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Mittwoch, 05. Februar 2020

Altenberger Bobfahrer bereit für die Heim-WM

Francesco Friedrich mit Team im Eiskanal.

Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich und Olympia-Silbermedaillengewinner Nico Walther im Interview: Die beiden 29-Jährigen vom BSC Sachsen Oberbärenburg e.V. sprechen über ihren sportlichen Alltag und ihre Vorbereitungen für die BMW IBSF Bob & Skeleton WM 2020 presented by IDEAL Versicherung in Altenberg. Trotz des Trainingssturzes von Nico Walther Ende Oktober, bei dem er sich Verletzungen an der Schulter und der Brustwirbelsäule zuzog, blicken beide Piloten und ihre Teams zuversichtlich auf die Weltmeisterschaft in ihrer Heimat.
 
Am 17. Februar 2020 startet die WM in Altenberg. Wie ist die aktuelle Saison mit Blick auf die bevorstehende WM bisher für Sie gelaufen?
Francesco Friedrich: Bis jetzt ist alles positiv gelaufen. Aus den bisherigen Rennen haben mein Team und ich viele neue Erkenntnisse ziehen können. In manchen Bereichen sind wir schon ziemlich weit, in anderen hätten wir uns jedoch gewünscht, deutlich weiter zu sein. Die athletischen Werte sind ziemlich gut, sodass die Startzeiten aktuell schon auf einem sehr hohen Niveau sind. Und wenn wir das noch etwas ausbauen, werden wir bei der WM in Altenberg in Topform sein.


Nico Walther: Für mich und mein Team war der Beginn dieser Saison aufgrund meiner langwierigen Verletzung recht schwierig. Aber im neuen Jahr haben wir mit zwei Podiumsplatzierungen in Winterberg zum Glück einen ganz guten Einstieg geschafft. Wir glauben, dass wir jetzt wieder auf einem guten Weg sind, uns Woche für Woche steigern können und dann zur WM die Höchstform erreichen. Auf die Heim-WM freuen wir uns, weil es einfach etwas ganz Besonderes ist. Wegen des hohen Stellenwerts bereiten wir uns auf diesen Wettkampf auch sehr gut vor. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass wir im Training die letzte Wiederholung, die wir normalerweise weglassen würden, doch noch ausführen. Man ist einfach ein bisschen intensiver dabei als sonst.
 
Was macht die Faszination am Bobsport aus?
Francesco Friedrich: Dieser Gewaltakt, mit dem wir unseren schweren Schlitten anschieben. Die Präzision, mit der wir jede Kurve exakt treffen. Aber in erster Linie fasziniert mich das, was hinter den Kulissen stattfindet. Die Dinge, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt: Vor der Abfahrt müssen so viele Prozesse stimmen. Für mich ist das Bobfahren selbst eigentlich immer nur noch das letzte Puzzleteil zum Erfolg.


Nico Walter: Die mentalen Herausforderungen. Ich glaube, es gibt Menschen, die gut damit umgehen können, also unter Druck Leistung bringen. Andere Leute kommen damit nicht so gut zurecht. Ich gehöre eher zu der ersten Sorte. Ich mag solche Situationen: Wenn man bei den Olympischen Spielen am Start steht und weiß, jetzt kommt es darauf an: vier Jahre Training für zwei Minuten. Das ist eine schöne Situation.
 
Wie sieht ein ganz normaler Trainingstag aus?
Francesco Friedrich: Der Winter ist eine verrückte Zeit. Um 7.30 Uhr geht’s los zur Bahn, wenn wir um 9 Uhr im Schlitten sitzen müssen. Das anschließende Athletiktraining haken wir möglichst schnell ab. Nach einer kurzen Mittagspause setzen wir dann das Bahntraining fort. Später kommen der Physio-Termin und die ganze Vor- und Nachbereitung des Materials. Wir zerlegen den Schlitten jeden Tag, um ihn zu trocknen und zu reinigen. Wenn da irgendwo Rost oder Dreck ist, beschleunigt das den Schlitten nicht unbedingt. In den ersten Trainingswochen, in denen wir unterwegs sind, werden wir selten vor 22 Uhr fertig.
 
Bei Ihrem Sport zählt die Mannschaft, man muss sich auf jeden verlassen können. Was bedeutet Teamwork für Sie als Piloten?
Francesco Friedrich: Meine Mannschaft geht durch dick und dünn und ist wirklich etwas Besonderes. Wenn der eine den anderen mal schräg ankuckt, dann weiß jeder, was nicht funktioniert hat oder was wir anders machen müssen. Auch wenn ich mal nicht dabei bin, kann ich sicher sein, dass es funktioniert. Wir sind nicht nur Kumpels oder Sportkameraden, sondern auch richtig gute Freunde.


Nico Walther: Beim Bobsport ist es wichtig, dass alle als Team zusammenarbeiten. Ein Pilot oder ein Anschieber kann noch so gut sein, allein können sie nichts erreichen. Für den Erfolg ist ein gut funktionierendes Team Voraussetzung.

 
Haben Sie bestimmte Rituale direkt vor dem Start?
Nico Walther: Ich fahre tatsächlich jedes Rennen mit den gleichen Socken – FC Bayern Socken. Bei meinem dritten Weltcup hatte ich die Socken das erste Mal an und wir haben gewonnen. Seitdem trage ich sie bei jedem Rennen. Aber natürlich wasche ich sie auch regelmäßig. Generell verfolge ich sehr viele Sportarten und da gehört eben auch Fußball dazu.
 
Welche Aufgaben nehmen Sie neben dem Training viel in Anspruch?
Nico Walther: Vor allem die Materialinspizierung beansprucht viel Zeit. Aber auch die Sponsorensuche: Wir haben uns gerade einen neuen Bob angeschafft, der muss finanziert werden. Mit der IDEAL Versicherung haben wir da einen super Sponsor.
 
Wie kamen Sie zur IDEAL Versicherung?
Francesco Friedrich: Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender der IDEAL Versicherung und Präsident unseres Vereins BSC Sachsen Oberbärenburg e.V., habe ich vor über 10 Jahren an der Bobbahn in Altenberg kennengelernt. Ich bin einen Schlitten vor ihm gefahren und wir haben uns beim Abtransport der Schlitten getroffen. An dem Tag lief alles schief und ich hatte meine Mütze vergessen. Da durfte ich mir gleich was anhören. Rainer meinte: „Ihr wollt Weltklassesportler werden und tragt im Winter nicht mal eine Mütze!“ (lacht)
 
Haben Sie als Weltklasse-Sportler privat auch Abstriche machen müssen?

Nico Walther: Der ganze Organisationsaufwand ist wirklich nicht zu unterschätzen. Ich bin froh, wenn ich mal zwei, drei Minuten Freizeit habe. Dann gehe ich zum Beispiel gerne ganz entspannt mit unserem Hund im Wald spazieren.


Francesco Friedrich: Abstriche macht man immer. Ich habe zwei kleine Kinder, der Große ist jetzt drei Jahre alt und bekommt natürlich schon mit, wenn der Papa im Winter wochenlang nicht da ist. Ab Oktober bis Anfang März bin ich insgesamt vielleicht fünf bis sechs Wochen zuhause. Das ist nicht ganz einfach, auch nicht für meine Frau und den Rest der Familie. Aber wir wussten bereits vorher, dass es so kommen könnte und sind gut in die Situation hineingewachsen.

 

- Quelle: IDEAL Lebensversicherung a.G.

- Foto: IDEAL Versicherung


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