber wir haben dann ein Momentum, in dem wir uns absetzen - auch mit zwei Gegenstößen. Den kleinen Vorsprung halten wir dann bis zur Halbzeit. Danach machen wir es eigentlich gut - wir decken gut, haben Torwart-Paraden aus neun Metern, haben vorne Sechs-Meter-Chancen, aber dann bringen wir Jogi Bitter mit fünf vergebenen Sechs-Meter-Chancen ins Spiel. Dadurch kommen wir aus dem Spiel. Dann kriegen wir diese Möglichkeiten nicht mehr. Da ist das Momentum auf Seiten des TVB. Trotzdem haben gerade Jeffrey (Boomhouwer) und Milan (Kotrc) Nervenstärke bewiesen. Nach der Auszeit vor der letzten Aktion gehen wir auch ein wenig ins Risiko, wollen Stuttgart nicht bis zur letzten Chance spielen lassen. Dass das dann so endet, passiert auch nicht so oft."


Jörg Föste: "Es war ein nervenaufreibendes Spiel heute. Die letzten Spiele haben gezeigt, dass die Mentalität der Mannschaft ungebrochen ist, immer bis zum Schluss daran zu glauben. Stuttgart war der erwartet schwere Gegner. Wir haben uns das nicht einfach vorgestellt. Es war wie jedes Bundesliga-Spiel sehr schwer, und der TVB hat es mit einem überragenden David Schmidt sehr gut gelöst. Und zum Schluss war das Glück auf unserer Seite, das muss man auch zugeben sportlich fair. In den letzten 30 Sekunden ist es ein bisschen Fortune."

 

- Quelle: BHC Marketing GmbH

- Foto: Andreas Fischer


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